Inhalt

Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.

Donnerstag, 29. April 2010

Kapitel 2: Eine Begegnung, die dein Leben auf den Kopf stellt

Bella POV

Den ganzen Tag lang verbrachte ich an der Kasse unseres Ladens.
Diese Arbeit langweilte mich nicht, denn ich hatte jeden Tag mit den unterschiedlichsten Menschen zu tun und außerdem dachte ich nicht so viel über meine Sorgen nach.
Am späten Nachmittag trat ein Mann in unseren Laden und ich errötete augenblicklich, als er mir nach seinem Einkauf eine Rose schenkte.
Ich kannte ihn nicht und hatte ihn auch noch nie zuvor in meinem Leben gesehen.
Stotternd bedankte ich mich, als er sich mit einem Lächeln und einem Handkuss von mir verabschiedete.
„Du verdrehst den ganzen Männern in der Stadt noch den Kopf“, kicherte meine Freundin Angela, die an manchen Tagen bei uns aushalf.
„Das denke ich eher nicht“, antwortete ich kopfschüttelnd und sah dem Mann hinterher, der gerade den Laden verließ.
Wahrscheinlich würde ich ihn niemals wieder sehen.
Leise seufzend legte ich die Rose auf den Tresen und starrte die blutroten Blätter an.
Das einzige was ich war, war vollkommen durchschnittlich.
Es störte mich nicht.
Manchmal verschwand ich gerne in der Menge und blieb lieber unbemerkt, als im Mittelpunkt zu stehen.

Angela wollte gerade etwas auf meine Antwort erwidern, als ich einen Blick auf die Uhr warf und erschrocken die Luft anhielt.
„Oh, Himmel… Ich komme noch zu spät!“ Hektisch entfernte die Schürze von meinem Kleid und warf sie in Angelas Richtung.
Doch ich konnte sie jetzt auch nicht einfach so hier alleine lassen, also hielt ich inne und wollte ihr schon wieder die Schürze aus der Hand nehmen.
Der Laden war nun einmal wichtiger.
„Keine Sorge, Isabella. Ich erledige die restlichen Arbeiten schon. Geh du ruhig und erfreue dich an den reichen Menschen dieser wunderbaren Stadt.“ Angela verbeugte sich leicht vor mir und machte einen kleinen Knicks.
„Danke.“ Ich umarmte meine beste Freundin und schenkte ihr ein dankbares Lächeln.
„Und bestell Mike einen lieben Gruß von mir“, rief sie in meine Richtung, als ich nach einer weißen Strickjacke griff und aus der Tür stürmte.
„Gewiss, werde ich das. Ich danke dir, Angela!“ Mit einem strahlenden Lächeln ließ ich die Tür ins Schloss fallen und winkte ihr noch einmal, bevor ich die Straße entlang lief.
Ich fror ziemlich schnell und die Abende waren noch recht kühl, also schien es nicht verkehrt zu sein, dass ich die Jacke mitgenommen hatte.
Mike kam mir bereits nach wenigen Schritten entgegen und er schüttelte tadelnd den Kopf.
„Wo warst du nur wieder mit deinen Gedanken, Bella? Ich habe dir doch gesagt, dass ich dich um 8 Uhr vor deiner Tür abholen werde.“ Mikes strahlendes Grinsen würde ich überall wieder erkennen und ich seufzte leise.
Er hatte wirklich recht, ich hatte es schon wieder vollkommen vergessen.
Manchmal überschlugen sich meine Gedanken einfach und daran konnte ich auch nichts ändern.
„Wir sind ja auch noch praktisch vor meiner Tür…“ Lächelnd deutete ich die Straße entlang in die Richtung unseres Ladens.
Mike lachte leise und verkniff sich dann jeglichen weiteren Kommentar.
„Du wirst dich nie ändern“, bemerkte er lächelnd, als er einen Blick auf meine Strickjacke warf und legte schützend einen Arm um mich.
„Das finde ich auch gut so“, erwiderte ich und rieb mit meinen Händen leicht über meine Oberarme.
Mike stimmte mir lächelnd zu und zusammen setzten wir unseren kleinen Spaziergang fort.

