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Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.

Donnerstag, 29. April 2010

Kapitel 7: Die richtige Entscheidung?

Bella POV

Als ich am nächsten Morgen erwachte, fühlte sich mein Kopf an, als wären 20 Pferde darauf herumgetrampelt und ich stöhnte leise.
Dieses Dröhnen wollte einfach nicht verschwinden und so langsam wie es mir möglich war, richtete ich mich in meinem Bett auf.
Sorgen musste ich mir keine machen, denn Dr. Cullen hatte mir versichert, dass meine Verletzungen nicht weiter schlimm seien und ich hatte weiß Gott schon schlimmere Dinge erlebt.
Ein wenig verwundert sah ich mich in meinem Zimmer um. Mein Blick blieb dabei an meinem Spiegelbild in dem riesig großen Spiegel gegenüber dem Bett hängen.
Ich lag in meinem Bett, trug mein Nachthemd und konnte mich absolut nicht daran erinnern, wie ich hier hingekommen war.
Vorsichtig fuhr ich mit meinen Fingerspitzen über meine verletzte Wange.
Der lange Schnitt sah schon nicht mehr so schlimm aus, wie am vorherigen Abend und meinem Hinterkopf schien es auch ein wenig besser zu gehen.
Doch als erstes wollte ich jetzt erst einmal ein Bad nehmen.
Bevor ich schließlich im Badezimmer verschwand, warf ich noch einen Blick in den Kleiderschrank.
Das Kleid, welches mir Edward geschenkt hatte lag wohl behütet über einem Stuhl und ich entschied mich heute für ein schlichteres Kleid in rot.

Während ich leise seufzend in der Badewanne verweilte, dachte über den gestrigen Abend nach.
Schon jetzt graute es mir vor der Konfrontation mit meiner Mutter.
Nachdem ich fertig mit baden war, mein Kleid angezogen und die Haare zu einem lockeren Pferdeschwanz gebunden hatte, ging ich herunter ins Wohnzimmer.
Ich bewegte mich vorsichtig und bedacht um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen.
Wie würden meine Eltern wohl auf das Ganze reagieren?

Meine Schuhe hinterließen einen leisen, klackenden Ton auf dem Boden und ich sah mit einem vorsichtigen Blick in unsere Küche.
Als erstes entdeckte ich meinen Vater, dessen besorgter Gesichtsausdruck mir einen Schlag in die Magengegend verpasste.
Ich war wirklich eine treulose Tochter.
Meine Eltern taten alles für mich und ich brachte mich des Öfteren immer wieder selbst in Schwierigkeiten.
Der Blick meiner Mutter richtete sich auf und ihr Gesichtsausdruck blieb kühl, auch wenn ich eine Spur von Besorgnis darin erkennen konnte.
„Guten Morgen“, flüsterte ich mit zitternder und unsicherer Stimme.
„Isabella Marie Swan!“ Der scharfe Ton in der Stimme meiner Mutter ließ mich zusammen zucken.
Mein Vater sagte kein einziges Wort und sah mich nur weiterhin mit diesem sorgenvoll verzerrten Gesichtsausdruck an.
„Mutter, es tut mir wirklich leid“, erklärte ich und sah sie dabei bittend an.
Ich hatte einen Fehler gemacht und ich wäre sicherlich nicht noch einmal so töricht.
„Weißt du eigentlich, was wir beide gedacht haben, als Mr. Masen hier mit dir in seinen Armen bei uns aufgetaucht ist?? Er hat uns alles erzählt, also beschönige ja nichts!“, drohte sie mir und ihre Stimme erhob sich mit jedem Wort.
Beschämt sah ich zu Boden und wagte es nicht ihr zu antworten.

