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Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.

Freitag, 9. Juli 2010

Kapitel 12: Versöhnung

Edward POV

Eigentlich war es doch gar nicht so schwierig, Bella zu sagen was heute passiert war.
Ich sah es an ihrem Gesichtsausdruck, dass ich sie verunsicherte und genau das hatte ich doch eigentlich nicht gewollt.
Es war nicht einmal etwas Schlimmes, sondern eher etwas Gutes.
Ihre schokoladenbraunen Augen musterten mich ängstlich und ich griff nach ihrer Hand, um den Abstand zwischen uns zu verringern.
Sie wandte ihr Gesicht von meinem ab, doch meine Hand legte sich sogleich an ihr Kinn und mit einer sanften Bewegung hob ich ihr Gesicht wieder, damit sie mich ansah.
„Du hast es dir anders überlegt oder?“, flüsterte sie und ihrem Blick stand solch eine Traurigkeit geschrieben, dass es mir einen Stich in mein Herz versetzte.

„Anders überlegt? Bella, wovon sprichst du?“
„Das mit uns“, sagte sie und bei dem letzten Wort brach ihre Stimme.
„Um Gottes Willen, Bella… Nein, darum geht es nicht. Ich werde dich nicht verlassen. Nicht jetzt und auch nicht in einhundert Jahren“, versicherte ich ihr und legte meine Hand an ihre Wange.
„Aber.. Ich dachte…“ Sie biss sich auf ihre Unterlippe und schien noch immer nicht ganz beruhigt zu sein.
Wie hatte ich sie nur so verunsichern können?
Dabei wollte ich es doch nur schonend beibringen, dass ihre Mutter mich heute besucht hatte.
Immerhin wusste ich nicht, wie sie auf all das reagieren würde, schließlich war es noch nicht lange her.
„Denk das bitte nie wieder!“, sagte ich, während meine Hände an ihren Wangen lagen und meine Augen ihren Blick suchten.
„Dann verunsichere mich nicht“, entgegnete sie mit leiser Stimme und ich musste lächeln.
„Ich weiß… Es tut mir leid“, murmelte ich und mein Daumen strich an ihrer Wange entlang.
Immerhin entlockte das ihr ein klitzekleines Lächeln.
„Deine Mutter war heute bei mir.“
Aufmerksam begutachtete ich ihr Gesicht und konnte einen leichten Anflug von Panik entdecken.
Andererseits schien sie auch noch ein wenig wütend zu sein.
Ich wollte, dass sie den Streit mit ihrer Mutter behob, auch wenn das bedeutete, dass ich sie nicht mehr in meiner Nähe wissen konnte.
Zumindest würde ich wohl vorerst nicht mehr mit ihr in einem Bett schlafen können.

Der Gedanke machte mich traurig, aber Bella würde nun einmal nicht glücklich sein, wenn ihre Mutter und sie diese Meinungsverschiedenheit aus der Welt schaffen würden.
Und das war das Einzige was ich wollte.
Das meine Bella glücklich war.
„Was wollte sie von dir? Hat sie dich beschimpft?“, fragte Bella mit einem misstrauischen Gesichtsausdruck und ich musste lächeln.
„Nein, sie hat mich nicht beschimpft. Sie wollte nur mit mir reden.“
„Reden?“ Das Misstrauen war noch immer nicht aus ihrem wunderschönen Gesicht gewichen, aber ich konnte ihre Reaktion sehr gut verstehen.
„Sie hat sich bei mir entschuldigt und sie wollte wissen, ob es dir gut geht. Sie macht sich wirklich Sorgen um dich“, erklärte ich ihr und lächelte.
„Soso, tut sie das?“
Ich nahm meine Hände von ihrem Gesicht und ließ sie nach unten sinken.