Der Weg war länger, als ich es vermutet hatte und meine Füße schmerzten, als ich von weitem diesen prächtigen Garten entdecken konnte.
Die Villa hatte einen makellosen, weißen Anstrich und das helle Licht, welches aus den Fenstern schien erhellte beinahe die ganze Straße.
„Dann wollen wir uns doch mal an die Arbeit machen“, bemerkte ich leise, als ich Mrs. Matthews schon aufgeregt in unsere Richtung winken sah.
Ehrfurchtsvoll warf ich einen Blick auf das Schild, welches sich an der Hauswand befand.
In einer wunderschönen Schrift erkannte ich den Namen „Masen“ und ich wusste, dass diese Familie zu einer der einflussreichsten hier in der Gegend gehörte.
Jedoch hatte ich sie noch nie gesehen, aber das würde sich ja heute ändern.
Mrs. Matthews scheuchte uns ins Haus und murmelte einige unverständliche Worte.
Wir wussten selber, dass wir etwas zu spät waren und Mike entschuldigte sich bei ihr.
Mrs. Matthews warf einen Blick auf mein Kleid.
„Gut, Miss Swan. Sie brauchen sich heute nicht umzuziehen. Sie besitzen bereits die passende Garderobe.“
Ich verstand nicht so recht was sie mir damit sagen wollte, aber als ich die Küche betrat wusste ich, worauf sie hinauswollte.
Die restlichen weiblichen Kellnerinnen trugen ebenfalls blaue Kleider.
Ich griff nach einer Schürze, die mir Mrs. Matthews reichte und band sie mir um.
Natürlich, schließlich sollte man uns ja auch von den besseren Leuten unterscheiden können.

Mrs. Matthews drückte mir ein Tablett mit Champagner in die Hand und scheuchte mich mit einer schnellen Bewegung nach draußen.
Anscheinend waren wir wirklich viel zu spät gekommen und jetzt brach sie wieder mal in Panik aus.
Ich seufzte leise und begab mich dann mit einem strahlenden Lächeln zu einer kleinen Gruppe von Personen.
„Darf ich Ihnen ein Glas Champagner anbieten, meine Herren?“, fragte ich höflich und reichte das Tablett leicht in ihre Richtung.
Den gleichen Spruch durfte ich in den nächsten dreißig Minuten noch einige Male aufsagen und seufzend stellte ich mich letztendlich neben Mike, der im Flur an der Wand lehnte.
„Wie ich sehe arbeitest du hart…“, neckte ich ihn, nahm das Tablett in beide Hände und verschränkte es vor meiner Brust.
„Keine Sorge, ich habe ebenso die Leute bedient wie du. Nur bin ich nicht so langsam, wie du es manchmal zu sein pflegst“, erklärte er grinsend und nahm mir das Tablett ab.
„Ihr sollt nicht trödeln“, zischte Mrs. Matthews und deutete in die Küche.
Es war nun Zeit, dass Buffet anzurichten.
Ohne genau hinzusehen, griff ich nach einem Tablett und lief mit den anderen Bediensteten zum großen Tisch im Esszimmer.
Und dieser Tisch war wirklich groß. Wahrscheinlich um einiges größer als unser Wohnzimmer.
Auch dieses Zimmer konnte man nicht wirklich als Zimmer bezeichnen.
Es war eher ein Saal.
Gedankenverloren platzierte ich die Speisen gekonnt auf den für sie vorgesehen Platz.
Nachdem ich alles richtig arrangiert hatte, lächelte ich zufrieden, griff nach dem Tablett und drehte mich mit einer schnellen Bewegung um. Schließlich gab es in der Küche noch mehr zu tun.
Doch eigentlich hätte ich es ahnen müssen.
An diesem Abend waren bereits viel zu viele Dinge gut gegangen und es musste ja wohl oder übel ein Unglück passieren, in dem ich natürlich wieder einmal die Hauptrolle spielte.

Ohne genau auf meinen Weg zu achten, stieß ich gegen eine Person und taumelte leicht zurück.
Etwas kaltes und prickelndes lief an meinem Hals herunter und ich spürte, wie das Getränk den Stoff meines Kleides durchweichte.
Ich erschrak so fürchterlich, dass ich einige Schritte nach hinten stolperte und verzweifelt versuchte ich irgendwo halt zu finden.
Unglücklichweise war es das Tischtuch, an dem ich mich letztendlich festhielt und es zu Boden zog.
Innerlich bereitete ich mich schon auf den Aufprall mit dem Boden vor, doch zwei starke Hände legten sich um meine Taille und verhinderten somit, dass ich Bekanntschaft mit dem Boden machte.