„Ich will gar nicht daran denken, was passiert wäre, wenn Mr. Masen dich nicht gefunden hätte! Was tust du überhaupt zu so später Stunde in den Straßen von Chicago? So habe ich dich sicherlich nicht erzogen, mein Fräulein! Was hast du dir dabei nur gedacht?“ Sie stemmte ihre Hände in ihre Hüften und funkelte mich wütend an.
Natürlich sprach da auch eine Gewisse Sorge aus ihr heraus, aber in diesem Moment dominierte deutlich die Wut ihre Stimmungslage.
„Ich habe dir eine Frage gestellt, Isabella!“
Ich zögerte einen Moment und suchte in meinen Gedanken nach einer passenden Erklärung.
„Nun, ich habe den Tag mit Edward verbracht und dabei habe ich einfach die Zeit vergessen. Es war schon spät, als er mich zu Michael begleitet hat und die Dämmerung hatte auch schon eingesetzt. Edward wollte noch seinem Vater helfen, also ist er wieder gegangen. Michael hat mir jedoch gesagt, dass es viel zu spät sei und ich lieber den Weg nach Hause antreten sollte. Er wollte mich begleiten, aber ich wollte ihm nicht zur Last fallen.. Nur für diesen kurzen Weg…“
Einige Minuten lang starrte meine Mutter mich fassungslos an.
Ihr Gesichtsausdruck veränderte sich zu einer erstarrten Maske und ich konnte keine einzige Gefühlsregung mehr in ihrem Gesicht erkennen, was mich unheimlich nervös machte.
Unruhig bewegte ich mich von einem Fleck auf den anderen und wartete auf eine Antwort.

„Du willst mir also allen Ernstes sagen, dass du den ganzen Tag mit einem Mann verbracht hast, der sich weit über unseren gesellschaftlichen Stand befindet? Das du mit ihm unterwegs warst bis es dunkel wurde? Und das du ihm dann auch noch erzählt hast, dass du einen Freund besuchen möchtest? Zu einer unmöglichen Zeit?“
Auf alle diese Fragen erwartete sie eine Antwort.
Erst jetzt viel mir auf, was das wohl für einen Eindruck hinterlassen hatte.
„Ja“, antwortete ich kleinlaut und sah mit geröteten Wangen zu Boden.
Was war nur in mich gefahren, dass ich mich so daneben benahm?
Meine Mutter murmelte einige unverständliche Sachen und wandte sich dann wieder an mich.

„Isabella, du weißt ganz genau, dass unser gesellschaftlicher Stand nicht der Beste ist und dann muss ich noch erfahren, dass du solche Dinge tust.
Was sollen denn die Leute von dir denken?
Was sollen die Newtons von dir denken?
Und oh Gott steh mir bei… was bitte sollen die Masens von dir denken?
Du verschwendest deine Gedanken viel zu sehr an diesen jungen Mann.
Du solltest doch eigentlich am Besten wissen, dass er sich niemals wirklich für dich interessieren wird. So eine „Beziehung“ kann doch erst gar nicht funktionieren. Du solltest dich nicht mehr mit ihm treffen.“
Meine Mutter hatte mit jedem Wort, dass sie sagte Recht und ich wusste das.
Ich konnte es ihr auch nicht verübeln, dass sie sauer auf mich war.
So lange hatte sie darauf hingearbeitet, dass unser Ansehen ein wenig stieg und ich war drauf und dran das alles an einem einzigen Abend zu zerstören.
Ich erinnerte mich an den Blick von Jessica Stanley oder an den der Krankenschwester.
Das war genau die Reaktion, vor die sich meine Mutter immer fürchtete.

Ihre Tochter in Ungnade gefallen und jeder in der Stadt würde darüber reden.
Das sie sich an den jungen Mr. Masen vergreifen würde.
Ich erschauderte bei dem Gedanken. Das konnte ich meiner Familie einfach nicht antun.
Ich war bei weitem nicht einmal ansatzweise gut genug für Edward Anthony Masen.
„Ich kann verstehen, was du meinst. Ich werde mich nicht mehr mit ihm treffen.
Das verspreche ich dir.
Ich weiß selber nicht, was da in mich gefahren ist. Wahrscheinlich war ich einfach nur durcheinander, bitte verzeih…“ Ich warf meiner Mutter und auch meinem Vater einen entschuldigenden Blick zu.
Es schien so, als wollte meine Mutter etwas darauf erwidern, aber mein Vater erhob sich von seinem Stuhl und sie schwieg.
Mit langsamen Schritten kam er auf mich zu und legte seine Arme um mich.
„Liebes, wir verzeihen dir. Wie ich sehe, hast du deinen Fehler eingesehen und es wird nicht wieder vorkommen, sehe ich das richtig?“
Ich nickte hastig und sah dann zu meinem Vater hoch.
„Du solltest jetzt zum Markt gehen, wenn du dich dazu in der Lage fühlst.
Es ist schon recht spät, aber noch nicht zu spät. Michael wird bestimmt auch dort sein“, erklärte er und ich nickte gehorsam.
Das war das Beste, was ich jetzt tun konnte.
Mich wieder meinem normalen Leben widmen und die Gedanken an Edward aus meinem Gedächtnis zu verbannen.