„Ja, das tut sie wirklich, Liebes. Möchtest du es nicht in Erwägung ziehen, dich einmal mit ihr zu unterhalten?“ Ich musterte aufmerksam ihr Gesicht.
Sie schien einen kleinen inneren Kampf mit sich selbst auszutragen.
Ich wusste, dass sie sich so sehr wünschte, dass zwischen ihrer Mutter und ihr alles wieder geregelt wäre, aber andererseits war sie noch immer wütend.
„Wenn du nicht alleine dort hin gehen möchtest, begleite ich dich natürlich sehr gerne“, schlug ich vor und ihr Blick richtete sich auf.
„Denkst du, sie wird sich ändern?“, fragte Bella und ich konnte deutlich die Traurigkeit in ihrer Stimme hören.
„Du bist ihre einzige Tochter Isabella und sie liebt dich von ganzem Herzen. Sie wollte immer nur das Beste für dich, auch wenn ihre Absichten manchmal vielleicht ein wenig fragwürdig waren. Sie wird es sicherlich verstehen, aber es benötigt dessen ein wenig Zeit“, erklärte ich ihr mit ruhiger Stimme und sie seufzte leise.
„Und du bleibst bei mir, ja?“, fragte sie noch einmal und sah mich mit großen Augen an.
„Gewiss werde ich das“, versicherte ich ihr mit einem Lächeln und sie atmete erleichtert aus.
Am späten Nachmittag begleitete ich Bella schließlich nach Hause.
Mit jedem weiteren Schritt, den wir ihrem Haus näher kamen, wurde sie langsamer und ich spürte, wie sie sich leicht ängstlich an meinen Arm klammerte.
In ihrem wunderschönen Gesicht war kein bisschen Angst zu sehen, aber dennoch konnte ich sie spüren.
Wahrscheinlich würde sie auch nicht einmal zugeben, dass sie Angst hatte.

Ihre Augen musterten aufmerksam die Fassade des Hauses der Swans und als wir schließlich vor dem Laden zum stehen kamen, warf sie einen Blick durch das riesengroße Schaufenster.
Ihre Mutter stand neben Angela an der Kasse und nur wenige Sekunden später richtete sich ihr Blick auf.
Sie schien erleichtert zu sein, dass Bella sich doch noch dazu hatte überreden lassen.
Ich schenkte meiner Freundin ein aufmunterndes Lächeln und öffnete ihr die Tür.
Bella zögerte noch einen kurzen Moment, bevor sie schließlich noch einmal tief durchatmete und den Laden ihrer Eltern betrat.
Ich folgte ihr auf dem Weg zu ihrer Mutter, doch hielt ich mit weitgehend im Hintergrund, denn es war ihre Angelegenheit, bei der ich eigentlich gar nichts zu suchen hatte.
"Isabella, Liebes!" Ihre Mutter kam einige Schritte auf sie zu, ihre Arme ausgestreckt, doch schnell ließ sie diese wieder sinken und beschränkte sich stattdessen eher auf ein zurückhaltendes Lächeln. "Hallo Mutter..." Bellas Stimme klang distanziert. Natürlich war sie immer noch sauer und wenn man genauer darüber nachdachte, dann konnte man sie auch verstehen.
Jedoch war Renée ihre Mutter und es lag nun einmal in ihrer Natur, sich Sorgen um ihre Tochter zu machen.

"Hallo Edward", sagte sie schließlich und wandte sich mit einem leichten Lächeln auf den Lippen an mich.
"Hallo Renée", erwiderte ich freundlich und sah zu Bella herüber, die mir einen vollkommen verwirrten Blick zuwarf.

Sie öffnete ihren Mund, schloss ihn dann aber gleich wieder und schwieg.
Natürlich musste sie auch diese Situation hier verwirren, aber Renée hatte eingesehen, dass ihr Verhalten nun einmal nicht richtig war und jetzt wollte sie sich bei ihrer Tochter entschuldigen.
"Du wolltest mich sprechen", sagte Bella schließlich nach einer längeren Pause und sah ihre Mutter erwartungsvoll an.
"Ja, ich wollte mich gerne bei dir entschuldigen", erklärte sie und ich räusperte mich leise.

"Ich lasse euch beide dann einmal alleine."
Bella warf mir einen leicht geschockten Blick zu und Renée schüttelte mit ihrem Kopf.
"Nein, bleib doch bitte, Edward. Wir hatten heute ein sehr klärendes Gespräch und ich weiß, dass du zu ihr gehörst. Deswegen fände ich es schön, wenn du auch dabei wärst", erklärte sie schließlich und ich nickte lächelnd.
Bella war für ein paar geschlagene Sekunden wirklich sprachlos und starrte abwechselnd mich und dann ihre Mutter an.
"Bella, Liebes." Renée bekam sofort wieder die Aufmerksamkeit ihrer Tochter und Bella wartete geduldig darauf, dass sie mit dem Gespräch fort fahren würde.
"Es tut mir wirklich leid. Ich habe mich wirklich schlecht verhalten und war nicht in dieser Zeit für dich da. Ich weiß nicht einmal genau, warum ich so gegen Edward war.
Vielleicht lag es auch einfach daran, dass ich gehofft habe, du würdest dich am Ende noch eines Tages für Mike entscheiden.
Aber jetzt weiß ich, dass er auch nicht der Richtige für dich sein kann. Edward hat mir erzählt, was vorgefallen ist", erklärte sie ihrer Tochter und Bella senkte sofort ihren Blick.
Ja, Mike hatte gegen ihren Willen gehandelt und das war eigentlich alles andere als entschuldbar, doch so wie ich meine Bella kannte, würde sie auch ihm eines Tages verzeihen.
Sie war einfach viel zu gutmütig.