Erschrocken zuckte ich bei dem darauf folgenden Geräusch zusammen. Die gesamte Tischdekoration und das Essen hatte sich auf dem Boden verteilt.
Leise jammernd sah ich an meinem Kleid herunter.
Ein langer Fleck zog sich direkt von meiner Brust entlang bis nach unten und am liebsten hätte ich geschrieen.
Doch ich hatte wahrhaftig schon genug Aufmerksamkeit erregt.
Alle Blicke im Raum waren auf mich fixiert.
Wie erwartet rümpften einige der Anwesenden die Nase und wandten ihren Blick sofort ab.
Eine wunderschöne und samtene Stimme riss mich aus meinen Gedanken.
„Entschuldigen Sie bitte, Miss. Haben Sie sich verletzt?“
Mein Blick wanderte langsam nach oben und ich blickte in ein paar smaragdgrüne Augen, die mich besorgt musterten.
Erschrocken schnappte ich nach Luft.
Ich wollte ihn berühren und mich vergewissern, dass er auch echt war, doch ich zwang mich dazu es nicht zu tun.
„Miss?“ Die Stimme des Mannes schien immer besorgter zu werden und ich wagte noch nicht einmal zu Blinzeln.
Er warf einen Blick zu meinem Haar  herüber und seine Hand entfernte ein Stück Käse aus einer meiner Locken.
„Haben Sie sich verletzt?“, wiederholte er seine Frage und musterte mich aufmerksam.
Wahrscheinlich suchte er nach irgendeiner Verletzung und keuchend schnappte ich nach Luft.
Ich hatte ganz vergessen zu atmen.
„Edward. Hast du dich verletzt? Geht es dir gut?“, fragte eine besorgte Stimme und mein Blick fiel in die Richtung, aus der die Stimme kam.

Entgeistert stellte ich fest, dass es die Dame des Hauses war und dieser junge Mann, der mich in seinen Armen hielt, musste ihr Sohn sein.
Meine Wangen färbten sich augenblicklich rot und er schenkte mir ein schiefes Lächeln.
Behutsam stellte er mich auf meine Beine, aber sie fühlten sich an wie Wackelpudding und ich drohte schon wieder erneut umzufallen.
Besorgt legte er einen Arm um meine Seite um mich zu stützen.
„Mir ist nichts passiert, Mutter“, erklärte er ohne den Blick von mir abzuwenden.
Seine grünen Augen strahlten mich begeistert an, was mich noch mehr in Verlegenheit brachte.
Schnell wandte ich meinen Blick von seinem Gesicht ab und sah schon Mrs. Matthews, die mit hochrotem Kopf in meine Richtung stampfte.
„Miss Swan! Sie kommen jetzt sofort mit und von ihrer Arbeit können sie sich hiermit verabschieden“, zischte sie mir aufgebracht zu und ergriff meinen Arm.
Doch der junge Mann, dessen Name Edward war lockerte seinen Griff nicht.
„Mrs. Matthews, Sie hat keine Schuld an diesem Missgeschick. Bitte bestrafen Sie sie nicht für etwas, was ich verursacht habe. Ich war mit meinen Gedanken ganz wo anders habe ich nicht darauf geachtet, wohin ich gehe. Dabei habe ich mein Champagnerglas über Miss Swans Kleid verschüttet. Sie hat sich nur versucht irgendwo festzuhalten. Ich bin Ihnen und auch Ihr eine Entschuldigung schuldig“, erklärte er mit einem entschuldigenden Lächeln und meinen Namen aus seinem Mund hörte, begann mein Herz bedrohlich laut zu schlagen.

„Edward Anthony Masen. Wo warst du nur wieder mit deinen Gedanken?“, tadelte ihn seine Mutter, doch ein Lächeln lag auf ihren Lippen.
„Ich… Ich… werde das hier sofort wegräumen. Es… tut mir leid“, stotterte ich verlegen, befreite mich aus seinen Griff und krabbelte sofort auf den Boden, um die Einzelteile wieder einzusammeln.
„Es wird nicht wieder vor kommen, Mrs. Masen“, entschuldigte sich Mrs. Matthews.
„Es war nur ein kleines Missgeschick. Ich muss mich für meinen Sohn bei Ihnen entschuldigen. Sorgen Sie sich nicht“, erklärte Mrs. Masen mit einen Lächeln und widmete sich wieder ihren Gästen.