Ich griff nach dem Korb und dem Geldbeutel und machte mich sofort auf den Weg.
Den ganzen Weg über dachte ich über das nach, was ich getan hatte.
Trotzdem ich so gedankenverloren die Straße entlang lief, entgingen mir nicht die Blicke der Leute, die mir auf Schritt und Tritt folgten.
Natürlich wusste es jetzt bereits jeder.
Ich sah es an ihren Blick und auch wenn es mir schwer fiel, so versuchte ich doch, diese Blicke einfach zu ignorieren.
Als ich nach einigen Minuten den Markt erreichte, entdeckte ich Mike, der an einer Steinwand lehnte und sich ungeduldig umsah.
Wahrscheinlich hatte er sich schon unheimliche Sorgen gemacht.

„Hallo Mike“, sagte ich mit einem schüchternen Lächeln und stellte mich zu ihm.
„Um Gottes Willen, Bella! Dir geht es gut. Ich habe mir solche Vorwürfe gemacht. Wie konnte ich dich nur alleine gehen lassen?“ Er legte seine Hand behutsam an meinen Arm und sein verängstigter Gesichtsausdruck bereitete mir nur noch mehr Schuldgefühle.
„Es tut mir leid. Du hast davon gehört?“
Es kam mir irgendwie sinnlos vor, diese Frage zu stellen.
Ganz Chicago wusste doch jetzt schon davon.
„Natürlich. Du warst im Krankenhaus. Bist du schlimm verletzt?“ Er legte seine Hand an meine Wange, genauso wie es am Abend zuvor Edward getan hatte.
Schnell verbannte ich diese Gedanken wieder aus meinem Kopf und konzentrierte mich auf Mike.
„Nein. Es tut auch nicht mehr weh“, log ich, denn schon alleine diese zarte Berührung ließ mich kurz zusammen zucken.
Das Dröhnen in meinem Kopf versuchte ich einfach so gut es ging zu ignorieren.
„Es tut mir so leid, Bella“, sagte er noch einmal und ich schüttelte schnell den Kopf.
„Wenn hier jemanden die Schuld trifft, dann wohl mich…“
Mike antwortete nicht und ich wusste genau, dass er immer jegliche Schuld auf sich nahm, nur damit ich gut dastand.
Wahrscheinlich würde er es auch diesmal wieder tun, doch ich wagte erst gar nicht ihn danach zu fragen.

„Zum Glück war er noch rechtzeitig da.“
Ich runzelte verwundert die Stirn über Mikes wütenden Gesichtsausdruck.
Seine Mimik stand in völligem Gegensatz zu seinen Worten.
„Du meinst Edward…?“, hakte ich noch einmal nach.
„Ja. Wenn der Kerl so heißt“, murmelte Mike und dann veränderte sich sein Gesichtsausdruck plötzlich.
Er strahlte.
„Was ist?“, fragte ich leicht verwirrt, während wir losgingen, damit ich meine heutigen Einkäufe noch erledigen konnte.
„Ich möchte das, was gestern passiert ist gerne wieder gut machen. Würde es dir etwas ausmachen, wenn ich dich heute zum Essen ausführe?“ Sein Lächeln war so strahlend, wie ich es noch nie zuvor in meinem Leben gesehen hatte.
Ich verstand seine plötzlich wechselnde Laune nicht und starrte ihn noch immer verwirrt an.
„Nun.. Gewiss, gern würde ich das… Aber nach meiner Tat gestern glaube ich nicht, dass mir meine Eltern gestatten, dass ich wieder ausgehe“, gestand ich leise und sah ihn entschuldigend an.
„Ich werde einmal mit ihnen reden, wenn es dir nichts ausmacht. Vielleicht kann ich sie ja überzeugen. Natürlich möchte ich dich zu nichts zwingen“, erklärte er schnell und lächelte jetzt zurückhaltender.
„Du kannst es gerne einmal probieren. Wir gehen doch schließlich öfters zusammen weg. Das macht mir nichts aus.“
Etwas an meiner Aussage schien Mike nicht zu gefallen, doch er versuchte sich nichts anmerken zu lassen.
„Gut. Dann erledigen wir noch deine Einkäufe und ich begleite dich nach Hause.“
Ich nickte und war froh, dass ich den ganzen Leuten zusammen mit Mike begegnen konnte.

Komischerweise reagierten die Leute auf uns vollkommen anders.
Vielleicht lag es an der Tatsache, dass Mike und ich uns schon kannten, seitdem wir Kinder waren.
Ich konnte es mir nicht erklären, aber ich dachte auch nicht länger darüber nach.
Wir erledigten meine Einkäufe und Mike brachte mich wie versprochen nach Hause.
Ich lauschte dem Gespräch von Mike und meinen Eltern, während ich die frische Ware im Laden verstaute.
Verwunderlicherweise reagierten meine Eltern überhaupt nicht sauer.
Obwohl Mike mich nicht am Abend zuvor mit nach Hause begleitet hatte, aber das war ja auch meine Schuld gewesen.
Ich hörte meine Mutter sogar lachen.
Mike kam schließlich wieder aus unserer Küche und gesellte sich zu mir.
„Ich darf dich heute Abend ausführen“, erklärte er mir mit einem triumphierenden Lächeln und ich starrte ihn ehrfürchtig an.
„Du solltest einen Preis dafür bekommen“, scherzte ich und warf ihm noch immer einen verwunderten Blick zu.
„Ich werde dich dann um 6 Uhr abholen und ich habe deinen Eltern versprochen, dass ich dich wieder pünktlich hier zu Hause abliefere.“ Er gab mir noch einen Kuss auf die Wange und verschwand fröhlich lächelnd aus unserem Laden.
Einige Zeit lang starrte ich ihm verwundert hinterher, dann wanderten meine Gedanken wieder hinüber zu Edward.
Dieses Lächeln kam mir bekannt vor.
Doch es schien mir nicht so schön zu sein, wie das meines Retters.
Plötzlich fiel es mir wieder ein.

Ich hatte mich zwar schon bei Edward bedankt, aber trotzdem war ich ihm doch eine kleine Erklärung schuldig.
Ich würde es ihm jedoch nicht einfach so sagen können.
Wenn ich ihm gegenüber stand und in seine grünen Augen sah… Wie konnte ich da noch klar denken?
Ich hatte keine andere Wahl.
Es war das einzig richtige, was ich jetzt noch tun konnte.
Ich verstaute die restliche Ware im Regal und entschuldigte mich für einige Zeit bei meinen Eltern, bevor ich in mein Zimmer ging.
In meiner kleinen Kommode suchte ich nach geeignetem Papier und einem Stift.
Seufzend ließ ich mich auf den Stuhl fallen und breitete das Blatt Papier vor mir aus.
Es dauerte einige Zeit, bis ich den Stift ansetzte und zu schreiben begann.

„Edward,

ich wollte dir dafür danken, dass du mir gestern das Leben gerettet hast.
So ein kleiner Brief wird meinen Dank nicht in Worte fassen können, aber es muss genügen. Für jetzt.

Ich habe lange über das nachgedacht, was passiert ist und letztendlich habe ich beschlossen, dass es einfach nicht richtig ist.
Es tut mir leid, dir das sagen zu müssen, aber wir hätten uns nicht treffen dürfen.
Meine Gefühle, die ich für dich hege sind nicht stark genug und wahrscheinlich wirst du nie so für mich empfinden.
Du kannst es nicht leugnen, dass es so etwas wie unsere Beziehung einfach nicht geben darf.

Jedenfalls war ich froh, deine Bekanntschaft gemacht zu haben.
Es tut mir leid aber unsere Wege sollten sich hier wieder trennen.
Ich wünsche dir noch ein schönes Leben und hoffe, dass du all das erreichst, was du dir wünschst.

Isabella“


Ich las mir den Brief noch einmal durch und versuchte die Tränen zurückzuhalten, die sich anzukündigen schienen.
Diese Lüge musste reichen. Sowohl für mich als auch für ihn.
Das war das, was ich wirklich fühlte, so versuchte ich es mir zumindest einzureden.
So war es richtig und so sollte es auch sein.
Es wäre besser so.
So eine Beziehung würde auch nie im Leben funktionieren und es wäre besser, wenn alles so bleiben würde wie es war.
Edward lebte in seiner Welt und ich in meiner.
Sorgsam faltete ich den Brief und steckte ihn in einen Umschlag.
Mit möglichst ordentlicher Schrift beschriftete ich den Briefumschlag mit Edwards Adresse und brachte ihn zum Postamt.
Es wäre leichter, den Brief einfach bei ihm zu Hause einzuwerfen, aber ich wollte ihm nicht noch einmal begegnen.
Das würde meine Entscheidung nur noch mehr ins Wanken bringen.
Es wäre besser, wenn ich ihn nie wieder sehen würde.

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