Edward POV
Eigentlich war es doch gar nicht so schwierig, Bella zu sagen was heute passiert war.
Ich sah es an ihrem Gesichtsausdruck, dass ich sie verunsicherte und genau das hatte ich doch eigentlich nicht gewollt.
Es war nicht einmal etwas Schlimmes, sondern eher etwas Gutes.
Ihre schokoladenbraunen Augen musterten mich ängstlich und ich griff nach ihrer Hand, um den Abstand zwischen uns zu verringern.
Sie wandte ihr Gesicht von meinem ab, doch meine Hand legte sich sogleich an ihr Kinn und mit einer sanften Bewegung hob ich ihr Gesicht wieder, damit sie mich ansah.
„Du hast es dir anders überlegt oder?“, flüsterte sie und ihrem Blick stand solch eine Traurigkeit geschrieben, dass es mir einen Stich in mein Herz versetzte.
„Anders überlegt? Bella, wovon sprichst du?“
„Das mit uns“, sagte sie und bei dem letzten Wort brach ihre Stimme.
„Um Gottes Willen, Bella… Nein, darum geht es nicht. Ich werde dich nicht verlassen. Nicht jetzt und auch nicht in einhundert Jahren“, versicherte ich ihr und legte meine Hand an ihre Wange.
„Aber.. Ich dachte…“ Sie biss sich auf ihre Unterlippe und schien noch immer nicht ganz beruhigt zu sein.
Wie hatte ich sie nur so verunsichern können?
Dabei wollte ich es doch nur schonend beibringen, dass ihre Mutter mich heute besucht hatte.
Immerhin wusste ich nicht, wie sie auf all das reagieren würde, schließlich war es noch nicht lange her.
„Denk das bitte nie wieder!“, sagte ich, während meine Hände an ihren Wangen lagen und meine Augen ihren Blick suchten.
„Dann verunsichere mich nicht“, entgegnete sie mit leiser Stimme und ich musste lächeln.
„Ich weiß… Es tut mir leid“, murmelte ich und mein Daumen strich an ihrer Wange entlang.
Immerhin entlockte das ihr ein klitzekleines Lächeln.
„Deine Mutter war heute bei mir.“
Aufmerksam begutachtete ich ihr Gesicht und konnte einen leichten Anflug von Panik entdecken.
Andererseits schien sie auch noch ein wenig wütend zu sein.
Ich wollte, dass sie den Streit mit ihrer Mutter behob, auch wenn das bedeutete, dass ich sie nicht mehr in meiner Nähe wissen konnte.
Zumindest würde ich wohl vorerst nicht mehr mit ihr in einem Bett schlafen können.
Der Gedanke machte mich traurig, aber Bella würde nun einmal nicht glücklich sein, wenn ihre Mutter und sie diese Meinungsverschiedenheit aus der Welt schaffen würden.
Und das war das Einzige was ich wollte.
Das meine Bella glücklich war.
„Was wollte sie von dir? Hat sie dich beschimpft?“, fragte Bella mit einem misstrauischen Gesichtsausdruck und ich musste lächeln.
„Nein, sie hat mich nicht beschimpft. Sie wollte nur mit mir reden.“
„Reden?“ Das Misstrauen war noch immer nicht aus ihrem wunderschönen Gesicht gewichen, aber ich konnte ihre Reaktion sehr gut verstehen.
„Sie hat sich bei mir entschuldigt und sie wollte wissen, ob es dir gut geht. Sie macht sich wirklich Sorgen um dich“, erklärte ich ihr und lächelte.
„Soso, tut sie das?“
Ich nahm meine Hände von ihrem Gesicht und ließ sie nach unten sinken.
„Ja, das tut sie wirklich, Liebes. Möchtest du es nicht in Erwägung ziehen, dich einmal mit ihr zu unterhalten?“ Ich musterte aufmerksam ihr Gesicht.
Sie schien einen kleinen inneren Kampf mit sich selbst auszutragen.
Ich wusste, dass sie sich so sehr wünschte, dass zwischen ihrer Mutter und ihr alles wieder geregelt wäre, aber andererseits war sie noch immer wütend.
„Wenn du nicht alleine dort hin gehen möchtest, begleite ich dich natürlich sehr gerne“, schlug ich vor und ihr Blick richtete sich auf.
„Denkst du, sie wird sich ändern?“, fragte Bella und ich konnte deutlich die Traurigkeit in ihrer Stimme hören.
„Du bist ihre einzige Tochter Isabella und sie liebt dich von ganzem Herzen. Sie wollte immer nur das Beste für dich, auch wenn ihre Absichten manchmal vielleicht ein wenig fragwürdig waren. Sie wird es sicherlich verstehen, aber es benötigt dessen ein wenig Zeit“, erklärte ich ihr mit ruhiger Stimme und sie seufzte leise.
„Und du bleibst bei mir, ja?“, fragte sie noch einmal und sah mich mit großen Augen an.
„Gewiss werde ich das“, versicherte ich ihr mit einem Lächeln und sie atmete erleichtert aus.
Am späten Nachmittag begleitete ich Bella schließlich nach Hause.
Mit jedem weiteren Schritt, den wir ihrem Haus näher kamen, wurde sie langsamer und ich spürte, wie sie sich leicht ängstlich an meinen Arm klammerte.
In ihrem wunderschönen Gesicht war kein bisschen Angst zu sehen, aber dennoch konnte ich sie spüren.
Wahrscheinlich würde sie auch nicht einmal zugeben, dass sie Angst hatte.
Ihre Augen musterten aufmerksam die Fassade des Hauses der Swans und als wir schließlich vor dem Laden zum stehen kamen, warf sie einen Blick durch das riesengroße Schaufenster.
Ihre Mutter stand neben Angela an der Kasse und nur wenige Sekunden später richtete sich ihr Blick auf.
Sie schien erleichtert zu sein, dass Bella sich doch noch dazu hatte überreden lassen.
Ich schenkte meiner Freundin ein aufmunterndes Lächeln und öffnete ihr die Tür.
Bella zögerte noch einen kurzen Moment, bevor sie schließlich noch einmal tief durchatmete und den Laden ihrer Eltern betrat.
Ich folgte ihr auf dem Weg zu ihrer Mutter, doch hielt ich mit weitgehend im Hintergrund, denn es war ihre Angelegenheit, bei der ich eigentlich gar nichts zu suchen hatte.
"Isabella, Liebes!" Ihre Mutter kam einige Schritte auf sie zu, ihre Arme ausgestreckt, doch schnell ließ sie diese wieder sinken und beschränkte sich stattdessen eher auf ein zurückhaltendes Lächeln. "Hallo Mutter..." Bellas Stimme klang distanziert. Natürlich war sie immer noch sauer und wenn man genauer darüber nachdachte, dann konnte man sie auch verstehen.
Jedoch war Renée ihre Mutter und es lag nun einmal in ihrer Natur, sich Sorgen um ihre Tochter zu machen.
"Hallo Edward", sagte sie schließlich und wandte sich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an mich.
"Hallo Renée", erwiderte ich freundlich und sah zu Bella herüber, die mir einen vollkommen verwirrten Blick zuwarf.
Sie öffnete ihren Mund, schloss ihn dann aber gleich wieder und schwieg.
Natürlich musste sie auch diese Situation hier verwirren, aber Renée hatte eingesehen, dass ihr Verhalten nun einmal nicht richtig war und jetzt wollte sie sich bei ihrer Tochter entschuldigen.
"Du wolltest mich sprechen", sagte Bella schließlich nach einer längeren Pause und sah ihre Mutter erwartungsvoll an.
"Ja, ich wollte mich gerne bei dir entschuldigen", erklärte sie und ich räusperte mich leise.
"Ich lasse euch beide dann einmal alleine."
Bella warf mir einen leicht geschockten Blick zu und Renée schüttelte mit ihrem Kopf.
"Nein, bleib doch bitte, Edward. Wir hatten heute ein sehr klärendes Gespräch und ich weiß, dass du zu ihr gehörst. Deswegen fände ich es schön, wenn du auch dabei wärst", erklärte sie schließlich und ich nickte lächelnd.
Bella war für ein paar geschlagene Sekunden wirklich sprachlos und starrte abwechselnd mich und dann ihre Mutter an.
"Bella, Liebes." Renée bekam sofort wieder die Aufmerksamkeit ihrer Tochter und Bella wartete geduldig darauf, dass sie mit dem Gespräch fort fahren würde.
"Es tut mir wirklich leid. Ich habe mich wirklich schlecht verhalten und war nicht in dieser Zeit für dich da. Ich weiß nicht einmal genau, warum ich so gegen Edward war.
Vielleicht lag es auch einfach daran, dass ich gehofft habe, du würdest dich am Ende noch eines Tages für Mike entscheiden.
Aber jetzt weiß ich, dass er auch nicht der Richtige für dich sein kann. Edward hat mir erzählt, was vorgefallen ist", erklärte sie ihrer Tochter und Bella senkte sofort ihren Blick.
Ja, Mike hatte gegen ihren Willen gehandelt und das war eigentlich alles andere als entschuldbar, doch so wie ich meine Bella kannte, würde sie auch ihm eines Tages verzeihen.
Sie war einfach viel zu gutmütig.
"Aber Edward", fuhr Renée schließlich fort und Bella zuckte kurz erschrocken zusammen. Anscheinend hatte sie gerade an diesen erzwungenen Kuss gedacht und war nun aus ihren Erinnerungen heraus gerissen worden.
"Ehrlich gesagt ist es wundervoll mit anzusehen, wie sehr er dich liebt.
Man muss ihn nur ansehen, in seine Augen blicken und man sieht die tiefe Liebe für dich darin.
Es ist mir heute unverständlich, wie ich das übersehen konnte, aber ich habe mich an meinen Vorstellungen und Wünschen festgeklammert und deine dabei völlig außer Acht gelassen.
Es tut mir wirklich leid. Kannst du mir noch einmal verzeihen?", fragte Renée und pure Ehrlichkeit lag in ihrer Stimme.
Bella zögerte einen Moment lang und knabberte auf ihrer Unterlippe herum.
Sie würde die Entschuldigung annehmen, dass wusste ich bereits und ich freute mich, dass Bella und ihre Mutter sich wieder verstehen würden.
Auch wenn das bedeutete, dass Bella jetzt fortan wieder bei ihren Eltern wohnen würde.
"Gut... Ich verzeihe dir", sagte sie schließlich nach einer längeren Pause und Renée strahlte.
Es würde sicherlich noch ein wenig dauern, bis Bella wieder das nötige Vertrauen aufbringen könnte, aber mit der Zeit würde sich dieses Problem sicherlich auch noch lösen.
"Oh.." Renée stürzte sich regelrecht auf Bella und schloss ihre Tochter in ihre Arme.
Man konnte sie deutlich schluchzen hören und Bella tätschelte sanft ihren Rücken, um sie ein wenig zu beruhigen.
Es mussten einige Minuten sein, in denen die beiden dort standen und sich einfach nur umarmten.
Es war schön mit anzusehen, dass die beiden sich wieder vertragen hatten.
"Ich werde gleich deinem Vater Bescheid sagen.. Du.. Du kommst doch wieder zurück, oder?"
Bella seufzte leise und warf mir einen kurzen Blick über ihre Schulter zu.
"Ich werde morgen früh wieder hier sein, wenn es dir recht ist", sagte sie leise zu ihrer Mutter.
"Gewiss doch, mein Kind. Oh, ich bin so erleichtert." Renée küsste Bellas Wange und wandte sich dann augenblicklich an mich.
Ihre Hände umschlossen meine und sie strahlte mich überglücklich an.
"Ich danke dir, Edward. Ohne dich wäre sie sicherlich nicht dazu bereit gewesen, sich mit mir noch einmal zu unterhalten."
"Das ist doch selbstverständlich", erwiderte ich schlicht.
Insgeheim freute ich mich gerade unheimlich darüber, dass Bella nicht sofort wieder unser Haus verlassen würde.
"Ich werde euch beiden morgen etwas Schönes kochen, wenn es euch recht ist", fügte Renée noch hinzu.
Sie war noch immer ganz aus dem Häuschen und während sich Bella und ihre Mutter noch ein wenig unterhielten, hielt ich mich vorerst wieder im Hintergrund.
20 Minuten später spürte ich, wie jemand nach meiner Hand griff und entdeckte Bella neben mir.
Sie sah ein wenig unsicher aus und ich runzelte verwundert die Stirn.
"Es macht dir doch nichts aus, dass ich heute noch bei dir bleibe, oder?"
Unwillkürlich musste ich lachen, stoppte mich aber schnell wieder, als sie von Sekunde zu Sekunde nur noch verunsicherter aussah.
"Nichts liegt mir ferner, als dich bei mir zu wissen", versicherte ich ihr mit einem strahlenden Lächeln, während ich ihr die Tür öffnete und wir den Laden verließen, nachdem wir uns von ihrer Mutter verabschiedet hatten.
"Das ist schön zu hören", flüsterte sie leise neben mir und drückte meine Hand leicht.
"Es ist nur die Wahrheit", entgegnete ich lächelnd und so langsam konnte ich meine Freude darüber, dass Bella die Nacht noch bei mir verbringen würde, nicht mehr unterdrücken.
Am liebsten hätte ich sie immer in meiner Nähe gehabt, aber das konnte noch ein wenig warten.
Schließlich hatten wir ja noch unser ganzes Leben lang Zeit.
Inhalt
Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.
Freitag, 9. Juli 2010
Donnerstag, 20. Mai 2010
Kapitel 11 - Vergangenheit und Zukunft
Bella
Als ich am nächsten Morgen meine Augen öffnete, sah ich als erstes Edwards Gesicht und musste unwillkürlich lächeln.
Seine Augen waren noch geschlossen und seine Arme noch immer um mich geschlungen.
Ich lauschte seinem ruhigen Atem und dem Herzschlag in seiner Brust.
Es war ein wunderschönes Gefühl neben ihm aufzuwachen und ihn so friedlich schlafen zu sehen, war ein wirklich schöner Anblick.
Ich rührte mich nur ein wenig und doch schien Edward diese Bewegung aus seinem Schlaf zu holen, denn wenige Sekunden später blickte ich in seine noch leicht verschlafenen grünen Augen.
„Guten Morgen…“, murmelte er lächelnd und küsste meine Wange.
„Guten Morgen…“, erwiderte ich und biss mir lächelnd auf die Unterlippe.
„Wie hast du geschlafen?“, wollte er von mir wissen und richtete sich vorsichtig auf.
„Gut..“ Und ich konnte auch guten Gewissens sagen, dass es die Wahrheit war.
Mir ging es schon viel besser als am vorherigen Abend und eigentlich hatte ich das hauptsächlich Edward zu verdanken.
Er war für mich da gewesen und hatte mich festgehalten.
Ich dankte ihm für so vieles.
„Das ist schön zu hören“, sagte er und schob die Bettdecke zur Seite.
„Ich werde jetzt in mein Zimmer gehen, damit du dich in Ruhe fertig machen kannst. Ich bin unten im Esszimmer und werde auf dich warten“, versicherte er mir mit einem Lächeln auf den Lippen und ich sah Edward hinterher, wie er mein Zimmer verließ.
Ich streckte mich noch einmal ganz vorsichtig, bevor ich mich schließlich aus dem Bett erhob und mich noch einmal in diesem wunderschönen Zimmer umsah.
Meine Aufmerksamkeit wurde durch ein dunkelgrünes Kleid erregt, welches sorgfältig auf einer Stuhllehne bereit gelegt worden war.
Stirnrunzelnd warf ich einen Blick darauf.
Mir gehörte dieses Kleid nicht, also musste es jemand dort hingelegt haben.
Neugierig und mit leisen Schritten lief ich zu dem Kleid herüber und entdeckte einen Zettel, der sorgfältig auf dem Stuhl zusammengefaltet lag.
Ich griff danach und öffnete ihn, damit ich ihn lesen konnte.
Zum Vorschein kam eine wunderschöne Handschrift, die ich bis jetzt noch nicht kannte.
„Liebes, ich habe dir einige Kleider besorgt und hoffe, dass sie dir gefallen werden.
Sie werden bezaubernd an dir aussehen, da bin ich mir sicher.
Elizabeth“
Ich errötete augenblicklich als ich den Namen las, der dort geschrieben stand.
Edwards Mutter hatte mir dieses Kleid hier zu recht gelegt, da war ich mir sicher.
Also hatte sie auch mit großer Wahrscheinlichkeit gesehen, dass Edward in meinem Bett direkt neben mir geschlafen hatte.
Unsicher sah ich mich in dem kleinen Raum um.
Verurteilte sie mich jetzt vielleicht?
Würde es noch ein riesengroßes Donnerwetter geben, wenn ich nachher diese Treppenstufen herunter ging und das Esszimmer betreten würde?
Ich traute mich nur ganz langsam, mit dem Kleid in das wunderschöne Badezimmer um mich für das Frühstück fertig zu machen.
Ein wenig versuchte ich die Zeit noch herauszuzögern, aber ich wollte auch nicht unhöflich wirken, also atmete ich noch einmal tief durch, bevor ich die Tür öffnete und den Flur des oberen Stockwerkes betrat.
Es waren keine Stimmen zu hören. Ich lauschte aufmerksam den Klängen des Klavierstückes, welches aus dem unteren Stockwerk zu hören war.
Meine Hand legte sich an das wunderschön verzierte Geländer und ich schritt langsam die Treppe hinab.
„Guten Morgen, Miss Swan“, hörte ich eine Stimme und ich zuckte erschrocken zusammen.
Als ich meinen Blick aufrichtete, entdeckte ich die Haushälterin der Masens, die mich freundlich anlächelte.
Ihr Name war Sophia, wenn ich mich recht erinnerte und in ihren Händen trug sie ein großes Tablett, welches mit Sicherheit für das Frühstück bestimmt war.
„Dieses Kleid steht Ihnen wirklich fabelhaft! Ich wusste doch gleich, dass Mrs. Masen das richtige Augenmaß besitzt“, fügte sie mit einem ehrlichen Lächeln hinzu und es ließ sich nicht vermeiden, dass ich sogleich wieder errötete.
Also hatte ich auch mit meiner Vermutung recht gehabt.
Elizabeth hatte es gesehen.
„Benötigen Sie noch etwas, Miss?“, fragte Sophia mich und ich erwachte augenblicklich aus meiner kleinen Träumerei.
„Oh.. Ich? Nein, vielen Dank“, sagte ich hastig und Sophia nickte lächelnd, bevor sie schließlich im Esszimmer verschwand.
Ich wagte mich nur langsam vor und legte meine Hand vorsichtig an den Türrahmen, um einen Blick in das riesige Esszimmer werfen zu können.
Sophia war gerade dabei den Tisch zu decken.
Edward Senior saß bereits an dem Esszimmertisch und war mit einem unzufriedenen Stirnrunzeln in seine Zeitung vergraben.
„Liebling, du siehst so verärgert aus“, hörte ich die Stimme von Elizabeth und wenige Sekunden später sah ich, wie sich ihre Hand an die Schulter ihres Mannes legte.
„Der Krieg… Sie haben den Deutschen den Krieg erklärt“, murmelte er leise vor sich hin und ich bemerkte, wie Elizabeths zuvor noch gutmütiger Blick einen ängstlichen Ausdruck bekam.
Ihre Hand legte sich an ihr Herz und sie seufzte leise, bevor sie sich schließlich wieder von ihrem Mann abwandte.
„Wenn es an der Zeit ist, muss Edward…“ Bei den letzten Worten brach ihre Stimme und mein Herz setzte für einen kurzen Moment aus.
Alleine der Gedanke daran, dass Edward in den Krieg ziehen musste, löste in mir eine richtige Panikwelle aus und ich schnappte nach Luft.
Sofort drehten sich beide Köpfe in meine Richtung.
„Entschuldigung“, murmelte ich mit leiser Stimme und biss mir auf die Lippen.
Als Elizabeth realisierte, dass ich es war, schlich sich wieder ihr warmes Lächeln auf ihre Lippen und sie kam auf mich zu.
Beinahe so, als hätte dieses Gespräch zwischen ihr und ihrem Mann nicht stattgefunden, doch ich konnte noch immer die tiefste Sorge in ihren Augen erkennen.