Mrs. Matthews hingegen schien alles andere als erfreut über diesen Zwischenfall zu sein und sie warf mir noch einen wütenden Blick zu, bevor sie dann wieder in Richtung Küche verschwand.
Einen Moment lang konnte ich nicht anders, als ihr verdutzt hinter her zu sehen.
Sie würde mir wahrscheinlich eigenhändig den Kopf abreißen, wenn ich die Überreste nicht schnellstens vom Boden entfernte.
Nachdem ich mich zumindest wieder ein bisschen gefangen hatte wirbelte ich herum und begann die Reste des Unfalls zu beseitigen.
Als ich zwei Hände entdeckte, die mir dabei halfen zuckte ich erschrocken zusammen und richtete meinen Blick auf.
Direkt neben mir kniete Edward auf dem Boden und beförderte gerade einige Salatblätter auf mein Tablett.
Als er meinen Blick bemerkte lächelte er und räumte einfach weiter auf, als wäre es vollkommen normal.
Irgendetwas war hier gewaltig falsch.
„Mr. Masen... Sie.. Sie müssen das wirklich nicht tun…“, murmelte ich und ärgerte mich innerlich darüber, dass seine Hilfsbereitschaft mich so nervös machte.
Meinen Blick richtete ich schnell zu Boden und vermied es ihn anzusehen.
Er würde es bestimmt nicht gut heißen, dass ich ihn die ganze Zeit anstarrte.
„Ich sehe das anders. Schließlich ist das hier mein Verschulden“ entgegnete er mit einem atemberaubenden Lächeln und sammelte die Trauben auf, die unter den Tisch gerollt waren.
Ich hingegen kniete wie angewurzelt auf dem teuren Teppichboden, anstatt ihm zu helfen.
„Außerdem habe ich Ihr wunderschönes Kleid ruiniert.“
Aus den Augenwinkeln sah ich, wie er mich kurz musterte und ich schluckte nervös.
„Nicht der Rede wert….“ Ich schüttelte nur lächelnd den Kopf und erhob mich wieder vom Boden.
Natürlich machte es mir etwas aus.
Mein Lieblingskleid konnte ich  jetzt vergessen und mir graute es jetzt schon davor es wegzuschmeißen.
Aber das würde ich ihm sicherlich nicht auf die Nase binden und außerdem interessierte es ihn bestimmt gar nicht.
Wahrscheinlich war er einfach nur gut erzogen und höflich.
Von ihm hätte ich auch nichts anderes erwartet.

Außerdem, was fand er an diesem Kleid denn überhaupt hübsch?
Es war ein stinknormales Kleid und der Stoff war nicht einmal besonders.
Das Kleid war genauso wie ich.
Durchschnittlich.
„Nun, da Sie meinen vollen Namen wissen wäre es doch nur gerecht, wenn ich Ihren erfahren würde, finden Sie nicht?“
Ich hielt in meiner Bewegung inne und sah vorsichtig zu ihm herüber, was sich im Nachhinein als großen Fehler herausstellte.
Es fiel mir nicht gerade sehr leicht in seiner Gegenwart einen gescheiten Gedanken zu fassen.
„Verraten Sie ihn mir?“, fragte er noch einmal lächelnd und erhob sich vom Boden.
Seine Hand streckte sich in meine Richtung was eindeutig zeigte, dass er mir beim aufstehen helfen wollte aber ich konnte nicht anders, als seine Hand verwirrt anzustarren.
„Isabella Marie Swan“, antwortete ich so schnell, dass ich mich schon wieder fragen musste ob er mich überhaupt verstanden hatte.
Ohne seine Hilfe in Anspruch zu nehmen erhob ich mich von Boden und wirbelte herum.
Es wäre wirklich für alle Beteiligten besser, wenn ich von hier verschwinden würde bevor noch ein weiteres Unglück passierte.
Natürlich war mein Verhalten alles andere als angebracht, aber er hätte mich sicherlich nach diesem Abend schon wieder vergessen, also spielte es keine so große Rolle.
Mit schnellen Schritten lief ich in die Küche und rannte dabei fast Mike um, der mir einen besorgten Blick zuwarf.
„Sie sollten jetzt gehen, Miss Swan. Sie wissen hoffentlich, dass Sie es ganz alleine dem jungen Mr. Masen zu verdanken haben, dass ich Sie noch weiter arbeiten lasse…“, bemerkte Mrs. Matthews mit einem mahnenden Blick und ich nickte gedankenverloren.
Es war mir jetzt nur mehr als recht, dass ich gehen durfte also band ich mir die Schürze ab und warf sie achtlos in eine Ecke.
Bevor ich zur Tür lief erhaschte ich noch einen kurzen Blick auf Mike, der leise seufzte und mir mit einem besorgten Blick folgte.