"Aber Edward", fuhr Renée schließlich fort und Bella zuckte kurz erschrocken zusammen. Anscheinend hatte sie gerade an diesen erzwungenen Kuss gedacht und war nun aus ihren Erinnerungen heraus gerissen worden.
"Ehrlich gesagt ist es wundervoll mit anzusehen, wie sehr er dich liebt.
Man muss ihn nur ansehen, in seine Augen blicken und man sieht die tiefe Liebe für dich darin.
Es ist mir heute unverständlich, wie ich das übersehen konnte, aber ich habe mich an meinen Vorstellungen und Wünschen festgeklammert und deine dabei völlig außer Acht gelassen.
Es tut mir wirklich leid. Kannst du mir noch einmal verzeihen?", fragte Renée und pure Ehrlichkeit lag in ihrer Stimme.

Bella zögerte einen Moment lang und knabberte auf ihrer Unterlippe herum.
Sie würde die Entschuldigung annehmen, dass wusste ich bereits und ich freute mich, dass Bella und ihre Mutter sich wieder verstehen würden.
Auch wenn das bedeutete, dass Bella jetzt fortan wieder bei ihren Eltern wohnen würde.
"Gut... Ich verzeihe dir", sagte sie schließlich nach einer längeren Pause und Renée strahlte.
Es würde sicherlich noch ein wenig dauern, bis Bella wieder das nötige Vertrauen aufbringen könnte, aber mit der Zeit würde sich dieses Problem sicherlich auch noch lösen.

"Oh.." Renée stürzte sich regelrecht auf Bella und schloss ihre Tochter in ihre Arme.
Man konnte sie deutlich schluchzen hören und Bella tätschelte sanft ihren Rücken, um sie ein wenig zu beruhigen.
Es mussten einige Minuten sein, in denen die beiden dort standen und sich einfach nur umarmten.
Es war schön mit anzusehen, dass die beiden sich wieder vertragen hatten.
"Ich werde gleich deinem Vater Bescheid sagen.. Du.. Du kommst doch wieder zurück, oder?"
Bella seufzte leise und warf mir einen kurzen Blick über ihre Schulter zu.
"Ich werde morgen früh wieder hier sein, wenn es dir recht ist", sagte sie leise zu ihrer Mutter.
"Gewiss doch, mein Kind. Oh, ich bin so erleichtert." Renée küsste Bellas Wange und wandte sich dann augenblicklich an mich.
Ihre Hände umschlossen meine und sie strahlte mich überglücklich an.
"Ich danke dir, Edward. Ohne dich wäre sie sicherlich nicht dazu bereit gewesen, sich mit mir noch einmal zu unterhalten."
"Das ist doch selbstverständlich", erwiderte ich schlicht.
Insgeheim freute ich mich gerade unheimlich darüber, dass Bella nicht sofort wieder unser Haus verlassen würde.
"Ich werde euch beiden morgen etwas Schönes kochen, wenn es euch recht ist", fügte Renée noch hinzu.
Sie war noch immer ganz aus dem Häuschen und während sich Bella und ihre Mutter noch ein wenig unterhielten, hielt ich mich vorerst wieder im Hintergrund.

20 Minuten später spürte ich, wie jemand nach meiner Hand griff und entdeckte Bella neben mir.
Sie sah ein wenig unsicher aus und ich runzelte verwundert die Stirn.
"Es macht dir doch nichts aus, dass ich heute noch bei dir bleibe, oder?"
Unwillkürlich musste ich lachen, stoppte mich aber schnell wieder, als sie von Sekunde zu Sekunde nur noch verunsicherter aussah.
"Nichts liegt mir ferner, als dich bei mir zu wissen", versicherte ich ihr mit einem strahlenden Lächeln, während ich ihr die Tür öffnete und wir den Laden verließen, nachdem wir uns von ihrer Mutter verabschiedet hatten.
"Das ist schön zu hören", flüsterte sie leise neben mir und drückte meine Hand leicht.
"Es ist nur die Wahrheit", entgegnete ich lächelnd und so langsam konnte ich meine Freude darüber, dass Bella die Nacht noch bei mir verbringen würde, nicht mehr unterdrücken.
Am liebsten hätte ich sie immer in meiner Nähe gehabt, aber das konnte noch ein wenig warten.
Schließlich hatten wir ja noch unser ganzes Leben lang Zeit.

1 Kommentar:

  1. hammer schön geschrieben mach weiter so danke dafür das ich es lesen durfte .

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