„Guten Morgen, meine Liebe“, sagte sie mit sanfter Stimme und gab mir einen Kuss auf die Wange.
Ich lächelte schüchtern, doch sicherlich war die Angst und die Panik noch immer in meinem Blick zu sehen, denn Elizabeth streichelte behutsam meinen Arm.
Sie war so gütig zu mir, dass ich es fast nicht verdient hatte.
„Du trägst das Kleid, welches ich dir zurecht gelegt habe und es steht dir wirklich noch besser, als ich zuerst gedacht habe“, bemerkte Elizabeth mit einem strahlenden Lächeln.
„Vielen Dank für dieses überaus bezaubernde Kleid“, flüsterte ich schüchtern als Antwort und senkte meinen Kopf.
„Gerne, meine Liebe. Setz dich doch zu uns, dass Frühstück wird gleich serviert sein!“ Sie führte mich in die Richtung des Tisches und Edwards Vater richtete seinen Blick auf, als er mich entdeckte.
Sofort erhob er sich von seinem Platz und rückte meinen Stuhl zurecht, damit ich mich setzen konnte.
Ich lächelte dankbar und er machte eine leichte Verbeugung in meine Richtung, bevor er sich dann seiner Frau zuwandte.
Die beiden waren ein wirklich wunderschönes Paar und ich konnte einfach nicht anders, als die beiden zu beobachten.
Ich fragte mich, wie meine Zukunft wohl aussehen würde.
Ob ich eines Tages auch einen so wundervollen Mann haben würde und bezaubernde Kinder?
Ich errötete bei dem Gedanken, dass Edward derjenige sein könnte, mit dem ich das alles erlebte.
Vielleicht würde es ja wirklich so sein, eines Tages.
Meine Aufmerksamkeit wurde aber schnell wieder anders beansprucht, als Edward den Raum betrat.
Sofort richtete ich meinen Kopf in seine Richtung und als sich unsere Blicke trafen, schenkte er mir sein strahlendes Lächeln, welches die Röte in meinem Gesicht nur noch mehr verstärkte.
Elizabeth seufzte zufrieden, als sich Edwards Hand ganz vorsichtig auf meine Schulter legte und er meine Wange küsste. Edward ließ sich auf dem Stuhl direkt neben mir nieder und ich wandte meinen Blick schnell von ihm ab, aber es ließ sich nicht vermeiden, dass ich lächelte.
„Nun, mein Sohn. Denkst du wir können an diesem heutigen Tage unsere Frauen guten Gewissens alleine lassen?“, fragte Edwards Vater nach dem Frühstück mit einem amüsierten Gesichtsausdruck und ich richtete schnell meinen Blick auf.
„Ach papperlapapp!“, sagte Elizabeth mit einem Lächeln und schlug ihren Mann mit einer sanften Bewegung auf die Hand.
„Liebling, denkst du denn nicht, dass wir beide uns schon zu beschäftigen wissen?“
Ich war immer noch ein wenig verwirrt über die Aussage von Edwards Vater und lauschte dem folgenden Gespräch nur mit einem Ohr.
Edward warf mir einen besorgten Blick zu und streichelte meine Hand.
„Geht es dir nicht gut?“, fragte er vorsichtig und musterte aufmerksam mein Gesicht.
„Du gehst fort?“ Es war eigentlich nicht beabsichtig gewesen, dass meine Stimme diesen panischen Unterton hatte, aber das ließ sich nicht vermeiden.
Edward lächelte schief und betrachtete unsere Hände, die in der Zwischenzeit miteinander verschränkt waren.
„Nur für heute, Liebste“, versicherte er mir und seine grünen Augen beruhigten mich ein wenig.
Doch da waren immer noch diese Worte, die Elizabeth heute erwähnt hatte.
Der Krieg und all die grausamen Dinge, die dort weit weg von hier geschahen…
„Ich helfe meinem Vater bei der Arbeit“, fügte er noch als Erklärung hinzu und ich atmete erleichtert aus.
„Wann wirst du wieder da sein?“, fragte ich vorsichtig und Edwards Lächeln wurde noch breiter.
„Gegen Mittag. Es wird sicherlich nicht so lange dauern, das verspreche ich dir!“
Er küsste meinen Handrücken und ließ meine Hand dann gezwungenerweise los, da er sich von seinem Stuhl erhob.
„Ich denke, du wirst dich gut mit meiner Mutter amüsieren“, murmelte er mit einem zufriedenen Lächeln und ich wurde etwas unruhig.
Elizabeth war eine wirklich fantastische Frau, aber ich hatte auch unheimlichen Respekt vor ihr.
Jedoch konnte sie mich vielleicht von allem am Besten verstehen, denn sie war ebenfalls nicht reich auf die Welt gekommen.
Ich wandte meinen Blick von Edwards Eltern ab, während sie sich verabschiedeten, denn ich wollte sie wirklich nicht dabei beobachten und in irgendeiner Art und Weise stören.
„Wir sehen uns heute Mittag“, versprach er mir noch einmal, beugte sich zu mir herunter und küsste mich ganz sanft und vorsichtig.
Vor seinen Eltern.
Jedoch löste er sich für meinen Geschmack viel zu schnell wieder von mir und sein Zeigefinger strich mit einem amüsierten Lächeln über meine Wangen.
Man musste es mir nicht sagen, dass sie wieder einen leichten Rosaton angenommen hatten, dass wusste ich auch schon so.
„Meine Damen..“ Edward Senior verbeugte sich leicht in unsere Richtung und verließ dann zusammen mit seinem Sohn das Haus.
Ich seufzte leise und sah Edward noch hinterher, bevor ich schließlich eine Hand an meinem Arm spürte.
Auf Elizabeths Lippen lag ein zufriedenes Lächeln und sie wandte ihren Kopf in meine Richtung.
„Nun, Isabella…“ Sie runzelte kurz die Stirn und lächelte mich dann vorsichtig an.
„Oder würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dich Bella nenne? Bis jetzt habe ich nur mitbekommen, dass mein Sohn diesen Namen verwendet und ich weiß nicht, ob dir das recht ist, wenn ich es auch tue.“
Ich nickte lächelnd und Elizabeth schien sich wirklich darüber zu freuen.
Ihre Hand deutete in die Küche, bevor sie zu sprechen begann.
„Da unsere Männer jetzt den ganzen Vormittag unterwegs sein werden, habe ich mich gefragt ob du mir nicht vielleicht das Rezept für diesen unbeschreiblich köstlichen Schokoladenkuchen geben kannst…Wir könnten ihn auch gleich zusammen backen, denn ich denke die Männer werden nichts dagegen haben. Es sei denn, du würdest gerne etwas anderes unternehmen.“
Elizabeth warf mir einen fragenden Blick zu und für einen kurzen Moment war ich verwundert über die Tatsache, dass Elizabeth backen konnte.
Sie schien meinen Blick zu bemerken und zu meiner Schande auch genau richtig zu deuten.
„Ich weiß nicht, wie viel Edward dir von mir erzählt hat, aber obwohl ich vielleicht etwas aus der Übung bin, kann ich doch noch kochen und backen.“
An ihrem warmen Lächeln erkannte ich, dass sie mir es wirklich nicht übel nahm, aber ich fühlte mich trotzdem so, als hätte ich sie beleidigt.
„Ich wollte Sie nicht beleidigen“, sagte ich schnell und sprach somit gleich meine Gedanken laut aus.
Elizabeth lachte leise und führte mich in die riesengroße Küche, in der sich auch die Haushälterin befand.
„Keine Sorge, meine Liebe. Mich kann so schnell nichts verärgern!“, versicherte sie mir mit einem kleinen Augenzwinkern und ich seufzte leise.
„Natürlich helfe ich Ihnen gerne“, sagte ich, nachdem wir vor dem Ofen zum stehen kamen.
Es wäre sicherlich schön, wenn wir Edward und seinem Vater eine kleine Freude machen konnten.
Sophia entschuldigte sich und war sogleich aus der Küche verschwunden.
Ich wusste nicht, ob sie uns alleine lassen wollte, oder ob sie wirklich noch etwas zu erledigen hatte, aber ich dachte nicht weiter darüber nach.
„Ich denke, wir haben alle nötigen Zutaten hier in diesem Schrank“, erklärte Elizabeth mir und öffnete eine Schranktür.
Natürlich war es nicht verwunderlich, dass sich in diesem Schrank wahrscheinlich alles befand, welches man zum backen von hunderten solcher Kuchen benötigte.
Ich überlegte einen Moment und verschaffte mir einen kurzen Überblick über diese ganze Zutatenvielfalt und stellte dann alles sorgfältig auf die Kleine Ablage vor uns.
Einige Minuten lang standen wir schweigend nebeneinander und ich machte mich daran den Teig anzurühren.
„Mich würde es interessieren, wie viel Edward dir von mir erzählt hat“, bemerkte Elizabeth nach einiger Zeit und ich sah kurz zu ihr herüber.
„Ehrlich gesagt nicht so viel. Nur.. Nun ja… Sie stammen doch auch aus den gleichen Verhältnissen wie ich, oder?“
„Das stimmt. Ich habe sogar in dem gleichen Stadtteil wie du gewohnt. Ich war ein ganz normales Mädchen, lebte zusammen mit meinem Eltern in einem kleinen Häuschen und habe sie immer bei ihrer Arbeit unterstützt. Genau wie du“, erklärte sie mir und seufzte zufrieden.
Dem Anschein nach erinnerte sie sich gerne an diese Zeit zurück und mir wurde immer mehr bewusst, warum sie mich so gut leiden konnte.
Eigentlich war ich genau so wie sie, nur eine etwas jüngere Ausgabe davon.
Edward hatte natürlich recht gehabt, natürlich war solch eine Art von Beziehung möglich, denn seine Eltern lieferten ja den besten Beweis dafür.
Ich fragte mich nur, wie sie es geschafft hatten.
Im Gegensatz zu heute, war die Gesellschaft von damals doch noch strenger gewesen und trotzdem waren sie jetzt ein glücklich verheiratetes Ehepaar.
„Du fragst dich sicherlich, wie wir das geschafft haben, oder?“ Sie musterte aufmerksam mein Gesicht und ich blinzelte verwirrt.
Elizabeth und auch Edward hatten irgendwie eine Begabung dafür, die Gedanken des anderen in ihrem Gesicht abzulesen.
Zumindest lagen die beiden mit ihren Vermutungen meist richtig, obwohl Edward mir vor kurzem noch erzählt hatte, dass es für ihn bei mir nicht gerade sehr einfach war.
„Ehrlich gesagt, ja“, gestand ich kleinlaut und warf einen Blick auf den Teig.
Elizabeths leises Lachen ging in ein Seufzen über und es schien so als schwelgte sie für einen kurzen Moment in alten Erinnerungen.
„Weißt du Bella, du musst dich vor uns wirklich für gar nichts rechtfertigen. Ich sehe es wirklich sehr gerne, dass du an Edwards Seite bist. Er ist wirklich ein fantastischer Sohn und ich möchte für ihn nur das Beste, aber ich habe mir geschworen, mich nicht in seine Angelegenheiten einzumischen, wie es die Eltern meines Mannes getan hatten“, erklärte sie mir und ich musste sofort an meine Mutter denken.
Es war für mich immer noch unverständlich, warum sie sich so gegen diese Beziehung wehrte und einfach nicht wollte, dass ich meine Zeit zusammen mit Edward verbrachte.
„Wenn ich da alleine an Miss Stanley denke…“ Elizabeth schüttelte sich kurz und warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Ich wusste ganz genau, was Elizabeth mir damit sagen wollte und ich musste unwillkürlich grinsen.
„Aber wenn Edward die Entscheidung getroffen hätte sie zu heiraten, hätte ich ihn nicht aufgehalten.“ Elizabeth schien erleichtert zu sein, dass Edward diese Entscheidung wohl nicht in Erwägung zog und auch mir erging es da nicht anders.
Alleine die Vorstellung davon, ihn an Jessica Stanley zu verlieren jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken.
„Aber ich schweife ein wenig vom Thema ab…“ Elizabeth lächelte kopfschüttelnd.
„Möchtest du die Geschichte hören?“, fragte sie mich und ich nickte sofort ohne groß darüber nachzudenken.
Es hatte mich schon immer brennend interessiert, wie Elizabeth und Edward Senior zueinander gefunden hatten.
Ich mochte solche schönen Geschichten und diese hier war ja bis jetzt auch schließlich gut ausgegangen.
„Gut…“ Elizabeth atmete einmal kurz ein und sie schien ihre Erinnerungen in ihrem Kopf erst einmal zu ordnen, bevor sie zu erzählen begann.
„Ich habe Edward das erste Mal 1889 getroffen. Ich war 16 Jahre alt, genauso wie du es jetzt auch bist“, erklärte sie lächelnd und ich errötete.
„Unsere Geschichte ähnelt sich in so vielen Dingen und ich würde es dir wirklich wünschen, dass du auch eine so schöne Zeit haben wirst, wie ich es hatte und auch heute noch habe“, fügte sie hinzu und ich seufzte leise.
Diese Vorstellung wäre wirklich sehr schön, das konnte ich nicht bestreiten.
„Anfangs habe ich mir, zusammen mit ein paar Freundinnen etwas Geld hinzuverdient. Wir waren bei den verschiedensten reichen Personen von Chicago als Haushälterinnen angestellt und obwohl einige der Leute ziemlich unfreundlich sein konnten, so war es doch eine schöne Zeit. Wir hatten wirklich viel Spaß und ich habe meine Arbeit gerne gemacht. Meine Eltern waren ebenfalls sehr stolz auf mich.“
Ich lauschte wirklich sehr gerne ihren Erzählungen, denn dank meiner blühenden Fantasie konnte ich mir alles noch haargenau vorstellen.
Jetzt wusste ich auch, wie alt Elizabeth war und sie war wirklich noch recht jung mit ihren 34 Jahren, aber das war ja auch nichts Ungewöhnliches.
Trotz allem war sie um einiges hübscher als die Frauen in ihrem Alter, was wahrscheinlich auch immer diese neidischen Blick erklärten, die ihr alle immer zuwarfen, doch sie schien das nicht im geringsten zu stören.
„Ich weiß noch genau, wie es damals für mich war. Fast beinahe so, als wäre es erst gestern passiert, dabei ist es schon 18 Jahre her…“ Sie seufzte zufrieden und ich wartete gespannt darauf, dass sie von der ersten Begegnung mit ihrem Mann erzählte.
Ich befand mich gerade zusammen mit meiner Freundin Victoria im riesigen Salon der Masens und beseitigte die letzten Überreste des Festes, welches noch am Abend zuvor bis zum frühen Morgen gefeiert wurde.
Ich arbeitete erst seit ein paar Tagen hier, ganz im Gegensatz zu Victoria, die schon seit einiger Zeit für die Masens arbeitete.
„Oh Elizabeth, hast du schon den Sohn der Masens getroffen?“, fragte sie mit träumerischer Mine und ich warf ihr einen kurzen Blick zu.
Victoria tat nichts lieber, als sich die ganzen Junggesellen der oberen Schicht anzusehen und heimlich für sie zu schwärmen.
Ich musste über ihre verträumte Art lächeln und schüttelte den Kopf.
„Nein, wie könnte ich? Ich habe gestern den ganzen Tag in der Küche verbracht.“
„Er war ja auch eine Zeit lang auf Reisen, zusammen mit Mr. Masen. Aber jetzt ist er wieder da und oh, ich bin ja schon so aufgeregt.“
„Du bist wirklich unverbesserlich“, bemerkte ich mit einem entschuldigenden Lächeln und Victoria zuckte grinsend mit ihren Schultern.
Sie wusste selbst nur zu genau, dass wir alle keine Chance bei diesen Männern hatten, denn sie hatten grundsätzlich nur Augen für die Frauen aus ihren Reihen.
Mir machte das nicht viel aus, denn eines Tages würde ich schon noch den richtigen Mann finden.
Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde.
Victoria atmete laut aus, als sich die Tür öffnete und sofort schlich sie mit schnellen Schritten zu mir herüber.
Ich war immer noch viel zu sehr damit beschäftigt, aufzuräumen, als das ich mich die ganze Zeit mit ihr hätte unterhalten können, aber sie ließ nicht locker und zupfte aufgeregt an meiner Schürze.
„Lizzy, schau! Dort ist er!“
Ich zwang mich dazu, meine Arbeit für einen kurzen Moment zu unterbrechen und folgte dem Blick meiner besten Freundin.
Da stand er, direkt neben seinem Vater.
Die beiden unterhielten sich gerade und schienen uns nicht zu bemerken, aber auch das war nichts Außergewöhnliches.
Ich hatte wirklich mit vielen gerechnet, denn Victorias Geschmack für Männer war manchmal schon ziemlich fraglich, aber dieser Edward war wirklich äußerst gut aussehend.
Auch wenn es sicherlich recht dümmlich aussehen musste, so konnte ich es doch nicht lassen ihn anzusehen.
„Ich bezahle Sie sicherlich nicht fürs herumstehen!“, hörte ich die wütende Stimme von Mrs. Masen nicht weit entfernt von uns und sowohl Victoria als auch ich zuckten beide erschrocken zusammen.
Das hatten wir jetzt davon, dass wir ihren Sohn beobachten!
„Entschuldigen Sie bitte, Mrs. Masen. Es kommt nicht noch einmal vor“, sagte ich hastig und verbeugte mich kurz in ihre Richtung.
Während ich mich wieder umdrehte, sah ich noch, wie auch der Sohn der Masens seinen Blick zu mir gerichtet hatte, aber da ich jetzt wieder arbeiten musste, konnte ich mir seinen Gesichtsausdruck nicht genauer ansehen.
Ich wollte es schließlich nicht riskieren, am Ende noch meinen Job zu verlieren und das nur, weil Mrs. Masen schlechte Laune hatte und ich ihren Sohn beobachtete.
Außerdem waren die Söhne dieser ganzen reichen Leute doch alle gleich.
In der Öffentlichkeit hatten diese Männer keinen Blick für uns übrig, aber sobald die Vorhänge geschlossen waren, interessierten sie sich für die Frauen der anderen Schicht.
Uns so schnell wie sie erobert worden waren, so schnell wurden sie auch gleich wieder abgeschrieben.
Es war traurig genug, dass so viele Frauen auch noch darauf hinein fielen, aber immerhin gehörten ich und auch sogar Victoria nicht zu diesen Frauen.
Sie beschränkte sich lieber auf das schwärmen und darüber war ich unheimlich froh.
„Oh.. Lizzy..“ Victoria hielt das Staubtuch in ihrer Hand, doch es sah nicht danach aus, als würde sie gerade wirklich arbeiten, denn sie starrte schon wieder zu der Tür herüber.
„Victoria!“ Ich warf ihr einen warnenden Blich zu, während ich weiter das Regal abputzte, doch sie schien diese Aussage von mir vollkommen zu ignorieren.
„Lizzy, er kommt wirklich hier her!“ Sie wedelte mit ihrem Staubtuch in meine Richtung und ich seufzte leise.
Das hatte rein gar nichts zu bedeuten, aber Victoria musste wieder einmal ein riesengroßes Theater daraus machen.
„Lass ihn doch… Ihn interessiert wahrscheinlich eh nur…“, flüsterte ich ihr zu, doch als ich ein Räuspern vernahm, stoppte ich augenblicklich.
Ganz langsam drehte ich meinen Kopf in seine Richtung und starrte in ein Paar wunderschöne braune Augen.
Sie strahlten soviel Ehrlichkeit und Güte aus, dass ich beinahe das Tuch in meinen Händen verloren hatte, doch ich konnte es gerade noch wieder auffangen.
„Meine Damen…“ Er machte eine leichte Verbeugung in unsere Richtung und Victoria kicherte vergnügt, während ich ihn nur leicht dümmlich anstarren konnte.
Was wollte dieser Mann jetzt von uns?
Sollten wir vielleicht auch noch schnell sein Zimmer aufräumen?
Hatte ich noch einen Fleck übersehen?
Hastig sah ich mich um, doch alles war blitz und blank.
„Wie ist Ihr Name, Miss?“, fragte er mich in höflichem Ton und ein Lächeln schlich sich über sein Gesicht.
Er wollte meinen Namen wissen?
Ich runzelte die Stirn und versuchte möglichst nicht verwirrt auszusehen und doch gelang es mir nicht.
„Mein Name? Ich heiße Elizabeth, Sir…“, entgegnete ich schnell und hoffte, dass meine Stimme ihren höflichen Ton behalten hatte.
„Es freut mich, Sie kennen zu lernen Elizabeth. Mein Name ist Edward.“ Er streckte mir seine Hand entgegen und ich starrte sie ein wenig verwirrt an.
Das sich jemand wie er so höflich vorstellte, war bis jetzt noch nicht passiert.
„Es freut mich auch, Sir. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden… Ich habe noch einiges an Arbeit zu erledigen“, sagte ich schnell und wandte mich von ihm ab.
Das war vielleicht alles andere als höflich, aber ich sah keinen Grund, wieso ich mich mit ihm unterhalten sollte, obwohl er natürlich mehr als nur unbeschreiblich gut aussah.
Jedoch käme das alles nur auf das Eine hinaus und das wollte ich unter keinen Umständen.
Ich war gerade dabei, den Kuchen in den Ofen zu schieben, als Elizabeth ihre Erzählung unterbrach und leise kicherte.
„Also, Liebes. Wie du sehen kannst, sind wir uns nicht so unähnlich. Nur mit der Tatsache, dass ich viel sturer war, als du. Edward musste wirklich lange um mein Herz kämpfen, aber wenn ich ehrlich war, dann hat er mich schon vom ersten Moment an verzaubert. Jedoch wusste ich beim besten Willen nicht, wie solch eine Beziehung bestand haben konnte. Diesen Gedankengang wirst du sicherlich sehr gut verstehen.“
Sie lächelte und strich behutsam über meinen Arm.
„Ja, in der Tat.“ Ich seufzte leise und warf einen nachdenklichen Blick aus dem Fenster.
„Jedoch.. Es gab da eine Sache, mit der Edward und ich sicherlich nicht sogleich gerechnet hätten“, erklärte Elizabeth mir, doch ihr Blick verriet, dass es anscheinend keine schlechte Erinnerung war.
Ich warf ihr einen fragenden Blick zu und wartete darauf, dass sie mit der Erklärung fort fuhr.
„Ich wurde schwanger“, sagte sie schließlich und ihre Augen strahlten.
Ich hingegen verstand nicht so recht, was daran jetzt so schlimm sein sollte, denn zu ihrer vorherigen Aussage passte diese jetzt nicht so ganz.
„Bevor wir geheiratet haben“, fügte sie als Erklärung hinzu.
„Oh Himmel!“, sagte ich und meine Wangen färbten sich rot.
Elizabeth hingegen kicherte nur leise und zuckte dann leicht mit ihren Schultern.
„Ich habe ganz genauso reagiert, wie du jetzt aber daran waren Edward und ich schließlich nicht unbeteiligt.“
Ich wollte irgendetwas darauf erwidern, doch mir fiel beim besten Willen nichts ein.
Stattdessen räumte ich vollkommen planlos die restlichen Zutaten wieder an ihren ursprünglichen Platz und versuchte nicht daran zu denken, was noch am Abend zuvor mit Edward passiert war.
Wir hatten zusammen in einem Bett geschlafen und uns geküsst.
Er hatte mich auch berührt, doch dann hatte er aufgehört.
Ich wollte nicht daran denken, was passiert wäre, wenn er nicht aufgehört hätte.
Natürlich hätte ich ihn mit großer Wahrscheinlichkeit nicht davon abgehalten, aber im Nachhinein hätte ich vielleicht mit gewissen Konsequenzen rechnen können.
„Ihr müsst uns ja auch nicht alles nachmachen, nicht wahr?“ Elizabeth schien meine Reaktion irgendwie zu amüsieren, doch ich wusste auch, dass sie mich nicht auslachte.
Ich war einfach nur nervös und ein wenig peinlich berührt, wie wahrscheinlich jede junge Frau in meinem Alter, wenn es um dieses Thema ging.
„Aber ich habe es nie bereut. Sieh doch, was wir für einen wunderbaren Sohn haben.“ Elizabeth seufzte zufrieden und ihre smaragdgrünen Augen leuchteten vor Freude.
„Jedoch weiß es bis heute niemand. Edward und ich haben es immer für uns behalten und unser Sohn ist dann auf die Welt gekommen, als wir bereits verheiratet waren. Edward und ich wollten so oder so heiraten, aber ich wollte nicht, dass man mein Kind anders behandelt, nur weil es unehelich zur Welt gekommen war.“
Das verstand ich nur allzu gut.
Obwohl ich noch keine Kinder hatte, wenn es anders wäre, dann würde ich mit großer Sicherheit auch alles für mein Kind tun und ihm die ganze Liebe geben, die ich besaß.
„Was ist mit Victoria?“, fragte ich nach einer kurzen Pause und versuchte damit, dass Thema in eine andere Richtung zu lenken.
„Oh Victoria? Ihr geht es wirklich fantastisch und noch immer ist sie mir eine sehr gute Freundin. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nicht weit entfernt von hier. Zwar ist dieser vielleicht nicht so reich, wie sie es sich insgeheim immer erträumt hatte, aber sie ist überaus glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Die Liebe geht nun einmal ihren eigenen Weg. Man kann sie nicht hinauf beschwören oder gar erzwingen..“
Da hatte Elizabeth wieder einmal Recht und ich musste Lächeln.
Es war auch schön zu wissen, dass Victoria Elizabeth nie verurteilt oder sich von ihr abgewandt hatte.
Genau an solchen Dingen erkannte man auch, wer seine wahren Freunde waren und von wem man sich lieber fern halten sollte.
Während wir darauf warteten, dass der Kuchen endlich fertig wurde, unterhielten wir uns noch eine ganze Zeit lang und tranken nebenbei Tee.
Elizabeths Gesellschaft war wirklich ein Geschenk und ich war gerne in ihrer Nähe, während sie mir so einiges aus ihrem bisherigen Leben erzählte.
Edward hatte wirklich wunderbare Eltern und ich bewunderte die beiden.
Ich war so vertieft darin Elizabeth zuzuhören, dass ich Edwards Anwesenheit erst bemerkte, als sich seine Hand vorsichtig auf meine Schulter legte.
Trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, dass ich zusammenzuckte und ihm einen erschrockenen Blick zuwarf.
„Entschuldige bitte“, bemerkte er mit einem amüsierten Grinsen und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, zeigte sich ein Lächeln auf meinen Lippen.
Edward begrüßte mich und dann auch seine Mutter, bevor ich seinen Vater entdeckte, der einen neugierigen Blick in Richtung Küche warf.
„Es riecht hier sehr köstlich…“, murmelte er und versuchte den Ursprung dieses Geruches ausfindig zu machen.
„Bella und ich haben Kuchen gebacken und sie war so freundlich, mir das Rezept ihres wunderbaren Schokoladenkuchens zu verraten“, erklärte Elizabeth ihrem Mann und er seufzte zufrieden.
„Dieser Kuchen war einfach himmlisch…“
„Da muss ich den beiden zustimmen.“ Edward lächelte, doch dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck, als er nach draußen in die Richtung seines Gartens deutete.
„Würde es dir etwas ausmachen, wenn wir kurz nach draußen gehen? Ich würde mich gerne mit dir unterhalten“, erklärte er mir und streckte mir seine Hand entgegen.
Ich zögerte einen Moment und in meinem Kopf spielten sich die verrücktesten Fantasien davon ab, was als nächstes Geschehen würde.
Als erstes kam mir in den Sinn, dass er vielleicht doch über alles nachgedacht hatte und dies alles hier jetzt doch nicht mehr wollte.
Trotz meinen Ängsten griff ich nach meiner Hand.
Edward schien zu bemerken, dass ich ein wenig unsicher war, doch sein Daumen strich behutsam über meinen Handrücken, während wir zusammen in die Richtung des Gartens liefen.
Als wir den kleinen Pavillon erreicht hatten, der in dem Garten der Masens stand, ließ Edward meine Hand los und ich wollte schon dagegen protestieren, aber ich ließ es doch bleiben.
Schließlich wusste ich nicht, was er mir zu sagen hatte, also blieb ich einfach stehen und wurde von Sekunde zu Sekunde ungeduldiger.
Er stand mit dem Rücken zu mir und ließ seinen Blick über den riesengroßen Garten wandern, während ich nervös an meinem Kleid zupfte.
Warum sagte er denn nichts?
Wollte er denn nicht mit mir reden?
Ganz langsam drehte er sich zu mir um und im ersten Moment wagte ich erst gar nicht, meinen Blick aufzurichten, doch ich zwang mich dazu.
Die Andeutung eines kleinen Lächelns war in seinem Gesicht zu erkennen, doch seine Augen hatten einen ernsten Ausdruck, den ich bis jetzt noch nicht oft in seinem Gesicht gesehen hatte.
Er seufzte leise und ging einen Schritt auf mich zu.
Irgendetwas in seinen Augen alarmierte mich, doch vielleicht war das auch nur ein albernes Hirngespinst meinerseits.
Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht war das hier auch das Ende.
Ich jedenfalls war vollkommen durch den Wind und blinzelte hektisch, während Edward nach den richtigen Worten suchte.
Aufmerksam musterte er mein Gesicht und die Stille, die in diesem Moment zwischen uns herrschte, brachte mich beinahe um.
Was wollte er mir nur sagen?
Als ich am nächsten Morgen meine Augen öffnete, sah ich als erstes Edwards Gesicht und musste unwillkürlich lächeln.
Seine Augen waren noch geschlossen und seine Arme noch immer um mich geschlungen.
Ich lauschte seinem ruhigen Atem und dem Herzschlag in seiner Brust.
Es war ein wunderschönes Gefühl neben ihm aufzuwachen und ihn so friedlich schlafen zu sehen, war ein wirklich schöner Anblick.
Ich rührte mich nur ein wenig und doch schien Edward diese Bewegung aus seinem Schlaf zu holen, denn wenige Sekunden später blickte ich in seine noch leicht verschlafenen grünen Augen.
„Guten Morgen…“, murmelte er lächelnd und küsste meine Wange.
„Guten Morgen…“, erwiderte ich und biss mir lächelnd auf die Unterlippe.
„Wie hast du geschlafen?“, wollte er von mir wissen und richtete sich vorsichtig auf.
„Gut..“ Und ich konnte auch guten Gewissens sagen, dass es die Wahrheit war.
Mir ging es schon viel besser als am vorherigen Abend und eigentlich hatte ich das hauptsächlich Edward zu verdanken.
Er war für mich da gewesen und hatte mich festgehalten.
Ich dankte ihm für so vieles.
„Das ist schön zu hören“, sagte er und schob die Bettdecke zur Seite.
„Ich werde jetzt in mein Zimmer gehen, damit du dich in Ruhe fertig machen kannst. Ich bin unten im Esszimmer und werde auf dich warten“, versicherte er mir mit einem Lächeln auf den Lippen und ich sah Edward hinterher, wie er mein Zimmer verließ.
Ich streckte mich noch einmal ganz vorsichtig, bevor ich mich schließlich aus dem Bett erhob und mich noch einmal in diesem wunderschönen Zimmer umsah.
Meine Aufmerksamkeit wurde durch ein dunkelgrünes Kleid erregt, welches sorgfältig auf einer Stuhllehne bereit gelegt worden war.
Stirnrunzelnd warf ich einen Blick darauf.
Mir gehörte dieses Kleid nicht, also musste es jemand dort hingelegt haben.
Neugierig und mit leisen Schritten lief ich zu dem Kleid herüber und entdeckte einen Zettel, der sorgfältig auf dem Stuhl zusammengefaltet lag.
Ich griff danach und öffnete ihn, damit ich ihn lesen konnte.
Zum Vorschein kam eine wunderschöne Handschrift, die ich bis jetzt noch nicht kannte.
„Liebes, ich habe dir einige Kleider besorgt und hoffe, dass sie dir gefallen werden.
Sie werden bezaubernd an dir aussehen, da bin ich mir sicher.
Elizabeth“
Ich errötete augenblicklich als ich den Namen las, der dort geschrieben stand.
Edwards Mutter hatte mir dieses Kleid hier zu recht gelegt, da war ich mir sicher.
Also hatte sie auch mit großer Wahrscheinlichkeit gesehen, dass Edward in meinem Bett direkt neben mir geschlafen hatte.
Unsicher sah ich mich in dem kleinen Raum um.
Verurteilte sie mich jetzt vielleicht?
Würde es noch ein riesengroßes Donnerwetter geben, wenn ich nachher diese Treppenstufen herunter ging und das Esszimmer betreten würde?
Ich traute mich nur ganz langsam, mit dem Kleid in das wunderschöne Badezimmer um mich für das Frühstück fertig zu machen.
Ein wenig versuchte ich die Zeit noch herauszuzögern, aber ich wollte auch nicht unhöflich wirken, also atmete ich noch einmal tief durch, bevor ich die Tür öffnete und den Flur des oberen Stockwerkes betrat.
Es waren keine Stimmen zu hören. Ich lauschte aufmerksam den Klängen des Klavierstückes, welches aus dem unteren Stockwerk zu hören war.
Meine Hand legte sich an das wunderschön verzierte Geländer und ich schritt langsam die Treppe hinab.
„Guten Morgen, Miss Swan“, hörte ich eine Stimme und ich zuckte erschrocken zusammen.
Als ich meinen Blick aufrichtete, entdeckte ich die Haushälterin der Masens, die mich freundlich anlächelte.
Ihr Name war Sophia, wenn ich mich recht erinnerte und in ihren Händen trug sie ein großes Tablett, welches mit Sicherheit für das Frühstück bestimmt war.
„Dieses Kleid steht Ihnen wirklich fabelhaft! Ich wusste doch gleich, dass Mrs. Masen das richtige Augenmaß besitzt“, fügte sie mit einem ehrlichen Lächeln hinzu und es ließ sich nicht vermeiden, dass ich sogleich wieder errötete.
Also hatte ich auch mit meiner Vermutung recht gehabt.
Elizabeth hatte es gesehen.
„Benötigen Sie noch etwas, Miss?“, fragte Sophia mich und ich erwachte augenblicklich aus meiner kleinen Träumerei.
„Oh.. Ich? Nein, vielen Dank“, sagte ich hastig und Sophia nickte lächelnd, bevor sie schließlich im Esszimmer verschwand.
Ich wagte mich nur langsam vor und legte meine Hand vorsichtig an den Türrahmen, um einen Blick in das riesige Esszimmer werfen zu können.
Sophia war gerade dabei den Tisch zu decken.
Edward Senior saß bereits an dem Esszimmertisch und war mit einem unzufriedenen Stirnrunzeln in seine Zeitung vergraben.
„Liebling, du siehst so verärgert aus“, hörte ich die Stimme von Elizabeth und wenige Sekunden später sah ich, wie sich ihre Hand an die Schulter ihres Mannes legte.
„Der Krieg… Sie haben den Deutschen den Krieg erklärt“, murmelte er leise vor sich hin und ich bemerkte, wie Elizabeths zuvor noch gutmütiger Blick einen ängstlichen Ausdruck bekam.
Ihre Hand legte sich an ihr Herz und sie seufzte leise, bevor sie sich schließlich wieder von ihrem Mann abwandte.
„Wenn es an der Zeit ist, muss Edward…“ Bei den letzten Worten brach ihre Stimme und mein Herz setzte für einen kurzen Moment aus.
Alleine der Gedanke daran, dass Edward in den Krieg ziehen musste, löste in mir eine richtige Panikwelle aus und ich schnappte nach Luft.
Sofort drehten sich beide Köpfe in meine Richtung.
„Entschuldigung“, murmelte ich mit leiser Stimme und biss mir auf die Lippen.
Als Elizabeth realisierte, dass ich es war, schlich sich wieder ihr warmes Lächeln auf ihre Lippen und sie kam auf mich zu.
Beinahe so, als hätte dieses Gespräch zwischen ihr und ihrem Mann nicht stattgefunden, doch ich konnte noch immer die tiefste Sorge in ihren Augen erkennen.
„Guten Morgen, meine Liebe“, sagte sie mit sanfter Stimme und gab mir einen Kuss auf die Wange.
Ich lächelte schüchtern, doch sicherlich war die Angst und die Panik noch immer in meinem Blick zu sehen, denn Elizabeth streichelte behutsam meinen Arm.
Sie war so gütig zu mir, dass ich es fast nicht verdient hatte.
„Du trägst das Kleid, welches ich dir zurecht gelegt habe und es steht dir wirklich noch besser, als ich zuerst gedacht habe“, bemerkte Elizabeth mit einem strahlenden Lächeln.
„Vielen Dank für dieses überaus bezaubernde Kleid“, flüsterte ich schüchtern als Antwort und senkte meinen Kopf.
„Gerne, meine Liebe. Setz dich doch zu uns, dass Frühstück wird gleich serviert sein!“ Sie führte mich in die Richtung des Tisches und Edwards Vater richtete seinen Blick auf, als er mich entdeckte.
Sofort erhob er sich von seinem Platz und rückte meinen Stuhl zurecht, damit ich mich setzen konnte.
Ich lächelte dankbar und er machte eine leichte Verbeugung in meine Richtung, bevor er sich dann seiner Frau zuwandte.
Die beiden waren ein wirklich wunderschönes Paar und ich konnte einfach nicht anders, als die beiden zu beobachten.
Ich fragte mich, wie meine Zukunft wohl aussehen würde.
Ob ich eines Tages auch einen so wundervollen Mann haben würde und bezaubernde Kinder?
Ich errötete bei dem Gedanken, dass Edward derjenige sein könnte, mit dem ich das alles erlebte.
Vielleicht würde es ja wirklich so sein, eines Tages.
Meine Aufmerksamkeit wurde aber schnell wieder anders beansprucht, als Edward den Raum betrat.
Sofort richtete ich meinen Kopf in seine Richtung und als sich unsere Blicke trafen, schenkte er mir sein strahlendes Lächeln, welches die Röte in meinem Gesicht nur noch mehr verstärkte.
Elizabeth seufzte zufrieden, als sich Edwards Hand ganz vorsichtig auf meine Schulter legte und er meine Wange küsste. Edward ließ sich auf dem Stuhl direkt neben mir nieder und ich wandte meinen Blick schnell von ihm ab, aber es ließ sich nicht vermeiden, dass ich lächelte.
„Nun, mein Sohn. Denkst du wir können an diesem heutigen Tage unsere Frauen guten Gewissens alleine lassen?“, fragte Edwards Vater nach dem Frühstück mit einem amüsierten Gesichtsausdruck und ich richtete schnell meinen Blick auf.
„Ach papperlapapp!“, sagte Elizabeth mit einem Lächeln und schlug ihren Mann mit einer sanften Bewegung auf die Hand.
„Liebling, denkst du denn nicht, dass wir beide uns schon zu beschäftigen wissen?“
Ich war immer noch ein wenig verwirrt über die Aussage von Edwards Vater und lauschte dem folgenden Gespräch nur mit einem Ohr.
Edward warf mir einen besorgten Blick zu und streichelte meine Hand.
„Geht es dir nicht gut?“, fragte er vorsichtig und musterte aufmerksam mein Gesicht.
„Du gehst fort?“ Es war eigentlich nicht beabsichtig gewesen, dass meine Stimme diesen panischen Unterton hatte, aber das ließ sich nicht vermeiden.
Edward lächelte schief und betrachtete unsere Hände, die in der Zwischenzeit miteinander verschränkt waren.
„Nur für heute, Liebste“, versicherte er mir und seine grünen Augen beruhigten mich ein wenig.
Doch da waren immer noch diese Worte, die Elizabeth heute erwähnt hatte.
Der Krieg und all die grausamen Dinge, die dort weit weg von hier geschahen…
„Ich helfe meinem Vater bei der Arbeit“, fügte er noch als Erklärung hinzu und ich atmete erleichtert aus.
„Wann wirst du wieder da sein?“, fragte ich vorsichtig und Edwards Lächeln wurde noch breiter.
„Gegen Mittag. Es wird sicherlich nicht so lange dauern, das verspreche ich dir!“
Er küsste meinen Handrücken und ließ meine Hand dann gezwungenerweise los, da er sich von seinem Stuhl erhob.
„Ich denke, du wirst dich gut mit meiner Mutter amüsieren“, murmelte er mit einem zufriedenen Lächeln und ich wurde etwas unruhig.
Elizabeth war eine wirklich fantastische Frau, aber ich hatte auch unheimlichen Respekt vor ihr.
Jedoch konnte sie mich vielleicht von allem am Besten verstehen, denn sie war ebenfalls nicht reich auf die Welt gekommen.
Ich wandte meinen Blick von Edwards Eltern ab, während sie sich verabschiedeten, denn ich wollte sie wirklich nicht dabei beobachten und in irgendeiner Art und Weise stören.
„Wir sehen uns heute Mittag“, versprach er mir noch einmal, beugte sich zu mir herunter und küsste mich ganz sanft und vorsichtig.
Vor seinen Eltern.
Jedoch löste er sich für meinen Geschmack viel zu schnell wieder von mir und sein Zeigefinger strich mit einem amüsierten Lächeln über meine Wangen.
Man musste es mir nicht sagen, dass sie wieder einen leichten Rosaton angenommen hatten, dass wusste ich auch schon so.
„Meine Damen..“ Edward Senior verbeugte sich leicht in unsere Richtung und verließ dann zusammen mit seinem Sohn das Haus.
Ich seufzte leise und sah Edward noch hinterher, bevor ich schließlich eine Hand an meinem Arm spürte.
Auf Elizabeths Lippen lag ein zufriedenes Lächeln und sie wandte ihren Kopf in meine Richtung.
„Nun, Isabella…“ Sie runzelte kurz die Stirn und lächelte mich dann vorsichtig an.
„Oder würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dich Bella nenne? Bis jetzt habe ich nur mitbekommen, dass mein Sohn diesen Namen verwendet und ich weiß nicht, ob dir das recht ist, wenn ich es auch tue.“
Ich nickte lächelnd und Elizabeth schien sich wirklich darüber zu freuen.
Ihre Hand deutete in die Küche, bevor sie zu sprechen begann.
„Da unsere Männer jetzt den ganzen Vormittag unterwegs sein werden, habe ich mich gefragt ob du mir nicht vielleicht das Rezept für diesen unbeschreiblich köstlichen Schokoladenkuchen geben kannst…Wir könnten ihn auch gleich zusammen backen, denn ich denke die Männer werden nichts dagegen haben. Es sei denn, du würdest gerne etwas anderes unternehmen.“
Elizabeth warf mir einen fragenden Blick zu und für einen kurzen Moment war ich verwundert über die Tatsache, dass Elizabeth backen konnte.
Sie schien meinen Blick zu bemerken und zu meiner Schande auch genau richtig zu deuten.
„Ich weiß nicht, wie viel Edward dir von mir erzählt hat, aber obwohl ich vielleicht etwas aus der Übung bin, kann ich doch noch kochen und backen.“
An ihrem warmen Lächeln erkannte ich, dass sie mir es wirklich nicht übel nahm, aber ich fühlte mich trotzdem so, als hätte ich sie beleidigt.
„Ich wollte Sie nicht beleidigen“, sagte ich schnell und sprach somit gleich meine Gedanken laut aus.
Elizabeth lachte leise und führte mich in die riesengroße Küche, in der sich auch die Haushälterin befand.
„Keine Sorge, meine Liebe. Mich kann so schnell nichts verärgern!“, versicherte sie mir mit einem kleinen Augenzwinkern und ich seufzte leise.
„Natürlich helfe ich Ihnen gerne“, sagte ich, nachdem wir vor dem Ofen zum stehen kamen.
Es wäre sicherlich schön, wenn wir Edward und seinem Vater eine kleine Freude machen konnten.
Sophia entschuldigte sich und war sogleich aus der Küche verschwunden.
Ich wusste nicht, ob sie uns alleine lassen wollte, oder ob sie wirklich noch etwas zu erledigen hatte, aber ich dachte nicht weiter darüber nach.
„Ich denke, wir haben alle nötigen Zutaten hier in diesem Schrank“, erklärte Elizabeth mir und öffnete eine Schranktür.
Natürlich war es nicht verwunderlich, dass sich in diesem Schrank wahrscheinlich alles befand, welches man zum backen von hunderten solcher Kuchen benötigte.
Ich überlegte einen Moment und verschaffte mir einen kurzen Überblick über diese ganze Zutatenvielfalt und stellte dann alles sorgfältig auf die Kleine Ablage vor uns.
Einige Minuten lang standen wir schweigend nebeneinander und ich machte mich daran den Teig anzurühren.
„Mich würde es interessieren, wie viel Edward dir von mir erzählt hat“, bemerkte Elizabeth nach einiger Zeit und ich sah kurz zu ihr herüber.
„Ehrlich gesagt nicht so viel. Nur.. Nun ja… Sie stammen doch auch aus den gleichen Verhältnissen wie ich, oder?“
„Das stimmt. Ich habe sogar in dem gleichen Stadtteil wie du gewohnt. Ich war ein ganz normales Mädchen, lebte zusammen mit meinem Eltern in einem kleinen Häuschen und habe sie immer bei ihrer Arbeit unterstützt. Genau wie du“, erklärte sie mir und seufzte zufrieden.
Dem Anschein nach erinnerte sie sich gerne an diese Zeit zurück und mir wurde immer mehr bewusst, warum sie mich so gut leiden konnte.
Eigentlich war ich genau so wie sie, nur eine etwas jüngere Ausgabe davon.
Edward hatte natürlich recht gehabt, natürlich war solch eine Art von Beziehung möglich, denn seine Eltern lieferten ja den besten Beweis dafür.
Ich fragte mich nur, wie sie es geschafft hatten.
Im Gegensatz zu heute, war die Gesellschaft von damals doch noch strenger gewesen und trotzdem waren sie jetzt ein glücklich verheiratetes Ehepaar.
„Du fragst dich sicherlich, wie wir das geschafft haben, oder?“ Sie musterte aufmerksam mein Gesicht und ich blinzelte verwirrt.
Elizabeth und auch Edward hatten irgendwie eine Begabung dafür, die Gedanken des anderen in ihrem Gesicht abzulesen.
Zumindest lagen die beiden mit ihren Vermutungen meist richtig, obwohl Edward mir vor kurzem noch erzählt hatte, dass es für ihn bei mir nicht gerade sehr einfach war.
„Ehrlich gesagt, ja“, gestand ich kleinlaut und warf einen Blick auf den Teig.
Elizabeths leises Lachen ging in ein Seufzen über und es schien so als schwelgte sie für einen kurzen Moment in alten Erinnerungen.
„Weißt du Bella, du musst dich vor uns wirklich für gar nichts rechtfertigen. Ich sehe es wirklich sehr gerne, dass du an Edwards Seite bist. Er ist wirklich ein fantastischer Sohn und ich möchte für ihn nur das Beste, aber ich habe mir geschworen, mich nicht in seine Angelegenheiten einzumischen, wie es die Eltern meines Mannes getan hatten“, erklärte sie mir und ich musste sofort an meine Mutter denken.
Es war für mich immer noch unverständlich, warum sie sich so gegen diese Beziehung wehrte und einfach nicht wollte, dass ich meine Zeit zusammen mit Edward verbrachte.
„Wenn ich da alleine an Miss Stanley denke…“ Elizabeth schüttelte sich kurz und warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Ich wusste ganz genau, was Elizabeth mir damit sagen wollte und ich musste unwillkürlich grinsen.
„Aber wenn Edward die Entscheidung getroffen hätte sie zu heiraten, hätte ich ihn nicht aufgehalten.“ Elizabeth schien erleichtert zu sein, dass Edward diese Entscheidung wohl nicht in Erwägung zog und auch mir erging es da nicht anders.
Alleine die Vorstellung davon, ihn an Jessica Stanley zu verlieren jagte mir einen eiskalten Schauer über den Rücken.
„Aber ich schweife ein wenig vom Thema ab…“ Elizabeth lächelte kopfschüttelnd.
„Möchtest du die Geschichte hören?“, fragte sie mich und ich nickte sofort ohne groß darüber nachzudenken.
Es hatte mich schon immer brennend interessiert, wie Elizabeth und Edward Senior zueinander gefunden hatten.
Ich mochte solche schönen Geschichten und diese hier war ja bis jetzt auch schließlich gut ausgegangen.
„Gut…“ Elizabeth atmete einmal kurz ein und sie schien ihre Erinnerungen in ihrem Kopf erst einmal zu ordnen, bevor sie zu erzählen begann.
„Ich habe Edward das erste Mal 1889 getroffen. Ich war 16 Jahre alt, genauso wie du es jetzt auch bist“, erklärte sie lächelnd und ich errötete.
„Unsere Geschichte ähnelt sich in so vielen Dingen und ich würde es dir wirklich wünschen, dass du auch eine so schöne Zeit haben wirst, wie ich es hatte und auch heute noch habe“, fügte sie hinzu und ich seufzte leise.
Diese Vorstellung wäre wirklich sehr schön, das konnte ich nicht bestreiten.
„Anfangs habe ich mir, zusammen mit ein paar Freundinnen etwas Geld hinzuverdient. Wir waren bei den verschiedensten reichen Personen von Chicago als Haushälterinnen angestellt und obwohl einige der Leute ziemlich unfreundlich sein konnten, so war es doch eine schöne Zeit. Wir hatten wirklich viel Spaß und ich habe meine Arbeit gerne gemacht. Meine Eltern waren ebenfalls sehr stolz auf mich.“
Ich lauschte wirklich sehr gerne ihren Erzählungen, denn dank meiner blühenden Fantasie konnte ich mir alles noch haargenau vorstellen.
Jetzt wusste ich auch, wie alt Elizabeth war und sie war wirklich noch recht jung mit ihren 34 Jahren, aber das war ja auch nichts Ungewöhnliches.
Trotz allem war sie um einiges hübscher als die Frauen in ihrem Alter, was wahrscheinlich auch immer diese neidischen Blick erklärten, die ihr alle immer zuwarfen, doch sie schien das nicht im geringsten zu stören.
„Ich weiß noch genau, wie es damals für mich war. Fast beinahe so, als wäre es erst gestern passiert, dabei ist es schon 18 Jahre her…“ Sie seufzte zufrieden und ich wartete gespannt darauf, dass sie von der ersten Begegnung mit ihrem Mann erzählte.
Ich befand mich gerade zusammen mit meiner Freundin Victoria im riesigen Salon der Masens und beseitigte die letzten Überreste des Festes, welches noch am Abend zuvor bis zum frühen Morgen gefeiert wurde.
Ich arbeitete erst seit ein paar Tagen hier, ganz im Gegensatz zu Victoria, die schon seit einiger Zeit für die Masens arbeitete.
„Oh Elizabeth, hast du schon den Sohn der Masens getroffen?“, fragte sie mit träumerischer Mine und ich warf ihr einen kurzen Blick zu.
Victoria tat nichts lieber, als sich die ganzen Junggesellen der oberen Schicht anzusehen und heimlich für sie zu schwärmen.
Ich musste über ihre verträumte Art lächeln und schüttelte den Kopf.
„Nein, wie könnte ich? Ich habe gestern den ganzen Tag in der Küche verbracht.“
„Er war ja auch eine Zeit lang auf Reisen, zusammen mit Mr. Masen. Aber jetzt ist er wieder da und oh, ich bin ja schon so aufgeregt.“
„Du bist wirklich unverbesserlich“, bemerkte ich mit einem entschuldigenden Lächeln und Victoria zuckte grinsend mit ihren Schultern.
Sie wusste selbst nur zu genau, dass wir alle keine Chance bei diesen Männern hatten, denn sie hatten grundsätzlich nur Augen für die Frauen aus ihren Reihen.
Mir machte das nicht viel aus, denn eines Tages würde ich schon noch den richtigen Mann finden.
Ich hatte nur nicht damit gerechnet, dass es so schnell gehen würde.
Victoria atmete laut aus, als sich die Tür öffnete und sofort schlich sie mit schnellen Schritten zu mir herüber.
Ich war immer noch viel zu sehr damit beschäftigt, aufzuräumen, als das ich mich die ganze Zeit mit ihr hätte unterhalten können, aber sie ließ nicht locker und zupfte aufgeregt an meiner Schürze.
„Lizzy, schau! Dort ist er!“
Ich zwang mich dazu, meine Arbeit für einen kurzen Moment zu unterbrechen und folgte dem Blick meiner besten Freundin.
Da stand er, direkt neben seinem Vater.
Die beiden unterhielten sich gerade und schienen uns nicht zu bemerken, aber auch das war nichts Außergewöhnliches.
Ich hatte wirklich mit vielen gerechnet, denn Victorias Geschmack für Männer war manchmal schon ziemlich fraglich, aber dieser Edward war wirklich äußerst gut aussehend.
Auch wenn es sicherlich recht dümmlich aussehen musste, so konnte ich es doch nicht lassen ihn anzusehen.
„Ich bezahle Sie sicherlich nicht fürs herumstehen!“, hörte ich die wütende Stimme von Mrs. Masen nicht weit entfernt von uns und sowohl Victoria als auch ich zuckten beide erschrocken zusammen.
Das hatten wir jetzt davon, dass wir ihren Sohn beobachten!
„Entschuldigen Sie bitte, Mrs. Masen. Es kommt nicht noch einmal vor“, sagte ich hastig und verbeugte mich kurz in ihre Richtung.
Während ich mich wieder umdrehte, sah ich noch, wie auch der Sohn der Masens seinen Blick zu mir gerichtet hatte, aber da ich jetzt wieder arbeiten musste, konnte ich mir seinen Gesichtsausdruck nicht genauer ansehen.
Ich wollte es schließlich nicht riskieren, am Ende noch meinen Job zu verlieren und das nur, weil Mrs. Masen schlechte Laune hatte und ich ihren Sohn beobachtete.
Außerdem waren die Söhne dieser ganzen reichen Leute doch alle gleich.
In der Öffentlichkeit hatten diese Männer keinen Blick für uns übrig, aber sobald die Vorhänge geschlossen waren, interessierten sie sich für die Frauen der anderen Schicht.
Uns so schnell wie sie erobert worden waren, so schnell wurden sie auch gleich wieder abgeschrieben.
Es war traurig genug, dass so viele Frauen auch noch darauf hinein fielen, aber immerhin gehörten ich und auch sogar Victoria nicht zu diesen Frauen.
Sie beschränkte sich lieber auf das schwärmen und darüber war ich unheimlich froh.
„Oh.. Lizzy..“ Victoria hielt das Staubtuch in ihrer Hand, doch es sah nicht danach aus, als würde sie gerade wirklich arbeiten, denn sie starrte schon wieder zu der Tür herüber.
„Victoria!“ Ich warf ihr einen warnenden Blich zu, während ich weiter das Regal abputzte, doch sie schien diese Aussage von mir vollkommen zu ignorieren.
„Lizzy, er kommt wirklich hier her!“ Sie wedelte mit ihrem Staubtuch in meine Richtung und ich seufzte leise.
Das hatte rein gar nichts zu bedeuten, aber Victoria musste wieder einmal ein riesengroßes Theater daraus machen.
„Lass ihn doch… Ihn interessiert wahrscheinlich eh nur…“, flüsterte ich ihr zu, doch als ich ein Räuspern vernahm, stoppte ich augenblicklich.
Ganz langsam drehte ich meinen Kopf in seine Richtung und starrte in ein Paar wunderschöne braune Augen.
Sie strahlten soviel Ehrlichkeit und Güte aus, dass ich beinahe das Tuch in meinen Händen verloren hatte, doch ich konnte es gerade noch wieder auffangen.
„Meine Damen…“ Er machte eine leichte Verbeugung in unsere Richtung und Victoria kicherte vergnügt, während ich ihn nur leicht dümmlich anstarren konnte.
Was wollte dieser Mann jetzt von uns?
Sollten wir vielleicht auch noch schnell sein Zimmer aufräumen?
Hatte ich noch einen Fleck übersehen?
Hastig sah ich mich um, doch alles war blitz und blank.
„Wie ist Ihr Name, Miss?“, fragte er mich in höflichem Ton und ein Lächeln schlich sich über sein Gesicht.
Er wollte meinen Namen wissen?
Ich runzelte die Stirn und versuchte möglichst nicht verwirrt auszusehen und doch gelang es mir nicht.
„Mein Name? Ich heiße Elizabeth, Sir…“, entgegnete ich schnell und hoffte, dass meine Stimme ihren höflichen Ton behalten hatte.
„Es freut mich, Sie kennen zu lernen Elizabeth. Mein Name ist Edward.“ Er streckte mir seine Hand entgegen und ich starrte sie ein wenig verwirrt an.
Das sich jemand wie er so höflich vorstellte, war bis jetzt noch nicht passiert.
„Es freut mich auch, Sir. Wenn Sie mich jetzt bitte entschuldigen würden… Ich habe noch einiges an Arbeit zu erledigen“, sagte ich schnell und wandte mich von ihm ab.
Das war vielleicht alles andere als höflich, aber ich sah keinen Grund, wieso ich mich mit ihm unterhalten sollte, obwohl er natürlich mehr als nur unbeschreiblich gut aussah.
Jedoch käme das alles nur auf das Eine hinaus und das wollte ich unter keinen Umständen.
Ich war gerade dabei, den Kuchen in den Ofen zu schieben, als Elizabeth ihre Erzählung unterbrach und leise kicherte.
„Also, Liebes. Wie du sehen kannst, sind wir uns nicht so unähnlich. Nur mit der Tatsache, dass ich viel sturer war, als du. Edward musste wirklich lange um mein Herz kämpfen, aber wenn ich ehrlich war, dann hat er mich schon vom ersten Moment an verzaubert. Jedoch wusste ich beim besten Willen nicht, wie solch eine Beziehung bestand haben konnte. Diesen Gedankengang wirst du sicherlich sehr gut verstehen.“
Sie lächelte und strich behutsam über meinen Arm.
„Ja, in der Tat.“ Ich seufzte leise und warf einen nachdenklichen Blick aus dem Fenster.
„Jedoch.. Es gab da eine Sache, mit der Edward und ich sicherlich nicht sogleich gerechnet hätten“, erklärte Elizabeth mir, doch ihr Blick verriet, dass es anscheinend keine schlechte Erinnerung war.
Ich warf ihr einen fragenden Blick zu und wartete darauf, dass sie mit der Erklärung fort fuhr.
„Ich wurde schwanger“, sagte sie schließlich und ihre Augen strahlten.
Ich hingegen verstand nicht so recht, was daran jetzt so schlimm sein sollte, denn zu ihrer vorherigen Aussage passte diese jetzt nicht so ganz.
„Bevor wir geheiratet haben“, fügte sie als Erklärung hinzu.
„Oh Himmel!“, sagte ich und meine Wangen färbten sich rot.
Elizabeth hingegen kicherte nur leise und zuckte dann leicht mit ihren Schultern.
„Ich habe ganz genauso reagiert, wie du jetzt aber daran waren Edward und ich schließlich nicht unbeteiligt.“
Ich wollte irgendetwas darauf erwidern, doch mir fiel beim besten Willen nichts ein.
Stattdessen räumte ich vollkommen planlos die restlichen Zutaten wieder an ihren ursprünglichen Platz und versuchte nicht daran zu denken, was noch am Abend zuvor mit Edward passiert war.
Wir hatten zusammen in einem Bett geschlafen und uns geküsst.
Er hatte mich auch berührt, doch dann hatte er aufgehört.
Ich wollte nicht daran denken, was passiert wäre, wenn er nicht aufgehört hätte.
Natürlich hätte ich ihn mit großer Wahrscheinlichkeit nicht davon abgehalten, aber im Nachhinein hätte ich vielleicht mit gewissen Konsequenzen rechnen können.
„Ihr müsst uns ja auch nicht alles nachmachen, nicht wahr?“ Elizabeth schien meine Reaktion irgendwie zu amüsieren, doch ich wusste auch, dass sie mich nicht auslachte.
Ich war einfach nur nervös und ein wenig peinlich berührt, wie wahrscheinlich jede junge Frau in meinem Alter, wenn es um dieses Thema ging.
„Aber ich habe es nie bereut. Sieh doch, was wir für einen wunderbaren Sohn haben.“ Elizabeth seufzte zufrieden und ihre smaragdgrünen Augen leuchteten vor Freude.
„Jedoch weiß es bis heute niemand. Edward und ich haben es immer für uns behalten und unser Sohn ist dann auf die Welt gekommen, als wir bereits verheiratet waren. Edward und ich wollten so oder so heiraten, aber ich wollte nicht, dass man mein Kind anders behandelt, nur weil es unehelich zur Welt gekommen war.“
Das verstand ich nur allzu gut.
Obwohl ich noch keine Kinder hatte, wenn es anders wäre, dann würde ich mit großer Sicherheit auch alles für mein Kind tun und ihm die ganze Liebe geben, die ich besaß.
„Was ist mit Victoria?“, fragte ich nach einer kurzen Pause und versuchte damit, dass Thema in eine andere Richtung zu lenken.
„Oh Victoria? Ihr geht es wirklich fantastisch und noch immer ist sie mir eine sehr gute Freundin. Sie lebt zusammen mit ihrem Mann und ihren drei Kindern nicht weit entfernt von hier. Zwar ist dieser vielleicht nicht so reich, wie sie es sich insgeheim immer erträumt hatte, aber sie ist überaus glücklich und zufrieden mit ihrem Leben. Die Liebe geht nun einmal ihren eigenen Weg. Man kann sie nicht hinauf beschwören oder gar erzwingen..“
Da hatte Elizabeth wieder einmal Recht und ich musste Lächeln.
Es war auch schön zu wissen, dass Victoria Elizabeth nie verurteilt oder sich von ihr abgewandt hatte.
Genau an solchen Dingen erkannte man auch, wer seine wahren Freunde waren und von wem man sich lieber fern halten sollte.
Während wir darauf warteten, dass der Kuchen endlich fertig wurde, unterhielten wir uns noch eine ganze Zeit lang und tranken nebenbei Tee.
Elizabeths Gesellschaft war wirklich ein Geschenk und ich war gerne in ihrer Nähe, während sie mir so einiges aus ihrem bisherigen Leben erzählte.
Edward hatte wirklich wunderbare Eltern und ich bewunderte die beiden.
Ich war so vertieft darin Elizabeth zuzuhören, dass ich Edwards Anwesenheit erst bemerkte, als sich seine Hand vorsichtig auf meine Schulter legte.
Trotzdem ließ es sich nicht vermeiden, dass ich zusammenzuckte und ihm einen erschrockenen Blick zuwarf.
„Entschuldige bitte“, bemerkte er mit einem amüsierten Grinsen und nachdem ich mich wieder beruhigt hatte, zeigte sich ein Lächeln auf meinen Lippen.
Edward begrüßte mich und dann auch seine Mutter, bevor ich seinen Vater entdeckte, der einen neugierigen Blick in Richtung Küche warf.
„Es riecht hier sehr köstlich…“, murmelte er und versuchte den Ursprung dieses Geruches ausfindig zu machen.
„Bella und ich haben Kuchen gebacken und sie war so freundlich, mir das Rezept ihres wunderbaren Schokoladenkuchens zu verraten“, erklärte Elizabeth ihrem Mann und er seufzte zufrieden.
„Dieser Kuchen war einfach himmlisch…“
„Da muss ich den beiden zustimmen.“ Edward lächelte, doch dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck, als er nach draußen in die Richtung seines Gartens deutete.
„Würde es dir etwas ausmachen, wenn wir kurz nach draußen gehen? Ich würde mich gerne mit dir unterhalten“, erklärte er mir und streckte mir seine Hand entgegen.
Ich zögerte einen Moment und in meinem Kopf spielten sich die verrücktesten Fantasien davon ab, was als nächstes Geschehen würde.
Als erstes kam mir in den Sinn, dass er vielleicht doch über alles nachgedacht hatte und dies alles hier jetzt doch nicht mehr wollte.
Trotz meinen Ängsten griff ich nach meiner Hand.
Edward schien zu bemerken, dass ich ein wenig unsicher war, doch sein Daumen strich behutsam über meinen Handrücken, während wir zusammen in die Richtung des Gartens liefen.
Als wir den kleinen Pavillon erreicht hatten, der in dem Garten der Masens stand, ließ Edward meine Hand los und ich wollte schon dagegen protestieren, aber ich ließ es doch bleiben.
Schließlich wusste ich nicht, was er mir zu sagen hatte, also blieb ich einfach stehen und wurde von Sekunde zu Sekunde ungeduldiger.
Er stand mit dem Rücken zu mir und ließ seinen Blick über den riesengroßen Garten wandern, während ich nervös an meinem Kleid zupfte.
Warum sagte er denn nichts?
Wollte er denn nicht mit mir reden?
Ganz langsam drehte er sich zu mir um und im ersten Moment wagte ich erst gar nicht, meinen Blick aufzurichten, doch ich zwang mich dazu.
Die Andeutung eines kleinen Lächelns war in seinem Gesicht zu erkennen, doch seine Augen hatten einen ernsten Ausdruck, den ich bis jetzt noch nicht oft in seinem Gesicht gesehen hatte.
Er seufzte leise und ging einen Schritt auf mich zu.
Irgendetwas in seinen Augen alarmierte mich, doch vielleicht war das auch nur ein albernes Hirngespinst meinerseits.
Vielleicht aber auch nicht.
Vielleicht war das hier auch das Ende.
Ich jedenfalls war vollkommen durch den Wind und blinzelte hektisch, während Edward nach den richtigen Worten suchte.
Aufmerksam musterte er mein Gesicht und die Stille, die in diesem Moment zwischen uns herrschte, brachte mich beinahe um.
Was wollte er mir nur sagen?
Sonntag, 2. Mai 2010
Kapitel 10 - Die Kunst zu lieben
Edward POV
Ich befand mich gerade zusammen mit meinem Vater in dem Salon und lauschte nur halb dem Gespräch, welches er mit einem seiner Kollegen führte, als die Tür mit einem lauten Krachen aufgestoßen wurde.
Es war Mike Newton, der diesen ganzen Lärm verursacht hatte und mit schnellen Schritten raste er an uns vorbei direkt in die Küche.
Stirnrunzelnd beobachtete ich, wie er nach einigen Sekunden mit seiner Jacke in der Hand wieder heraus kam.
Sein Blick war wütend und ich hatte das ungute Gefühl, dass irgendetwas passiert war.
Mrs. Matthews rief ihm hinterher, doch er schien überhaupt nicht darauf zu reagieren und rannte ein weiteres Mal an mir vorbei.
„Entschuldigt mich bitte meine Herren“, sagte ich schnell und wartete eine Antwort erst gar nicht ab.
Mit schnellen Schritten lief ich hinter Mike Newton her und als ich die Tür zum Garten öffnete, entdeckte ich sie.
Bella saß auf dem leicht durchnässten Rasen und meine Mutter war über sie gebeugt.
Es sah so aus als würde sie weinen und meine Mutter war diejenige, die sie beruhigte.
Innerhalb von wenigen Sekunden war ich bei den beiden angelangt und sah besorgt zu meiner Bella herunter.
Sie war vollkommen aufgelöst und nicht mehr richtig in der Lage zu sprechen.
„Was ist passiert?“, fragte ich leicht panisch und unheimlich besorgt, doch keiner der beiden antwortete mir.
„Bella, Liebste was ist passiert?“ Ich beugte mich zu ihr und sie richtete schluchzend ihren Blick auf.
Ihre schokoladenbraunen Augen waren schockiert und traurig zugleich.
Wer hatte ihr etwas angetan und vor allem, was hatte dieser jenige ihr angetan?
Sie öffnete langsam ihren Mund, doch nur einzelne Schluchzer verließen ihren Mund da sie anscheinend noch immer nicht in der Lage war mir zu antworten.
„Michael ist nicht gerade sehr zuvorkommend mit ihr umgegangen“, hörte ich meine Mutter sagen und sanft strich sie Bella eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Mein Blick schnellte sofort in die Richtung von Mike Newton, der sich gerade aus dem Staub machen wollte.
Meine Besorgnis verwandelte sich augenblicklich in Wut und meine Hände ballten sich automatisch zu Fäusten.
Meine Mutter schien meinen Stimmungswechsel sofort zu bemerken und warf mir einen warnenden Blick zu.
„Edward, benimm dich. Es ist nichts passiert. Es geht ihr gut.“
Ich verstand ihre Worte zwar, doch ich wollte ihnen jetzt keine Beachtung schenken.
Bella ging es nicht gut.
Er hatte sie verletzt und ich wusste nicht einmal ob es seelische oder körperliche Verletzungen waren, aber beides wäre nicht zu entschuldigen gewesen.
Dieser verdammte Bastard war so egoistisch und kümmerte sich einen Dreck darum, wie es seiner angeblich besten Freundin in diesem Moment ging.
„Edward!“ Meine Mutter rief mir hinterher, doch ich ignorierte sie und lief zu Mike herüber.
„Du gehst nirgendwo hin!“, zischte ich wütend und griff nach seinem Arm.
„Lass deine Finger von mir“, knurrte Mike und versuchte meine Hand abzuschütteln, doch ich dachte erst gar nicht daran ihn wieder los zu lassen.
„Was hast du ihr angetan?“, brachte ich noch wütend hervor, doch Mike schien es nicht für nötig zu halten mir zu antworten und genau das war das ausschlaggebende Punkt dafür, was ich als nächstes tat.
Beinahe automatisch holte ich mit meiner Faust aus und traf ihn dabei mitten im Gesicht.
Er taumelte leicht zurück und versuchte sich wieder zu fangen.
„Du fasst sie nie wieder an!“, warnte ich ihn und Mike richtete seinen Blick auf, bevor er auf mich losstürmte und unser kleiner Streit in einer richtigen Prügelei endete.
Ich musste auch so einiges einstecken, aber das war mir in diesem Moment vollkommen egal.
Er hatte es nicht anders verdient, wenn er Bella so behandelt hatte, dass sie vollkommen verstört und verängstigt war.
„Nun tu doch etwas!!“, hörte ich die Stimme meiner Mutter im Hintergrund und wenige Sekunden später spürte ich zwei Hände, die mich von Mike Newton wegzerrten.
„Ruhig, mein Junge..“ Das war die Stimme meines Vaters, doch ich nahm fast gar nichts mehr um mich herum war.
Das einzige was ich nur noch sah, war Mike Newton und er hatte noch immer nicht genug dafür gebüßt, was er getan hatte.
Es dauerte einige Minuten, bis wir uns beide wieder einigermaßen beruhigt hatten und aus den Augenwinkeln sah ich, wie meine Mutter direkt neben mir erschien.
„Edward Anthony Masen! So habe ich dich aber nicht erzogen!“, sagte sie mit einem leicht wütenden Ton, doch in ihrem Blick stand die Sorge geschrieben.
„Ich will dich nicht kränken Mutter, aber dafür werde ich mich sicherlich nicht entschuldigen…“, entgegnete ich leise.
„Liebling, jetzt sag doch auch mal etwas!“, forderte meine Mutter ihren Mann auf und ich meinte ihn leise seufzen zu hören.
„Mein Sohn, ich hätte das gleiche getan..“, sagte er an mich gewandt und klopfte auf meine Schulter.
„Edward!“
Mein Vater und ich drehten sich gleichzeitig zu meiner Mutter um und wir warfen ihr einen fragenden Blick zu.
„Was?“, kam es aus unseren beiden Mündern und meine Mutter seufzte leise.
„Michael, du gehst jetzt sofort nach Hause!“, sagte meine Mutter warnend an ihn gerichtet und das ließ er sich nicht noch einmal sagen.
Mein Vater ließ mich wieder los, da er wahrscheinlich nicht noch einmal befürchten musste, dass ich jeden Moment wieder durchdrehen würde.
Schnell sah ich zu Bella herüber.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie das Ganze jetzt nicht alleine durchstehen sollte.
Mit schnellen Schritten lief ich zu ihr, zog mein Jackett aus und legte es Bella um die Schultern.
„Edward…“, schluchzte sie leise und richtete ihren Blick auf.
Als sie in mein Gesicht sah, weiteten sich ihre Augen und vorsichtig legte sie ihre Hand an meine Wange.
„Du blutest…“
„Ist nicht weiter schlimm. Wie geht es dir? Was hat er dir getan?“, fragte ich und streichelte behutsam mit meinen Händen über ihren Rücken.
Ihr war sicherlich kalt und ich wusste nicht, was ihr sonst noch fehlte.
„Edward, du blutest“, wiederholte sie und ihr Blick wurde schuldig.
„Bella, mir geht es wirklich gut. Es ist nicht weiter schlimm“, log ich auch wenn diese Verletzungen nicht gerade sehr angenehm waren.
Außerdem blutete es nicht gerade wenig.
Verdammter Newton..
„Komm, Liebste.. Ich helfe dir aufzustehen“, sagte ich mit möglichst sanfter Stimme und legte meine Hände an ihre Taille um ihr aufzuhelfen.
Sie war ziemlich wackelig auf den Beinen, doch ich würde sie nicht mehr loslassen, soviel stand fest.
Nie wieder.
„Isabella Marie Swan!“, hörte ich eine aufgebrachte Stimme und drehte mich in die Richtung, aus der sie kam.
Das war eindeutig Bellas Mutter und sie sah alles andere als erfreut aus.
Es wunderte mich immer wieder, wie schnell sich irgendwelche Sachen herumsprachen.
Bella vergrub leise schluchzend ihr Gesicht an meiner Brust und klammerte sich hilfesuchend an mich.
„Was zum Henker hat das zu bedeuten?“ Die Stimme ihrer Mutter war schneidend und Bella zuckte zusammen.
„Ein kleines Missverständnis, Mrs. Swan. Sie müssen sich nicht darüber aufregen. Es ist hier alles unter Kontrolle“, sagte ich mit möglichst ruhiger Stimme, doch sie schien das nur noch wütender zu machen.
„Sie!“ Sie streckte ihren Zeigefinger in meine Richtung und funkelte mich wutentbrannt an.
„Was fällt Ihnen eigentlich ein?“ Ich konnte nicht genau sagen, warum sich ihre ganze Wut jetzt auf mich projizierte, aber ich sagte nichts weiter und ließ mich von ihr anbrüllen.
„Dank Ihnen, Mr. Masen erkenne ich meine Tochter gar nicht mehr wieder! Sie ist frech geworden, benimmt sich nicht mehr entsprechend und tut einfach nur das was sie will! Zu allem Unmut wurde sie auch noch ins Krankenhaus eingeliefert und das nur, weil sie mit Ihnen ausgegangen ist und das ohne mich um Erlaubnis zu fragen. Sie sollten sich schämen!“, giftete sie mich an und ich seufzte leise.
Wahrscheinlich war sie so wütend, weil sie diesen Mike Newton gerne als ihren Schwiegersohn haben würde aber Bella lieber auf ihre wahren Gefühle hörte.
Das musste der Grund dafür sein.
Ich öffnete meinen Mund um sie zu beruhigen, doch Bella lenkte mich augenblicklich ab, indem sie sich von mir losriss und sich zu ihrer Mutter umdrehte.
„Halt deinen Mund!“, sagte Bella wütend und ich warf ihr einen verwunderten Blick zu.
„Wie bitte? Junges Fräulein, ich verbitte mir, dass du so mit deiner eigenen Mutter sprichst!“, entgegnete Mrs. Swan und deutete mit ihrem Zeigefinger in Bellas Richtung.
„Oh.. Ich kann es nicht mehr ertragen! Halt einfach deinen Mund! Du denkst ich bin glücklich damit, wenn ich jemanden heirate, den ich nicht einmal liebe?“
Angestrengt überlegte ich, ob ich versuchen sollte diesen Streit hier zu schlichten aber eigentlich ging mich diese Situation nichts an, also blieb ich lieber still.
„Isabella! Du magst Michael doch!“ Renée schien nicht zu verstehen, was ihre Tochter ihr damit sagen wollte.
„Mögen! Ja, das ist ein sehr großer Unterschied, Mutter! Ich habe es wirklich satt, nur das zu tun was du möchtest. Ich war dir immer eine gute Tochter und was ist der Dank dafür? Du willst mich mit jemand verheiraten, den ich nicht einmal liebe. Ist es das was du willst? Willst du, dass ich mein ganzes Leben lang unglücklich bin, nur damit du ein besseres Ansehen in der Gesellschaft gewinnst? Außerdem will ich einfach nicht verstehen, was du an Edward auszusetzen hast! Aber ja natürlich.. Die Leute könnten denken, dass ich nur hinter seinem Geld her bin! Und du bist wohl eine davon! Das du so über mich denkst, ist wirklich traurig!“ Bella hörte beinahe nicht mehr auf zu reden, doch jetzt schnappte sie nach Luft und ihr Atem schien sich nur langsam wieder zu beruhigen.
Ihre Mutter war sprachlos und ich blieb in diesem Moment lieber still.
Wenn sie mich brauchte, dann würde ich bei ihr sein.
Als hätte Bella meine Gedanken gelesen, drehte sie sich zu mir und griff ohne ein weiteres Wort nach meiner Hand.
„Du solltest dich untersuchen lassen.. Wir sollten ins Krankenhaus gehen“, murmelte sie mit trauriger Stimme und ich konnte sehen, dass sie schon wieder den Tränen nahe war.
Ich konnte es einfach nicht ertragen, wenn sie so traurig und zutiefst bedrückt war, also drückte ich kurz ihre Hand und folgte ihr über den Rasen.
„Isabella!“ Ihre Mutter rief ihr hinterher, doch Bella reagierte nicht.
Ihre Schritte wurden schneller, bis wir die Kutsche erreicht hatten, in der sie auch schon heute mit ihren Eltern hier angekommen war.
Schnell öffnete ich ihr die Tür und half ihr dabei einzusteigen.
Aus den Augenwinkeln sah ich noch, wie meine Mutter sich mit ihrer unterhielt und ich war mir sicher, dass sie es schaffen würde, Renée zu beruhigen.
Während der gesamten Fahrt sprachen wir beide kein einziges Wort miteinander.
Ich beschränkte mich darauf, mit meinem Daumen sanft über ihren Handrücken zu streicheln und ich hoffte innerlich, dass ihr das zumindest ein wenig helfen würde.
Bella hatte ihren Blick aus dem Fenster gerichtet.
Vielleicht wollte sie ja die stillen Tränen vor mir verbergen, obwohl sie sich in meiner Gegenwart dessen sicher nicht schämen musste.
Die Kutsche kam zum stehen und ich warf einen kurzen Blick nach draußen, bevor ich die Tür öffnete.
„Wir sind da, Bella“, sagte ich mit sanfter Stimme und reichte ihr meine Hand, damit sie sicher aussteigen konnte.
Sie atmete einmal tief ein, bevor sie meine Hand ergriff und behutsam aus der Kutsche ausstieg.
Besorgt musterte ich ihr Gesicht und strich kurz mit meiner Fingerspitze an ihrer Wange entlang.
Zu meiner Erleichterung musste ich feststellen, dass es sogar ein kleines Lächeln auf ihren Lippen hervorrief und ich nahm ihre Hand, um mit ihr zusammen das Krankenhaus zu betreten.
Die Krankenschwester warf mir einen erschrockenen Blick zu und ließ sofort alles stehen und liegen, um mich in einen Behandlungssaal zu führen.
„Dr. Cullen wird sofort bei Ihnen sein, Mr. Masen“, sagte sie hastig und ich lächelte ihr dankbar zu.
Leise seufzend setzte ich mich auf den Rand der Liege und Bella tat es mir gleich.
Meine Hand ließ sie dabei nicht ein einziges Mal los und ich sah, wie sie gedankenverloren auf meine Hände starrte.
„Wie geht es dir?“, fragte ich vorsichtig.
Bella hob ihren Kopf und zwang sich ein Lächeln auf. Ich wusste ganz genau, dass sie mich nur beruhigen wollte.
Körperlich ging es ihr vielleicht gut, aber seelisch sah das alles schon ganz anders aus.
„Guten Abend“, hörte ich die Stimme von Dr. Cullen und ich wandte meinen Blick in seine Richtung.
„Oh..“ Er stoppte einen Moment, als er mein Gesicht sah.
Einen Moment lang schien er verwundert zu sein. Wahrscheinlich dachte er, dass Bella sich wieder einmal verletzt hatte, aber dieses Mal war ich derjenige.
„Mr. Masen.. Was ist passiert?“, fragte er und sofort war da wieder dieser fachmännische Ton in seiner Stimme.
Kurz erklärte ich ihm einige der Details und während ich erzählte spürte ich, wie Bellas Hand zu zittern begann.
„Diese Wunde hier werde ich nähen müssen…“ Er deutete auf meine Stirn und ich seufzte leise.
„Die andere ist nicht so gravierend“, erklärte Dr. Cullen mir und lächelte, bevor er sich etwas in einer Akte notierte.
„Wie geht es Ihnen, Miss Swan?“, fragte Dr. Cullen freundlich, während er gerade das Besteck auf einem kleinen Tisch zu Recht legte.
Bella wandte schnell ihren Blick ab und unwillkürlich musste ich lächeln.
Immerhin war sie dieses Mal nicht diejenige, die mit Spritzen und Nadeln konfrontiert wurde.
„Danke, Dr. Cullen. Mir geht es gut“, erklärte sie mit leiser Stimme und ich dachte, dass es mein Herz nicht aushalten könnte, sie so traurig zu sehen.
Dr. Cullen schien Bellas Aussage genauso wenig Glauben zu schenken wie ich, aber er hakte nicht weiter nach.
Ich konnte mir schon denken, dass Bella sich wahrscheinlich wieder einmal schuldig fühlte und sie dachte, dass meine Verletzungen auf ihr Konto gingen, dabei war es ganz alleine mein Verdienst gewesen.
Ich blieb möglichst still und bewegte mich nicht, während Dr. Cullen meine Wunde nähte.
„Nun, Mr. Masen. Ich kann sehr gut verstehen, warum Sie so reagiert haben und so sehr ich Ihre und die Anwesenheit von Miss Swan zu schätzen weiß, so würde ich es doch sehr begrüßen, wenn Sie mich nicht allzu oft besuchen würden“, erklärte Dr. Cullen nach einigen Minuten der Stille und legte das Besteck wieder zur Seite.
Ich runzelte die Stirn, was sich im nächsten Moment als ziemlich großer Fehler herausstellte und ich zuckte zusammen.
Es war verwunderlich, wie schnell er diese Wunde genäht hatte, aber die Schmerzen, die ich in diesem Moment verspürte lenkten mich zu sehr ab, als das ich genauer darüber hätte nachdenken können.
Carlisle gab mir noch ein Schmerzmittel mit, falls die Schmerzen in der Nacht zu stark werden würden und ich nahm es dankend an.
Bella sprach so gut wie kein einziges Wort.
Nur wenn man sie direkt auf etwas ansprach, antwortete sie. Ansonsten blieb sie still.
„Ich würde dich jetzt gerne nach Hause begleiten“, sagte ich mit sanfter Stimme und strich behutsam mit meiner Hand an ihrem Rücken entlang.
Sofort wurde ihr Blick panisch und ruckartig blieb sie vor der Kutsche stehen.
„Ich kann nicht mehr nach Hause!“ Sie flüsterte beinahe nur und doch konnte ich jedes einzelne Wort verstehen, was sie sagte.
Außerdem konnte ich die Angst in ihren Augen sehen.
Meine Arme legten sich um ihren Körper und ich zog sie seufzend zu mir heran.
„Ich kann nie wieder nach Hause“, murmelte sie und vergrub ihr Gesicht an meiner Brust.
„Sie werden dir schon verzeihen“, versicherte ich ihr, doch jetzt in diesem Moment war es relativ sinnlos, sie davon zu überzeugen.
Bella war noch immer viel zu aufgewühlt um wirklich einen klaren Gedanken fassen zu können.
„Nun gut…“, sagte ich hastig, als sie leise schluchzte und sich hilfesuchend an mich klammerte.
„Natürlich kannst du so lange bei mir bleiben, wenn du das möchtest“, schlug ich vor und sie richtete ihren Blick auf.
Ihre schokoladenbraunen Augen musterten mich aufmerksam.
„Bei dir?“
Ich nickte bestätigend.
„Meine Eltern werden sicherlich nichts dagegen haben“, erklärte ich ihr schulterzuckend und außerdem war der Gedanke, sie vielleicht für einige Tage in meiner Nähe zu wissen ziemlich verlockend.
„Aber ich kann doch nicht einfach…“
Bevor sie noch weiter sprechen konnte, legte ich meinen Zeigefinger an ihre Lippen und sie verstummte augenblicklich.
„Bella.. Du möchtest nur ungern wieder nach Hause und ich werde dich sicherlich nicht einfach so in den Gassen von Chicago übernachten lassen.“
Schon gar nicht würde ich sie zu diesem Newton bringen und das war in diesem Moment wahrscheinlich auch einer der letzten Orte, an denen sie sein wollte.
„Außerdem haben wir in unserem Haus platz genug“, versicherte ich ihr und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.
Es dauerte einen Moment, bis sie schließlich nickte und ihren Kopf wieder an meine Brust legte.
Ich seufzte zufrieden. Immerhin musste ich sie dieses Mal nicht zu sehr von einer Sache überzeugen.
Es war mir um einiges lieber, wenn sie bei mir blieb als bei irgendjemand anderem.
Sie in dieser Verfassung alleine zu lassen, stand für mich vollkommen außer Frage.
„Komm… Wir fahren nach Hause…“ Behutsam führte ich sie zu der Kutsche herüber und half ihr beim einsteigen.
Während der gesamten Fahrt über hielt sie meine Hand fest umklammert und es überraschte mich nicht, dass meine Mutter bereits auf uns wartete, als die Kutsche vor unserem Haus anhielt.
„Oh Himmel! Edward!“ Meine Mutter warf mir einen zutiefst besorgten Blick zu und musterte die genähte Wunde über meiner Augenbraue.
„Es ist nicht so schlimm, wie es vielleicht aussieht, Mutter“, versicherte ich ihr obwohl ich den Schmerz ständig spüren konnte.
„Liebes, wie geht es dir?“, fragte sie sofort Bella und strich ihr mit einem mütterlichen Lächeln über den Arm.
„Gut..“, murmelte sie und zwang sich ein Lächeln auf.
„Bella würde nach diesem heutigen Zwischenfall nur ungern wieder nach Hause“, begann ich meine Erklärung und wollte gerade fort fahren, doch meine Mutter hatte bereits verstanden, was ich ihr damit sagen wollte.
„Keine Sorge, Liebes.. Ich werde unser Gästezimmer für dich herrichten! Du kannst gerne bei uns bleiben und du solltest wissen, dass du hier bei uns immer willkommen ist“, erklärte meine Mutter Bella strahlend und noch bevor Bella irgendwie darauf reagieren konnte, lief sie mit schnellen Schritten ins Haus.
„Oh.. Liebling. Wieso hast du es denn wieder so eilig?“, wollte mein Vater wissen und warf meiner Mutter einen verwunderten Blick hinterher.
Meine Mutter machte eine hektische Handbewegung und war dann sogleich im oberen Stockwerk verschwunden.
Unsere Haushälterin raste hinter ihr her und murmelte leise etwas vor sich hin.
Meine Mutter hatte auch jetzt noch immer die Gewohnheit, die Dinge im Haushalt selbst zu erledigen und das führte meistens dazu, dass unsere Haushälterin selten wirklich viel zu tun hatte.
„Wie ich sehen kann, haben wir Besuch“, bemerkte mein Vater lächelnd und ich sah prüfend zu Bella herüber.
Sie lächelte schüchtern und ich konnte ihr ansehen, dass sie nicht so recht wusste, was sie am besten jetzt tun sollte.
„Möchtest du einen Tee? Dir ist sicherlich kalt…“, murmelte ich besorgt und sah zu meiner Erleichterung, dass Bella nickte.
Ich führte sie in unser Wohnzimmer, wo es sich mein Vater bereits in seinem Sessel bequem gemacht hatte und nach der Zeitung griff.
„Ich bin gleich wieder bei dir. Lauf nicht weg“, bat ich sie mit einem Lächeln.
Mein Vater räusperte sich leise und beim vorbeilaufen konnte ich sehen, wie auch er zufrieden lächelte.
„Mr. Masen, ich mache das schon für Sie“, sagte Sophia, unsere Haushälterin und nahm mir den Topf aus der Hand.
„Ich danke Ihnen, Sophia“, murmelte ich und lehnte mich an die Wand in der Küche.
„Eine wirklich sehr hübsche junge Dame“, murmelte Sophia, während sie den Tee zubereitete.
Sie warf mir einen prüfenden Blick zu und lächelte dann.
Sophia kannte mich wirklich sehr gut.
Sie war schon bei uns als Haushälterin beschäftigt, als ich noch ein kleines Baby war und ich unterhielt mich wirklich gerne mit ihr.
„Ja, das ist sie“, murmelte ich und wandte meinen Blick nach rechts in das Wohnzimmer.
Unwillkürlich musste ich lächeln, denn Bella schien wirklich großen Respekt vor meinem Vater zu haben.
Sie bewegte sich keinen einzigen Zentimeter und warf einen unsicheren Blick auf den Boden.
„Soll ich ihn der jungen Lady bringen?“, fragte Sophia nach einiger Zeit und ich zuckte aus meiner Trance zusammen.
„Nein, vielen Dank aber ich mache das schon.“ Ich nahm ihr den Tee ab und lief dann vorsichtig mit der Tasse in meinen Händen wieder in das Wohnzimmer.
„Hier, dein Tee“, murmelte ich leise und reichte ihn ihr.
Bella warf einen Blick in die Tasse und trank vorsichtig einen Schluck, während ich mich wieder zu ihr setzte.
„Möchtest du vielleicht eine Kleinigkeit essen?“ An diesem Abend war ihre Haut noch blasser, als es sonst vielleicht der Fall war und ich wollte, dass es ihr hier an nichts fehlte.
„Nein… Danke“, antwortete sie mir leise und ich seufzte leise.
Irgendetwas musste ich doch für sie tun können!
„Nun…“ Mein Vater legte die Zeitung in seinen Händen zur Seite und erhob sich aus seinem Sessel.
„Ich werde in den Salon gehen. Ich habe noch einige Sachen zu erledigen“, murmelte er und warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Natürlich wusste ich, dass er Bella und mich nur alleine lassen wollte, also nickte ich.
„Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, Miss Swan“, sagte mein Vater noch an Bella gerichtet und lächelte beruhigend.
„Vielen Dank.. Ihnen auch, Mr. Masen…“, antwortete sie schüchtern und ich sah noch einem Moment meinem Vater hinterher, wie er das Zimmer verließ.
„Danke für den Tee.. Er schmeckt wirklich vorzüglich…“, sagte Bella nach einigen Momenten der Stille und ich lächelte zufrieden.
Immerhin konnte ich ihr etwas Gutes tun.
Bevor ich jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, hörte ich bereits eilige Schritte auf der Treppe und ich wandte meinen Blick zu meiner Mutter herüber, die innerhalb von wenigen Sekunden vor uns zum stehen kam.
„Dein Zimmer ist fertig, ich habe alles bereit gelegt“, erklärte sie Bella und ich konnte es in ihren Augen lesen, dass ihr die ganze Situation ziemlich unangenehm war.
Aber so war Bella nun einmal. Sie stand nicht gerne im Mittelpunkt und es würde wahrscheinlich auch nie anders sein.
„Komm, ich zeige dir dein Zimmer…“ Behutsam legte ich meinen Arm an ihren und wartete geduldig, während sie vorsichtig die Tasse wieder auf den kleinen Tisch stellte.
„Vielen Dank.. Ich.. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen“, stotterte sie mit geröteten Wangen an meine Mutter gerichtet.
„Ruh dich aus und morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, versprach meine Mutter ihr und strich mit ihrer Hand behutsam über Bellas Arm.
Mit diesen Worten verabschiedete sich meine Mutter von uns und verschwand im Salon.
Lächelnd griff ich nach Bellas Hand und führte sie in das obere Stockwerk des Hauses.
Vor dem Gästezimmer blieb ich stehen und öffnete ihr die Tür mit meiner freien Hand.
„Ich hoffe, dass es dir so recht ist“, murmelte ich und beobachtete aufmerksam ihr Gesicht, während sie sich in dem Zimmer umsah.
Es war kein besonders großes Zimmer, aber für einige Nächte, in denen sie vielleicht hier bei mir blieb, würde es sicherlich reichen.
Bella nickte langsam und ließ ihren Blick über das riesige Bücherregal wandern.
„Du kannst dir gerne eines der Bücher nehmen, wenn du willst“, schlug ich ihr vor und hoffte innerlich, dass mein Monolog bald vorbei sein würde.
„Danke… Für alles, Edward…“ Sie drehte sich zu mir um und sah mir in die Augen.
„Du weißt, ich würde alles für dich tun“, sagte ich schlicht und lächelte, als ich dieses wundervolle Strahlen in ihren Augen entdeckte.
„Benötigst du sonst noch irgendetwas?“, fragte ich und hoffte, dass sie mir noch tausende von Dingen nennen würde und das nur, damit ich mehr Zeit mit ihr verbringe durfte.
Sie zögerte einen Moment und biss sich auf die Unterlippe, als müsste sie sich erst überwinden, mir ihre Wünsche mitzuteilen.
Ich wartete geduldig und versuchte sie möglichst zu nichts zu drängen.
„Könntest du vielleicht.. Nun ja.. Ähm.. Könntest du…“ Sie räusperte sich und wich meinem Blick aus.
„Würde es dir etwas ausmachen, wenn du bei mir bleibst?“, fragte sie vorsichtig.
„Bei dir bleiben?“
„Ja.. Ich meine, wenn du das möchtest… Ich würde heute nur ungern alleine bleiben“, erklärte sie mir und ihre Wangen färbten sich wieder rot.
„Natürlich, Liebste. Nichts lieber als das…“, versprach ich ihr und küsste mit einem Grinsen ihre Wange.
„D..Danke.. Ich benötige eine halbe Stunde Zeit…“, sagte sie hastig.
„Lass dir alle Zeit der Welt, Bella“, entgegnete ich grinsend und sie wandte sich schnell von mir ab und verschwand im Badezimmer.
Natürlich sollte sie sich lieber nicht alle Zeit der Welt lassen, denn ich könnte es sicherlich nicht mehr ohne sie an meiner Seite aushalten.
Für mich war es eine vollkommen neue Erfahrung, dass sich eine halbe Stunde wie ein ganzes Leben anfühlen konnte.
Ganze zehn Minuten hatte ich gebraucht, um mich umzuziehen und jetzt lief ich ungeduldig vor ihrem Zimmer auf und ab.
Ich war schon ziemlich erbärmlich aber jetzt in diesem Moment wusste ich wirklich nichts mit mir anzufangen.
Erleichtert atmete ich aus, als die halbe Stunde endlich vorbei war, doch ich zögerte noch einen Moment, bevor ich vorsichtig an ihre Tür klopfte.
„Darf ich herein kommen?“, fragte ich und sofort hörte ich ihre wundervolle Stimme aus dem Zimmer, die mich herein bat.
Möglichst leise schloss ich die Tür hinter mir und sah, wie sich Bella auf den Rand des Bettes setzte.
Ihre Haare waren noch nicht ganz getrocknet, aber mit ihren geröteten Wangen und dem Lächeln, mit dem sie mich empfang sah sie einfach wunderschön aus.
„Du solltest jetzt vielleicht am besten Schlafen gehen…“, murmelte ich und steuerte einen Schaukelstuhl an, der nicht weit entfernt von dem Bett stand.
„Ich möchte aber noch nicht schlafen“, entgegnete sie und ihre Lippen zeigten den leichten Ansatz eines Schmollens.
Ich seufzte leise, musste aber dennoch lächeln.
„Möchtest du dich nicht zu mir setzen?“, fragte sie und für einen kurzen Moment war ich verwundert darüber, wie leicht es ihr dieses Mal fiel, mir solch eine Frage zu stellen.
Ich zögerte nicht lange und steuerte das Bett an, auf dem sie saß.
Vorsichtig setzte ich mich darauf und lehnte mich zurück.
Bella drehte ihr Gesicht in meine Richtung und krabbelte dann schnell zu mir herüber.
Ihren Kopf lehnte sie an meine Brust und ich atmete tief ihren unwiderstehlichen Duft ein.
Meine Hand legte sich beinahe automatisch um sie und ich zog sie ein Stück näher zu mir heran und doch war es mir irgendwie immer noch nicht nah genug.
„Worüber denkst du nach?“, wollte ich von ihr wissen und strich mit meiner Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Es hatte sich wieder diese kleine Vertiefung zwischen ihren Augenbrauen gebildet, was nur heißen konnte, dass sie gerade über etwas angestrengt nach dachte.
„Kannst du mir verzeihen?“, fragte sie und richtete ihren Blick auf.
„Verzeihen?“ Stirnrunzelnd sah ich in ihre tiefbraunen Augen und verstand nicht so recht, warum ich ihr überhaupt verzeihen sollte.
Sie hatte nichts unrechtes getan.
„Ich habe dich angelogen.. In diesem Brief…“, erinnerte sie mich und ich seufzte leise.
„Ach.. Davon sprichst du…“
Bella schien verwirrt über mein Lächeln zu sein, aber ich zwang mich dazu, wieder ernst zu werden.
Ich wusste ja bereits damals, dass sie das alles nur getan hatte weil sie glaubte, dass solch eine Liebe keinen Bestand hatte.
Jedoch gab es eindeutige Beweise dafür, dass so eine Verbindung sehr wohl möglich war.
„Bella… Wie könnte ich dir böse sein? Wie könnte ich dich jemals für etwas verurteilen, was du tust? Das was du getan hast… Du wolltest deine Eltern nicht verletzen und ich hätte diese Entscheidung auch akzeptiert…“, erklärte ich ihr.
Zumindest hätte ich sie akzeptieren müssen, denn mein Herz hätte es sicherlich nicht ausgehalten.
„Ich danke dir… Für so vieles…“ Sie hob ihren Kopf und ich versank für einen kurzen Moment in ihren Augen.
Ich wusste nicht, ob ich es mir nur einbildete, aber jetzt sah sie gleich schon ein wenig entspannter aus, als es vor einigen Stunden der Fall gewesen war.
Mein Blick fiel auf ihre wunderschönen, geschwungenen Lippen und ich beugte mein Gesicht zu ihr herunter.
Noch immer hielt ich sie behutsam fest, während meine Lippen auf ihre trafen und sie zufrieden seufzte.
Meine Hand legte sich beinahe schon selbstverständlich an ihre Wange und wanderte langsam zu ihrem Nacken herüber.
Ich liebte es, sie so nah bei mir zu haben und ich würde alles für sie tun.
Sie war die Frau, die ich eines Tages heiraten würde, da war ich mir mehr als nur sicher.
Ihre Hände fuhren an meiner Wange entlang, bis sie schließlich durch meine Haare fuhren.
Es war etwas vollkommen anderes, sie hier in diesem Bett und vor allem ausgeschlossen von der Öffentlichkeit zu küssen.
Hier gab es nur uns beide.
Niemand warf uns einen kritischen Blick zu oder begann aufgeregt zu tuscheln, sobald man sah, wie ich ihre Hand hielt.
Meine Hand wanderte an ihrem Arm entlang, doch ich stoppte sofort als ich an ihrer Taille angelangt war.
So weit wollte ich nun wirklich nicht gehen, aber es waren diese verwirrenden Gefühle in mir, die mich zu dieser Handlung getrieben hatten.
Als ich meine Augen öffnete, sah ich sie direkt vor mir.
Ihre Haare lagen ausgebreitet auf dem weißen Kopfkissen, ihre Wangen leicht gerötet und die Lippen verführerisch geöffnet.
„Ich liebe dich, Isabella!“, sagte ich und sie blinzelte, als könnte sie nicht wirklich glauben, dass ich diese Worte gerade zu ihr gesagt hatte.
Vorsichtig löste ich meine Hand von ihrer Taille und rückte ein Stück von ihr weg.
Eigentlich wollte ich sie damit nur beruhigen, doch es schien den Gegenteiligen Effekt zu haben.
„Es erscheint mir so abwegig, dass du mich liebst“, flüsterte sie so leise, dass ich beinahe Schwierigkeiten hatte, sie zu verstehen.
Ich nahm ihr Gesicht in meine Hände und verhinderte somit, dass sie meinem Blick ausweichen konnte.
„Bella.. Du bist die Frau, die mein Herz berührt und es wird auch niemals eine andere Frau geben, die ich lieben könnte, verstehst du das? Für mich bist du die Einzige!“
Um meine Worte noch zu unterstreichen, beugte ich mich ein weiteres Mal zu ihr und küsste sie sanft.
Es war ein wunderschönes Gefühl zu sehen, wie ihre Augen zu strahlen begannen und ein Lächeln zauberte sich auf ihre Lippen.
„Und ich liebe dich, Edward… Das ist schon seit einiger Zeit so…“, gestand sie leise und mit geröteten Wangen, wandte sie ihren Blick von meinem Gesicht ab.
„Ich liebe das…“, flüsterte ich mit einem Lächeln und strich mit meinem Zeigefinger über ihre Wangen.
„Ich finde es eher lästig…“, murmelte sie leise, konnte ein Lächeln aber dennoch nicht zurück halten.
Ich gab sie wieder frei, da ihr ein leises Gähnen entwich und wenige Sekunden später lag ihr Kopf wieder auf meiner Brust.
„Schlaf jetzt, Bella…“, flüsterte ich ihr ins Ohr und strich ihr behutsam über ihren Rücken.
„Edward…?“, murmelte sie nach einigen Minuten.
Ihre Stimme klang recht schläfrig und ich musste wieder Grinsen.
„Ja, Liebste?“
„Versprichst du mir etwas?“, nuschelte sie und ihre Hand klammerte sich an meinem Oberteil fest.
„Alles“, entgegnete ich schlicht und wartete darauf, dass sie fort fuhr.
Es dauerte einen Moment, bis ich ihre Stimme wieder hörte und im ersten Moment hatte ich schon vermutet, dass sie vielleicht eingeschlafen wäre, aber ich irrte mich.
„Bitte bleib bei mir…“, flüsterte sie.
„Natürlich werde ich das. Ich werde dich nicht verlassen oder dich alleine lassen“, versprach ich ihr hoch und heilig.
Wie könnte ich auch?
„Danke…“, sagte sie mit letzter Kraft und es dauerte nicht mehr lange, bis sie einschlief.
Wenn ich in diesem Moment gewusst hätte, dass ich mein Versprechen nicht halten könnte, dann hätten diese Worte meine Lippen sicherlich nicht verlassen.
Ich befand mich gerade zusammen mit meinem Vater in dem Salon und lauschte nur halb dem Gespräch, welches er mit einem seiner Kollegen führte, als die Tür mit einem lauten Krachen aufgestoßen wurde.
Es war Mike Newton, der diesen ganzen Lärm verursacht hatte und mit schnellen Schritten raste er an uns vorbei direkt in die Küche.
Stirnrunzelnd beobachtete ich, wie er nach einigen Sekunden mit seiner Jacke in der Hand wieder heraus kam.
Sein Blick war wütend und ich hatte das ungute Gefühl, dass irgendetwas passiert war.
Mrs. Matthews rief ihm hinterher, doch er schien überhaupt nicht darauf zu reagieren und rannte ein weiteres Mal an mir vorbei.
„Entschuldigt mich bitte meine Herren“, sagte ich schnell und wartete eine Antwort erst gar nicht ab.
Mit schnellen Schritten lief ich hinter Mike Newton her und als ich die Tür zum Garten öffnete, entdeckte ich sie.
Bella saß auf dem leicht durchnässten Rasen und meine Mutter war über sie gebeugt.
Es sah so aus als würde sie weinen und meine Mutter war diejenige, die sie beruhigte.
Innerhalb von wenigen Sekunden war ich bei den beiden angelangt und sah besorgt zu meiner Bella herunter.
Sie war vollkommen aufgelöst und nicht mehr richtig in der Lage zu sprechen.
„Was ist passiert?“, fragte ich leicht panisch und unheimlich besorgt, doch keiner der beiden antwortete mir.
„Bella, Liebste was ist passiert?“ Ich beugte mich zu ihr und sie richtete schluchzend ihren Blick auf.
Ihre schokoladenbraunen Augen waren schockiert und traurig zugleich.
Wer hatte ihr etwas angetan und vor allem, was hatte dieser jenige ihr angetan?
Sie öffnete langsam ihren Mund, doch nur einzelne Schluchzer verließen ihren Mund da sie anscheinend noch immer nicht in der Lage war mir zu antworten.
„Michael ist nicht gerade sehr zuvorkommend mit ihr umgegangen“, hörte ich meine Mutter sagen und sanft strich sie Bella eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Mein Blick schnellte sofort in die Richtung von Mike Newton, der sich gerade aus dem Staub machen wollte.
Meine Besorgnis verwandelte sich augenblicklich in Wut und meine Hände ballten sich automatisch zu Fäusten.
Meine Mutter schien meinen Stimmungswechsel sofort zu bemerken und warf mir einen warnenden Blick zu.
„Edward, benimm dich. Es ist nichts passiert. Es geht ihr gut.“
Ich verstand ihre Worte zwar, doch ich wollte ihnen jetzt keine Beachtung schenken.
Bella ging es nicht gut.
Er hatte sie verletzt und ich wusste nicht einmal ob es seelische oder körperliche Verletzungen waren, aber beides wäre nicht zu entschuldigen gewesen.
Dieser verdammte Bastard war so egoistisch und kümmerte sich einen Dreck darum, wie es seiner angeblich besten Freundin in diesem Moment ging.
„Edward!“ Meine Mutter rief mir hinterher, doch ich ignorierte sie und lief zu Mike herüber.
„Du gehst nirgendwo hin!“, zischte ich wütend und griff nach seinem Arm.
„Lass deine Finger von mir“, knurrte Mike und versuchte meine Hand abzuschütteln, doch ich dachte erst gar nicht daran ihn wieder los zu lassen.
„Was hast du ihr angetan?“, brachte ich noch wütend hervor, doch Mike schien es nicht für nötig zu halten mir zu antworten und genau das war das ausschlaggebende Punkt dafür, was ich als nächstes tat.
Beinahe automatisch holte ich mit meiner Faust aus und traf ihn dabei mitten im Gesicht.
Er taumelte leicht zurück und versuchte sich wieder zu fangen.
„Du fasst sie nie wieder an!“, warnte ich ihn und Mike richtete seinen Blick auf, bevor er auf mich losstürmte und unser kleiner Streit in einer richtigen Prügelei endete.
Ich musste auch so einiges einstecken, aber das war mir in diesem Moment vollkommen egal.
Er hatte es nicht anders verdient, wenn er Bella so behandelt hatte, dass sie vollkommen verstört und verängstigt war.
„Nun tu doch etwas!!“, hörte ich die Stimme meiner Mutter im Hintergrund und wenige Sekunden später spürte ich zwei Hände, die mich von Mike Newton wegzerrten.
„Ruhig, mein Junge..“ Das war die Stimme meines Vaters, doch ich nahm fast gar nichts mehr um mich herum war.
Das einzige was ich nur noch sah, war Mike Newton und er hatte noch immer nicht genug dafür gebüßt, was er getan hatte.
Es dauerte einige Minuten, bis wir uns beide wieder einigermaßen beruhigt hatten und aus den Augenwinkeln sah ich, wie meine Mutter direkt neben mir erschien.
„Edward Anthony Masen! So habe ich dich aber nicht erzogen!“, sagte sie mit einem leicht wütenden Ton, doch in ihrem Blick stand die Sorge geschrieben.
„Ich will dich nicht kränken Mutter, aber dafür werde ich mich sicherlich nicht entschuldigen…“, entgegnete ich leise.
„Liebling, jetzt sag doch auch mal etwas!“, forderte meine Mutter ihren Mann auf und ich meinte ihn leise seufzen zu hören.
„Mein Sohn, ich hätte das gleiche getan..“, sagte er an mich gewandt und klopfte auf meine Schulter.
„Edward!“
Mein Vater und ich drehten sich gleichzeitig zu meiner Mutter um und wir warfen ihr einen fragenden Blick zu.
„Was?“, kam es aus unseren beiden Mündern und meine Mutter seufzte leise.
„Michael, du gehst jetzt sofort nach Hause!“, sagte meine Mutter warnend an ihn gerichtet und das ließ er sich nicht noch einmal sagen.
Mein Vater ließ mich wieder los, da er wahrscheinlich nicht noch einmal befürchten musste, dass ich jeden Moment wieder durchdrehen würde.
Schnell sah ich zu Bella herüber.
Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass sie das Ganze jetzt nicht alleine durchstehen sollte.
Mit schnellen Schritten lief ich zu ihr, zog mein Jackett aus und legte es Bella um die Schultern.
„Edward…“, schluchzte sie leise und richtete ihren Blick auf.
Als sie in mein Gesicht sah, weiteten sich ihre Augen und vorsichtig legte sie ihre Hand an meine Wange.
„Du blutest…“
„Ist nicht weiter schlimm. Wie geht es dir? Was hat er dir getan?“, fragte ich und streichelte behutsam mit meinen Händen über ihren Rücken.
Ihr war sicherlich kalt und ich wusste nicht, was ihr sonst noch fehlte.
„Edward, du blutest“, wiederholte sie und ihr Blick wurde schuldig.
„Bella, mir geht es wirklich gut. Es ist nicht weiter schlimm“, log ich auch wenn diese Verletzungen nicht gerade sehr angenehm waren.
Außerdem blutete es nicht gerade wenig.
Verdammter Newton..
„Komm, Liebste.. Ich helfe dir aufzustehen“, sagte ich mit möglichst sanfter Stimme und legte meine Hände an ihre Taille um ihr aufzuhelfen.
Sie war ziemlich wackelig auf den Beinen, doch ich würde sie nicht mehr loslassen, soviel stand fest.
Nie wieder.
„Isabella Marie Swan!“, hörte ich eine aufgebrachte Stimme und drehte mich in die Richtung, aus der sie kam.
Das war eindeutig Bellas Mutter und sie sah alles andere als erfreut aus.
Es wunderte mich immer wieder, wie schnell sich irgendwelche Sachen herumsprachen.
Bella vergrub leise schluchzend ihr Gesicht an meiner Brust und klammerte sich hilfesuchend an mich.
„Was zum Henker hat das zu bedeuten?“ Die Stimme ihrer Mutter war schneidend und Bella zuckte zusammen.
„Ein kleines Missverständnis, Mrs. Swan. Sie müssen sich nicht darüber aufregen. Es ist hier alles unter Kontrolle“, sagte ich mit möglichst ruhiger Stimme, doch sie schien das nur noch wütender zu machen.
„Sie!“ Sie streckte ihren Zeigefinger in meine Richtung und funkelte mich wutentbrannt an.
„Was fällt Ihnen eigentlich ein?“ Ich konnte nicht genau sagen, warum sich ihre ganze Wut jetzt auf mich projizierte, aber ich sagte nichts weiter und ließ mich von ihr anbrüllen.
„Dank Ihnen, Mr. Masen erkenne ich meine Tochter gar nicht mehr wieder! Sie ist frech geworden, benimmt sich nicht mehr entsprechend und tut einfach nur das was sie will! Zu allem Unmut wurde sie auch noch ins Krankenhaus eingeliefert und das nur, weil sie mit Ihnen ausgegangen ist und das ohne mich um Erlaubnis zu fragen. Sie sollten sich schämen!“, giftete sie mich an und ich seufzte leise.
Wahrscheinlich war sie so wütend, weil sie diesen Mike Newton gerne als ihren Schwiegersohn haben würde aber Bella lieber auf ihre wahren Gefühle hörte.
Das musste der Grund dafür sein.
Ich öffnete meinen Mund um sie zu beruhigen, doch Bella lenkte mich augenblicklich ab, indem sie sich von mir losriss und sich zu ihrer Mutter umdrehte.
„Halt deinen Mund!“, sagte Bella wütend und ich warf ihr einen verwunderten Blick zu.
„Wie bitte? Junges Fräulein, ich verbitte mir, dass du so mit deiner eigenen Mutter sprichst!“, entgegnete Mrs. Swan und deutete mit ihrem Zeigefinger in Bellas Richtung.
„Oh.. Ich kann es nicht mehr ertragen! Halt einfach deinen Mund! Du denkst ich bin glücklich damit, wenn ich jemanden heirate, den ich nicht einmal liebe?“
Angestrengt überlegte ich, ob ich versuchen sollte diesen Streit hier zu schlichten aber eigentlich ging mich diese Situation nichts an, also blieb ich lieber still.
„Isabella! Du magst Michael doch!“ Renée schien nicht zu verstehen, was ihre Tochter ihr damit sagen wollte.
„Mögen! Ja, das ist ein sehr großer Unterschied, Mutter! Ich habe es wirklich satt, nur das zu tun was du möchtest. Ich war dir immer eine gute Tochter und was ist der Dank dafür? Du willst mich mit jemand verheiraten, den ich nicht einmal liebe. Ist es das was du willst? Willst du, dass ich mein ganzes Leben lang unglücklich bin, nur damit du ein besseres Ansehen in der Gesellschaft gewinnst? Außerdem will ich einfach nicht verstehen, was du an Edward auszusetzen hast! Aber ja natürlich.. Die Leute könnten denken, dass ich nur hinter seinem Geld her bin! Und du bist wohl eine davon! Das du so über mich denkst, ist wirklich traurig!“ Bella hörte beinahe nicht mehr auf zu reden, doch jetzt schnappte sie nach Luft und ihr Atem schien sich nur langsam wieder zu beruhigen.
Ihre Mutter war sprachlos und ich blieb in diesem Moment lieber still.
Wenn sie mich brauchte, dann würde ich bei ihr sein.
Als hätte Bella meine Gedanken gelesen, drehte sie sich zu mir und griff ohne ein weiteres Wort nach meiner Hand.
„Du solltest dich untersuchen lassen.. Wir sollten ins Krankenhaus gehen“, murmelte sie mit trauriger Stimme und ich konnte sehen, dass sie schon wieder den Tränen nahe war.
Ich konnte es einfach nicht ertragen, wenn sie so traurig und zutiefst bedrückt war, also drückte ich kurz ihre Hand und folgte ihr über den Rasen.
„Isabella!“ Ihre Mutter rief ihr hinterher, doch Bella reagierte nicht.
Ihre Schritte wurden schneller, bis wir die Kutsche erreicht hatten, in der sie auch schon heute mit ihren Eltern hier angekommen war.
Schnell öffnete ich ihr die Tür und half ihr dabei einzusteigen.
Aus den Augenwinkeln sah ich noch, wie meine Mutter sich mit ihrer unterhielt und ich war mir sicher, dass sie es schaffen würde, Renée zu beruhigen.
Während der gesamten Fahrt sprachen wir beide kein einziges Wort miteinander.
Ich beschränkte mich darauf, mit meinem Daumen sanft über ihren Handrücken zu streicheln und ich hoffte innerlich, dass ihr das zumindest ein wenig helfen würde.
Bella hatte ihren Blick aus dem Fenster gerichtet.
Vielleicht wollte sie ja die stillen Tränen vor mir verbergen, obwohl sie sich in meiner Gegenwart dessen sicher nicht schämen musste.
Die Kutsche kam zum stehen und ich warf einen kurzen Blick nach draußen, bevor ich die Tür öffnete.
„Wir sind da, Bella“, sagte ich mit sanfter Stimme und reichte ihr meine Hand, damit sie sicher aussteigen konnte.
Sie atmete einmal tief ein, bevor sie meine Hand ergriff und behutsam aus der Kutsche ausstieg.
Besorgt musterte ich ihr Gesicht und strich kurz mit meiner Fingerspitze an ihrer Wange entlang.
Zu meiner Erleichterung musste ich feststellen, dass es sogar ein kleines Lächeln auf ihren Lippen hervorrief und ich nahm ihre Hand, um mit ihr zusammen das Krankenhaus zu betreten.
Die Krankenschwester warf mir einen erschrockenen Blick zu und ließ sofort alles stehen und liegen, um mich in einen Behandlungssaal zu führen.
„Dr. Cullen wird sofort bei Ihnen sein, Mr. Masen“, sagte sie hastig und ich lächelte ihr dankbar zu.
Leise seufzend setzte ich mich auf den Rand der Liege und Bella tat es mir gleich.
Meine Hand ließ sie dabei nicht ein einziges Mal los und ich sah, wie sie gedankenverloren auf meine Hände starrte.
„Wie geht es dir?“, fragte ich vorsichtig.
Bella hob ihren Kopf und zwang sich ein Lächeln auf. Ich wusste ganz genau, dass sie mich nur beruhigen wollte.
Körperlich ging es ihr vielleicht gut, aber seelisch sah das alles schon ganz anders aus.
„Guten Abend“, hörte ich die Stimme von Dr. Cullen und ich wandte meinen Blick in seine Richtung.
„Oh..“ Er stoppte einen Moment, als er mein Gesicht sah.
Einen Moment lang schien er verwundert zu sein. Wahrscheinlich dachte er, dass Bella sich wieder einmal verletzt hatte, aber dieses Mal war ich derjenige.
„Mr. Masen.. Was ist passiert?“, fragte er und sofort war da wieder dieser fachmännische Ton in seiner Stimme.
Kurz erklärte ich ihm einige der Details und während ich erzählte spürte ich, wie Bellas Hand zu zittern begann.
„Diese Wunde hier werde ich nähen müssen…“ Er deutete auf meine Stirn und ich seufzte leise.
„Die andere ist nicht so gravierend“, erklärte Dr. Cullen mir und lächelte, bevor er sich etwas in einer Akte notierte.
„Wie geht es Ihnen, Miss Swan?“, fragte Dr. Cullen freundlich, während er gerade das Besteck auf einem kleinen Tisch zu Recht legte.
Bella wandte schnell ihren Blick ab und unwillkürlich musste ich lächeln.
Immerhin war sie dieses Mal nicht diejenige, die mit Spritzen und Nadeln konfrontiert wurde.
„Danke, Dr. Cullen. Mir geht es gut“, erklärte sie mit leiser Stimme und ich dachte, dass es mein Herz nicht aushalten könnte, sie so traurig zu sehen.
Dr. Cullen schien Bellas Aussage genauso wenig Glauben zu schenken wie ich, aber er hakte nicht weiter nach.
Ich konnte mir schon denken, dass Bella sich wahrscheinlich wieder einmal schuldig fühlte und sie dachte, dass meine Verletzungen auf ihr Konto gingen, dabei war es ganz alleine mein Verdienst gewesen.
Ich blieb möglichst still und bewegte mich nicht, während Dr. Cullen meine Wunde nähte.
„Nun, Mr. Masen. Ich kann sehr gut verstehen, warum Sie so reagiert haben und so sehr ich Ihre und die Anwesenheit von Miss Swan zu schätzen weiß, so würde ich es doch sehr begrüßen, wenn Sie mich nicht allzu oft besuchen würden“, erklärte Dr. Cullen nach einigen Minuten der Stille und legte das Besteck wieder zur Seite.
Ich runzelte die Stirn, was sich im nächsten Moment als ziemlich großer Fehler herausstellte und ich zuckte zusammen.
Es war verwunderlich, wie schnell er diese Wunde genäht hatte, aber die Schmerzen, die ich in diesem Moment verspürte lenkten mich zu sehr ab, als das ich genauer darüber hätte nachdenken können.
Carlisle gab mir noch ein Schmerzmittel mit, falls die Schmerzen in der Nacht zu stark werden würden und ich nahm es dankend an.
Bella sprach so gut wie kein einziges Wort.
Nur wenn man sie direkt auf etwas ansprach, antwortete sie. Ansonsten blieb sie still.
„Ich würde dich jetzt gerne nach Hause begleiten“, sagte ich mit sanfter Stimme und strich behutsam mit meiner Hand an ihrem Rücken entlang.
Sofort wurde ihr Blick panisch und ruckartig blieb sie vor der Kutsche stehen.
„Ich kann nicht mehr nach Hause!“ Sie flüsterte beinahe nur und doch konnte ich jedes einzelne Wort verstehen, was sie sagte.
Außerdem konnte ich die Angst in ihren Augen sehen.
Meine Arme legten sich um ihren Körper und ich zog sie seufzend zu mir heran.
„Ich kann nie wieder nach Hause“, murmelte sie und vergrub ihr Gesicht an meiner Brust.
„Sie werden dir schon verzeihen“, versicherte ich ihr, doch jetzt in diesem Moment war es relativ sinnlos, sie davon zu überzeugen.
Bella war noch immer viel zu aufgewühlt um wirklich einen klaren Gedanken fassen zu können.
„Nun gut…“, sagte ich hastig, als sie leise schluchzte und sich hilfesuchend an mich klammerte.
„Natürlich kannst du so lange bei mir bleiben, wenn du das möchtest“, schlug ich vor und sie richtete ihren Blick auf.
Ihre schokoladenbraunen Augen musterten mich aufmerksam.
„Bei dir?“
Ich nickte bestätigend.
„Meine Eltern werden sicherlich nichts dagegen haben“, erklärte ich ihr schulterzuckend und außerdem war der Gedanke, sie vielleicht für einige Tage in meiner Nähe zu wissen ziemlich verlockend.
„Aber ich kann doch nicht einfach…“
Bevor sie noch weiter sprechen konnte, legte ich meinen Zeigefinger an ihre Lippen und sie verstummte augenblicklich.
„Bella.. Du möchtest nur ungern wieder nach Hause und ich werde dich sicherlich nicht einfach so in den Gassen von Chicago übernachten lassen.“
Schon gar nicht würde ich sie zu diesem Newton bringen und das war in diesem Moment wahrscheinlich auch einer der letzten Orte, an denen sie sein wollte.
„Außerdem haben wir in unserem Haus platz genug“, versicherte ich ihr und schenkte ihr ein strahlendes Lächeln.
Es dauerte einen Moment, bis sie schließlich nickte und ihren Kopf wieder an meine Brust legte.
Ich seufzte zufrieden. Immerhin musste ich sie dieses Mal nicht zu sehr von einer Sache überzeugen.
Es war mir um einiges lieber, wenn sie bei mir blieb als bei irgendjemand anderem.
Sie in dieser Verfassung alleine zu lassen, stand für mich vollkommen außer Frage.
„Komm… Wir fahren nach Hause…“ Behutsam führte ich sie zu der Kutsche herüber und half ihr beim einsteigen.
Während der gesamten Fahrt über hielt sie meine Hand fest umklammert und es überraschte mich nicht, dass meine Mutter bereits auf uns wartete, als die Kutsche vor unserem Haus anhielt.
„Oh Himmel! Edward!“ Meine Mutter warf mir einen zutiefst besorgten Blick zu und musterte die genähte Wunde über meiner Augenbraue.
„Es ist nicht so schlimm, wie es vielleicht aussieht, Mutter“, versicherte ich ihr obwohl ich den Schmerz ständig spüren konnte.
„Liebes, wie geht es dir?“, fragte sie sofort Bella und strich ihr mit einem mütterlichen Lächeln über den Arm.
„Gut..“, murmelte sie und zwang sich ein Lächeln auf.
„Bella würde nach diesem heutigen Zwischenfall nur ungern wieder nach Hause“, begann ich meine Erklärung und wollte gerade fort fahren, doch meine Mutter hatte bereits verstanden, was ich ihr damit sagen wollte.
„Keine Sorge, Liebes.. Ich werde unser Gästezimmer für dich herrichten! Du kannst gerne bei uns bleiben und du solltest wissen, dass du hier bei uns immer willkommen ist“, erklärte meine Mutter Bella strahlend und noch bevor Bella irgendwie darauf reagieren konnte, lief sie mit schnellen Schritten ins Haus.
„Oh.. Liebling. Wieso hast du es denn wieder so eilig?“, wollte mein Vater wissen und warf meiner Mutter einen verwunderten Blick hinterher.
Meine Mutter machte eine hektische Handbewegung und war dann sogleich im oberen Stockwerk verschwunden.
Unsere Haushälterin raste hinter ihr her und murmelte leise etwas vor sich hin.
Meine Mutter hatte auch jetzt noch immer die Gewohnheit, die Dinge im Haushalt selbst zu erledigen und das führte meistens dazu, dass unsere Haushälterin selten wirklich viel zu tun hatte.
„Wie ich sehen kann, haben wir Besuch“, bemerkte mein Vater lächelnd und ich sah prüfend zu Bella herüber.
Sie lächelte schüchtern und ich konnte ihr ansehen, dass sie nicht so recht wusste, was sie am besten jetzt tun sollte.
„Möchtest du einen Tee? Dir ist sicherlich kalt…“, murmelte ich besorgt und sah zu meiner Erleichterung, dass Bella nickte.
Ich führte sie in unser Wohnzimmer, wo es sich mein Vater bereits in seinem Sessel bequem gemacht hatte und nach der Zeitung griff.
„Ich bin gleich wieder bei dir. Lauf nicht weg“, bat ich sie mit einem Lächeln.
Mein Vater räusperte sich leise und beim vorbeilaufen konnte ich sehen, wie auch er zufrieden lächelte.
„Mr. Masen, ich mache das schon für Sie“, sagte Sophia, unsere Haushälterin und nahm mir den Topf aus der Hand.
„Ich danke Ihnen, Sophia“, murmelte ich und lehnte mich an die Wand in der Küche.
„Eine wirklich sehr hübsche junge Dame“, murmelte Sophia, während sie den Tee zubereitete.
Sie warf mir einen prüfenden Blick zu und lächelte dann.
Sophia kannte mich wirklich sehr gut.
Sie war schon bei uns als Haushälterin beschäftigt, als ich noch ein kleines Baby war und ich unterhielt mich wirklich gerne mit ihr.
„Ja, das ist sie“, murmelte ich und wandte meinen Blick nach rechts in das Wohnzimmer.
Unwillkürlich musste ich lächeln, denn Bella schien wirklich großen Respekt vor meinem Vater zu haben.
Sie bewegte sich keinen einzigen Zentimeter und warf einen unsicheren Blick auf den Boden.
„Soll ich ihn der jungen Lady bringen?“, fragte Sophia nach einiger Zeit und ich zuckte aus meiner Trance zusammen.
„Nein, vielen Dank aber ich mache das schon.“ Ich nahm ihr den Tee ab und lief dann vorsichtig mit der Tasse in meinen Händen wieder in das Wohnzimmer.
„Hier, dein Tee“, murmelte ich leise und reichte ihn ihr.
Bella warf einen Blick in die Tasse und trank vorsichtig einen Schluck, während ich mich wieder zu ihr setzte.
„Möchtest du vielleicht eine Kleinigkeit essen?“ An diesem Abend war ihre Haut noch blasser, als es sonst vielleicht der Fall war und ich wollte, dass es ihr hier an nichts fehlte.
„Nein… Danke“, antwortete sie mir leise und ich seufzte leise.
Irgendetwas musste ich doch für sie tun können!
„Nun…“ Mein Vater legte die Zeitung in seinen Händen zur Seite und erhob sich aus seinem Sessel.
„Ich werde in den Salon gehen. Ich habe noch einige Sachen zu erledigen“, murmelte er und warf mir einen vielsagenden Blick zu.
Natürlich wusste ich, dass er Bella und mich nur alleine lassen wollte, also nickte ich.
„Ich wünsche Ihnen einen angenehmen Abend, Miss Swan“, sagte mein Vater noch an Bella gerichtet und lächelte beruhigend.
„Vielen Dank.. Ihnen auch, Mr. Masen…“, antwortete sie schüchtern und ich sah noch einem Moment meinem Vater hinterher, wie er das Zimmer verließ.
„Danke für den Tee.. Er schmeckt wirklich vorzüglich…“, sagte Bella nach einigen Momenten der Stille und ich lächelte zufrieden.
Immerhin konnte ich ihr etwas Gutes tun.
Bevor ich jedoch zu einer Antwort ansetzen konnte, hörte ich bereits eilige Schritte auf der Treppe und ich wandte meinen Blick zu meiner Mutter herüber, die innerhalb von wenigen Sekunden vor uns zum stehen kam.
„Dein Zimmer ist fertig, ich habe alles bereit gelegt“, erklärte sie Bella und ich konnte es in ihren Augen lesen, dass ihr die ganze Situation ziemlich unangenehm war.
Aber so war Bella nun einmal. Sie stand nicht gerne im Mittelpunkt und es würde wahrscheinlich auch nie anders sein.
„Komm, ich zeige dir dein Zimmer…“ Behutsam legte ich meinen Arm an ihren und wartete geduldig, während sie vorsichtig die Tasse wieder auf den kleinen Tisch stellte.
„Vielen Dank.. Ich.. Ich weiß das wirklich sehr zu schätzen“, stotterte sie mit geröteten Wangen an meine Mutter gerichtet.
„Ruh dich aus und morgen sieht die Welt schon ganz anders aus“, versprach meine Mutter ihr und strich mit ihrer Hand behutsam über Bellas Arm.
Mit diesen Worten verabschiedete sich meine Mutter von uns und verschwand im Salon.
Lächelnd griff ich nach Bellas Hand und führte sie in das obere Stockwerk des Hauses.
Vor dem Gästezimmer blieb ich stehen und öffnete ihr die Tür mit meiner freien Hand.
„Ich hoffe, dass es dir so recht ist“, murmelte ich und beobachtete aufmerksam ihr Gesicht, während sie sich in dem Zimmer umsah.
Es war kein besonders großes Zimmer, aber für einige Nächte, in denen sie vielleicht hier bei mir blieb, würde es sicherlich reichen.
Bella nickte langsam und ließ ihren Blick über das riesige Bücherregal wandern.
„Du kannst dir gerne eines der Bücher nehmen, wenn du willst“, schlug ich ihr vor und hoffte innerlich, dass mein Monolog bald vorbei sein würde.
„Danke… Für alles, Edward…“ Sie drehte sich zu mir um und sah mir in die Augen.
„Du weißt, ich würde alles für dich tun“, sagte ich schlicht und lächelte, als ich dieses wundervolle Strahlen in ihren Augen entdeckte.
„Benötigst du sonst noch irgendetwas?“, fragte ich und hoffte, dass sie mir noch tausende von Dingen nennen würde und das nur, damit ich mehr Zeit mit ihr verbringe durfte.
Sie zögerte einen Moment und biss sich auf die Unterlippe, als müsste sie sich erst überwinden, mir ihre Wünsche mitzuteilen.
Ich wartete geduldig und versuchte sie möglichst zu nichts zu drängen.
„Könntest du vielleicht.. Nun ja.. Ähm.. Könntest du…“ Sie räusperte sich und wich meinem Blick aus.
„Würde es dir etwas ausmachen, wenn du bei mir bleibst?“, fragte sie vorsichtig.
„Bei dir bleiben?“
„Ja.. Ich meine, wenn du das möchtest… Ich würde heute nur ungern alleine bleiben“, erklärte sie mir und ihre Wangen färbten sich wieder rot.
„Natürlich, Liebste. Nichts lieber als das…“, versprach ich ihr und küsste mit einem Grinsen ihre Wange.
„D..Danke.. Ich benötige eine halbe Stunde Zeit…“, sagte sie hastig.
„Lass dir alle Zeit der Welt, Bella“, entgegnete ich grinsend und sie wandte sich schnell von mir ab und verschwand im Badezimmer.
Natürlich sollte sie sich lieber nicht alle Zeit der Welt lassen, denn ich könnte es sicherlich nicht mehr ohne sie an meiner Seite aushalten.
Für mich war es eine vollkommen neue Erfahrung, dass sich eine halbe Stunde wie ein ganzes Leben anfühlen konnte.
Ganze zehn Minuten hatte ich gebraucht, um mich umzuziehen und jetzt lief ich ungeduldig vor ihrem Zimmer auf und ab.
Ich war schon ziemlich erbärmlich aber jetzt in diesem Moment wusste ich wirklich nichts mit mir anzufangen.
Erleichtert atmete ich aus, als die halbe Stunde endlich vorbei war, doch ich zögerte noch einen Moment, bevor ich vorsichtig an ihre Tür klopfte.
„Darf ich herein kommen?“, fragte ich und sofort hörte ich ihre wundervolle Stimme aus dem Zimmer, die mich herein bat.
Möglichst leise schloss ich die Tür hinter mir und sah, wie sich Bella auf den Rand des Bettes setzte.
Ihre Haare waren noch nicht ganz getrocknet, aber mit ihren geröteten Wangen und dem Lächeln, mit dem sie mich empfang sah sie einfach wunderschön aus.
„Du solltest jetzt vielleicht am besten Schlafen gehen…“, murmelte ich und steuerte einen Schaukelstuhl an, der nicht weit entfernt von dem Bett stand.
„Ich möchte aber noch nicht schlafen“, entgegnete sie und ihre Lippen zeigten den leichten Ansatz eines Schmollens.
Ich seufzte leise, musste aber dennoch lächeln.
„Möchtest du dich nicht zu mir setzen?“, fragte sie und für einen kurzen Moment war ich verwundert darüber, wie leicht es ihr dieses Mal fiel, mir solch eine Frage zu stellen.
Ich zögerte nicht lange und steuerte das Bett an, auf dem sie saß.
Vorsichtig setzte ich mich darauf und lehnte mich zurück.
Bella drehte ihr Gesicht in meine Richtung und krabbelte dann schnell zu mir herüber.
Ihren Kopf lehnte sie an meine Brust und ich atmete tief ihren unwiderstehlichen Duft ein.
Meine Hand legte sich beinahe automatisch um sie und ich zog sie ein Stück näher zu mir heran und doch war es mir irgendwie immer noch nicht nah genug.
„Worüber denkst du nach?“, wollte ich von ihr wissen und strich mit meiner Hand eine Haarsträhne aus dem Gesicht.
Es hatte sich wieder diese kleine Vertiefung zwischen ihren Augenbrauen gebildet, was nur heißen konnte, dass sie gerade über etwas angestrengt nach dachte.
„Kannst du mir verzeihen?“, fragte sie und richtete ihren Blick auf.
„Verzeihen?“ Stirnrunzelnd sah ich in ihre tiefbraunen Augen und verstand nicht so recht, warum ich ihr überhaupt verzeihen sollte.
Sie hatte nichts unrechtes getan.
„Ich habe dich angelogen.. In diesem Brief…“, erinnerte sie mich und ich seufzte leise.
„Ach.. Davon sprichst du…“
Bella schien verwirrt über mein Lächeln zu sein, aber ich zwang mich dazu, wieder ernst zu werden.
Ich wusste ja bereits damals, dass sie das alles nur getan hatte weil sie glaubte, dass solch eine Liebe keinen Bestand hatte.
Jedoch gab es eindeutige Beweise dafür, dass so eine Verbindung sehr wohl möglich war.
„Bella… Wie könnte ich dir böse sein? Wie könnte ich dich jemals für etwas verurteilen, was du tust? Das was du getan hast… Du wolltest deine Eltern nicht verletzen und ich hätte diese Entscheidung auch akzeptiert…“, erklärte ich ihr.
Zumindest hätte ich sie akzeptieren müssen, denn mein Herz hätte es sicherlich nicht ausgehalten.
„Ich danke dir… Für so vieles…“ Sie hob ihren Kopf und ich versank für einen kurzen Moment in ihren Augen.
Ich wusste nicht, ob ich es mir nur einbildete, aber jetzt sah sie gleich schon ein wenig entspannter aus, als es vor einigen Stunden der Fall gewesen war.
Mein Blick fiel auf ihre wunderschönen, geschwungenen Lippen und ich beugte mein Gesicht zu ihr herunter.
Noch immer hielt ich sie behutsam fest, während meine Lippen auf ihre trafen und sie zufrieden seufzte.
Meine Hand legte sich beinahe schon selbstverständlich an ihre Wange und wanderte langsam zu ihrem Nacken herüber.
Ich liebte es, sie so nah bei mir zu haben und ich würde alles für sie tun.
Sie war die Frau, die ich eines Tages heiraten würde, da war ich mir mehr als nur sicher.
Ihre Hände fuhren an meiner Wange entlang, bis sie schließlich durch meine Haare fuhren.
Es war etwas vollkommen anderes, sie hier in diesem Bett und vor allem ausgeschlossen von der Öffentlichkeit zu küssen.
Hier gab es nur uns beide.
Niemand warf uns einen kritischen Blick zu oder begann aufgeregt zu tuscheln, sobald man sah, wie ich ihre Hand hielt.
Meine Hand wanderte an ihrem Arm entlang, doch ich stoppte sofort als ich an ihrer Taille angelangt war.
So weit wollte ich nun wirklich nicht gehen, aber es waren diese verwirrenden Gefühle in mir, die mich zu dieser Handlung getrieben hatten.
Als ich meine Augen öffnete, sah ich sie direkt vor mir.
Ihre Haare lagen ausgebreitet auf dem weißen Kopfkissen, ihre Wangen leicht gerötet und die Lippen verführerisch geöffnet.
„Ich liebe dich, Isabella!“, sagte ich und sie blinzelte, als könnte sie nicht wirklich glauben, dass ich diese Worte gerade zu ihr gesagt hatte.
Vorsichtig löste ich meine Hand von ihrer Taille und rückte ein Stück von ihr weg.
Eigentlich wollte ich sie damit nur beruhigen, doch es schien den Gegenteiligen Effekt zu haben.
„Es erscheint mir so abwegig, dass du mich liebst“, flüsterte sie so leise, dass ich beinahe Schwierigkeiten hatte, sie zu verstehen.
Ich nahm ihr Gesicht in meine Hände und verhinderte somit, dass sie meinem Blick ausweichen konnte.
„Bella.. Du bist die Frau, die mein Herz berührt und es wird auch niemals eine andere Frau geben, die ich lieben könnte, verstehst du das? Für mich bist du die Einzige!“
Um meine Worte noch zu unterstreichen, beugte ich mich ein weiteres Mal zu ihr und küsste sie sanft.
Es war ein wunderschönes Gefühl zu sehen, wie ihre Augen zu strahlen begannen und ein Lächeln zauberte sich auf ihre Lippen.
„Und ich liebe dich, Edward… Das ist schon seit einiger Zeit so…“, gestand sie leise und mit geröteten Wangen, wandte sie ihren Blick von meinem Gesicht ab.
„Ich liebe das…“, flüsterte ich mit einem Lächeln und strich mit meinem Zeigefinger über ihre Wangen.
„Ich finde es eher lästig…“, murmelte sie leise, konnte ein Lächeln aber dennoch nicht zurück halten.
Ich gab sie wieder frei, da ihr ein leises Gähnen entwich und wenige Sekunden später lag ihr Kopf wieder auf meiner Brust.
„Schlaf jetzt, Bella…“, flüsterte ich ihr ins Ohr und strich ihr behutsam über ihren Rücken.
„Edward…?“, murmelte sie nach einigen Minuten.
Ihre Stimme klang recht schläfrig und ich musste wieder Grinsen.
„Ja, Liebste?“
„Versprichst du mir etwas?“, nuschelte sie und ihre Hand klammerte sich an meinem Oberteil fest.
„Alles“, entgegnete ich schlicht und wartete darauf, dass sie fort fuhr.
Es dauerte einen Moment, bis ich ihre Stimme wieder hörte und im ersten Moment hatte ich schon vermutet, dass sie vielleicht eingeschlafen wäre, aber ich irrte mich.
„Bitte bleib bei mir…“, flüsterte sie.
„Natürlich werde ich das. Ich werde dich nicht verlassen oder dich alleine lassen“, versprach ich ihr hoch und heilig.
Wie könnte ich auch?
„Danke…“, sagte sie mit letzter Kraft und es dauerte nicht mehr lange, bis sie einschlief.
Wenn ich in diesem Moment gewusst hätte, dass ich mein Versprechen nicht halten könnte, dann hätten diese Worte meine Lippen sicherlich nicht verlassen.
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