Der Nachhauseweg erschien mir noch länger als der Hinweg und meine Schuhe gaben ein leises klackendes Geräusch auf dem Boden wieder.
Angestrengt versuchte ich meine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken, doch es klappte einfach nicht.
Für mich war es noch immer unverständlich, dass Edward Masen mir tatsächlich beim aufräumen geholfen hatte.
Als ich schließlich vor unserer Haustür ankam, war es bereits tief schwarze Nacht und ich schlich möglichst leise in mein Zimmer, um meine Eltern nicht zu wecken.
Vollkommen verwirrt warf ich einen prüfenden Blick in den Spiegel, als ich mein Zimmer betrat und mir eine Kerze angezündet hatte.
Meine Wangen waren knallrot gefärbt und mein Haar war zersaust. Unzählig viele Strähnen fielen mir ins Gesicht und mein Kleid war übersäht mit Flecken.
Ich sah einfach grässlich aus und schämte mich jetzt erst recht für meinen kleinen Auftritt am heutigen Abend.
Mit einem zutiefst traurigen Blick zog ich mein Kleid aus und hängte es seufzend über die Stuhllehne.
Dieses Kleid würde ich wirklich vermissen.
Während ich mich bettfertig machte, versuchte ich insgeheim irgendetwas Positives aus diesem Abend zu ziehen, aber mir wollte irgendwie nichts Gescheites einfallen.
Es war ja schon schlimm genug, dass ich mich zum Gespött der ganzen Gesellschaft gemacht hatte.
Als ich in meinem Bett lag, zog ich die Bettdecke mit einer schnellen Bewegung nach oben und schloss angestrengt meine Augen.
Ich konnte gar nicht anders, als diesen Abend immer und immer wieder in meinem Kopf abspielen zu lassen.
Dabei ertappte ich mich immer wieder dabei, wie ich an Edwards strahlend grüne Augen und an sein unbeschreibliches Lächeln dachte.
Doch mir war gleich klar, dass ich mir diesen Gedanken schnell wieder aus dem Gedächtnis streichen konnte.
Ich war einfach nicht gut für ihn und das wusste ich.
Er wusste es mit einer sehr großen Wahrscheinlichkeit auch.
Leise seufzend quälte ich mich einige Stunden lang, bis ich endlich in einen traumlosen Schlaf glitt.

Am nächsten Morgen wachte ich so ruckartig auf, dass mein Atem sich augenblicklich beschleunigte.
Orientierungslos sah ich mich in meinem Zimmer um.
Alles war genau so, wie ich es vor dem Einschlafen gesehen hatte, also gab es keinen Grund so verwirrt zu sein.
Ich schob die Bettdecke zur Seite, richtete mich etwas auf und fuhr mir dann seufzend durch meine wirren Haare.
Die Begegnung mit Edward am Vorabend hatte sich wahrhaftig in meine Erinnerung gebrannt.
Es wäre wohl am besten, wenn ich mich in Zukunft von den Masens fernhalten würde.
Immerhin müssten sie sich dann nicht immer wieder aufs Neue sorgen um ihre teuren Teppiche machen.
Als es leise an der Tür klopfte, zuckte ich erschrocken zusammen und richtete meinen Blick auf.
„Isabella, Liebes. Du bist schon wach!“, bemerkte mein Vater mit einem strahlenden Lächeln.
„Ja, Vater“, erwiderte ich noch leicht zerstreut, zwang mir aber dennoch ein Lächeln auf.
„Heute Morgen in der Früh ist ein Paket für dich angekommen.“ Er betrat mein Zimmer und in seiner rechten Hand hielt er das Paket, von dem er gerade noch gesprochen hatte.
„Ein Paket?“ Verwirrt und stirnrunzelnd starrte ich die edle Verpackung in seinen Händen an.
„Ich wollte es auf deinen Tisch legen, damit du es siehst wenn du wach bist. Aber da dies schon der Fall ist, kann ich es dir gleich hier überreichen.“
Mein Vater wartete geduldig, bis ich aus dem Bett stieg und es dann lächelnd annahm.
„Wir sehen uns später, Liebes.“ Charlie lächelte und war dann so schnell wieder aus meinem Zimmer verschwunden, wie er gekommen war.
Einen Moment lang sah ich ihm und verdutzt hinterher, doch dann richtete ich meinen neugierigen Blick auf das Paket in meinen Händen.

Meine Finger strichen über die kleine rote Schleife in der Mitte und über die glänzend weiße Verpackung, die eher einer Schachtel als einem Paket glich.
Schon alleine das machte auf mich den Eindruck, als wäre das was sich dort drin befand ziemlich teuer.
Behutsam legte ich es auf meinen Tisch und zog die Schleife vorsichtig ab.
Meine Hände legten sich an den Deckel und neugierig hob ich ihn hoch, um endlich zu sehen zu können, was sich in dieser Schachtel befand.
Als ich den Inhalt erblickte, erstarrte ich augenblicklich.
Voller Ehrfurcht fuhr ich mit meinen Fingern über den blauen Stoff um mich zu vergewissern, dass es wirklich Seide war, die ich da unter meinen Fingerspitzen fühlte.
Mein Herz machte Luftsprünge, als ich dieses wunderschöne Kleid aus der Schachtel nahm und es an meinen Körper hielt.
Es hatte haargenau dieselbe Farbe wie mein altes Lieblingskleid, nur das dieses hier noch tausend Mal besser war.
Als ich einen Blick in den Spiegel warf, strahlte ich über mein ganzes Gesicht.
Es war einfach wunderschön und genau so ein Kleid hatte ich mir schon immer gewünscht.
Doch von wem kam dieses überaus großzügige Geschenk denn überhaupt?
Ich warf einen Blick zu der Schachtel herüber und entdeckte einen schön gefalteten Brief darin.
Das Kleid legte ich behutsam auf mein Bett um es ja nicht zu beschädigen und dann nahm ich den Brief in meine Hände um ihn zu öffnen.

„Isabella,“,
stand dort in einer wunderschönen Handschrift geschrieben.

„Ich hoffe Sie sehen dieses Kleid als Wiedergutmachung und Sie finden gefallen an diesem kleinen Geschenk.
Es wird Ihnen ausgezeichnet stehen.

Ich hoffe Sie bald wieder zu sehen und wünsche Ihnen einen angenehmen Tag.

Edward A. Masen“


Ich brauchte einige Minuten, bis ich überhaupt realisiert, von wem dieser Brief stammte, obwohl er ja von Edward unterzeichnet war.
Das musste doch ein schlechter Scherz sein.
Wieso sollte er mir so ein teures Geschenk machen, nur weil er mein altes Kleid ruiniert hatte?
Mir war noch nicht einmal bewusst, dass ich während des Lesens hingesetzt hatte und ich legte den Brief wieder schön gefaltet auf meinen Tisch.
Ich wollte wissen, wie dieses Kleid an mir aussah und ob es mir überhaupt passte.
Tatsächlich wusste ich nicht, ob ich überrascht sein sollte, als ich das Kleid anprobierte und es mir perfekt passte.
So als wäre es ganz allein für mich gemacht.
Es war ein Traum von einem Kleid und ich konnte mich gar nicht daran satt sehen, doch dann erfasste mich augenblicklich die blanke Panik.
Schließlich musste ich mich auch bei ihm für dieses wundervolle Geschenk bedanken.
Doch wie sollte ich das anstellen?
Seufzend strich ich über das kleine Blatt Papier und dachte angestrengt über ein angemessenes Geschenk nach.
Ich beschloss am nächsten Tag einmal bei seiner Familie vorbeizuschauen und ihnen einen selbstgebackenen Kuchen vorbeizubringen.
Das war zwar nichts besonderes, aber welcher Mensch verabscheute denn schon Kuchen?
Dabei dachte ich absichtlich an Edward und seine Familie.
Der Gedanke, dass ich nur ihn treffen würde, machte mich jetzt schon wieder verrückt, doch ich wurde aus meinen Gedanken gerissen, als mich meine Mutter zum Frühstück rief.
Irgendwie würde ich das schon überstehen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen