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Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.

Donnerstag, 29. April 2010

Kapitel 5: Ein Tag mit Edward Masen

Bella POV

Für mich war es ungewohnt, bei Edward eingehakt sein Haus zu verlassen.
Die Leute warfen uns alle einen verwunderten Blick zu und tuschelten wie wild.
Edward legte seinen Arm schützend um meine Schultern, berührte diesen jedoch nur leicht. Wahrscheinlich wollte er mich nicht bedrängen.
„Ignorier diese Leute einfach, wie ich es tue“, flüsterte er mir ins Ohr und lächelte.

Das war leichter gesagt als getan.
Es war ja nichts ungewöhnliches, das die Leute redeten wenn der berühmte Sohn der Masens mit einem Mädchen gesichtet wurde.
Ich stöhnte verzweifelt, dennoch gefiel es mir in Edwards Gesellschaft.
Ich hatte ihn nie für eingebildet gehalten, als ich ihn das erste Mal gesehen hatte aber als so nett und zuvorkommend hatte ich ihn mir nun auch wieder nicht vorgestellt.
„Wo gehen wir denn hin?“, fragte ich neugierig und sah fragend zu ihm hoch.
„Das wirst du schon noch sehen“, antwortete er schlicht und lächelte mir dann beruhigend zu.
Er führte mich durch die Straßen und als wir an einem kleinen Eiscafé vorbei kamen, hielt er an.
„Welche Sorte magst du am liebsten?“, fragte er mit großen neugierigen Augen und ich überlegte.
„Schokolade“, antwortete ich ihm und er bestellte uns beiden jeweils ein Eis.
Lächelnd reichte er es mir und ich probierte neugierig.
Solch ein Eis hatte ich bis jetzt noch nie probiert. Es schmeckte einfach köstlich.
Während wir unser Eis verspeisten, liefen wir in den Park und ließen uns auf einer Bank nieder.
Ich bemerkte nicht direkt, dass Edward mich die ganze Zeit dabei beobachtete, wie ich mein Eis verspeiste.
Als ich dann schließlich zu ihm sah und ihn dabei ertappte, war ich wieder diejenige die rot anlief.
„Erzähl mir ein bisschen über dich, Bella.“
Ich zögerte mit meiner Antwort.
Mein Leben war nicht interessant und wahrscheinlich würde ich ihn zu Tode langweilen.
„Mein Leben ist langweilig…“
Schon wieder sagte ich ihm, was ich dachte. Das tat ich eigentlich nie.
„Isabella, ich denke wirklich nicht, dass dein Leben langweilig ist. Oder soll ich dir noch einmal erklären, wie sehr du mich faszinierst?“ Er lächelte sein schiefes Lächeln und meine Wangen nahmen sofort wieder einen rosigen Ton an.
Ich verstand seine Reaktionen nicht.
Wie konnte er nur ein bisschen an mir interessiert sein?
Was war denn an mir so faszinierend?
Edward konnte jedes Mädchen dieser Stadt haben, wenn er wollte.
Doch stattdessen saß er hier mit mir.
Schließlich kapitulierte ich und begann von meinem uninteressanten Leben zu erzählen.
Ich erzählte ihm von meinen Eltern, wie gut ich mich mit ihnen verstand und das ich ihnen, so gut wie es nur ging in dem Laden half.
„Wenn ich ihnen nicht helfen würde“, erklärte ich.
„Dann ginge es uns wahrscheinlich nicht so gut wie jetzt. Wir sind nicht reich, aber wir schaffen das schon.“
Edward runzelte die Stirn und dachte über das nach, was ich ihm so eben erzählt hatte.
Ich stoppte einen Moment und beobachtete seine Gesichtszüge.
Sein nachdenklicher Ausdruck verwandelte sich sofort in ein strahlendes Lächeln, als er meinen Blick bemerkte.

Auch wenn ich anfangs eher zögerlich gesprochen hatte, so redete ich jetzt beinahe ohne Punkt und Komma.
Edward gab mir das Gefühl, dass er mich verstand und dass er sich wirklich dafür interessierte.
Ich erzählte ihm auch von Mike und Angela.
Zum ersten Mal seit langer Zeit unterbrach er mich in meiner Erzählung.
„Und du kennst diesen Mike schon, seit du ein Kind bist?“, wollte er wissen und klang dabei noch neugieriger, als er es sonst schon war.
„Ja, er ist mein bester Freund“, erklärte ich ihm noch einmal und Edward runzelte erneut nachdenklich die Stirn.
„Was ist denn?“ Hatte ich irgendetwas Falsches gesagt?
„Es ist nichts. Entschuldige bitte, ich habe dich unterbrochen.“
Seine nachdenkliche Mine verschwand so schnell, wie sie gekommen war.
Männer benahmen sich manchmal schon ziemlich merkwürdig, doch ich fragte nicht weiter nach.
Ich erzählte ihm weiter einige Details aus meinem Leben, doch irgendwann wusste ich nicht mehr, was ich ihm noch erzählen konnte.

„Du musst mir jetzt aber auch etwas von dir erzählen“, forderte ich und er lächelte.
Er hatte mir gesagt, dass ich ihn jetzt auch duzen konnte, wo wir uns gerade schon einmal kennen lernten, also tat ich es auch.
„Ich habe zwar das Gefühl, da gibt es noch tausend andere Dinge über dich aber wenn du es möchtest, erzähle ich etwas über mich“,
antwortete er und holte einmal tief Luft.

Interessiert hang ich an seinen Lippen und sog jedes Wort, dass er sagte nur so auf.
Wie ich gedacht hatte, war sein Leben um einiges interessanter als meins.
„Jedoch, diese ständigen Veranstaltungen regen mich auf. Ich weiß, dass es meine Mutter nur gut meint, aber ich darf doch selbst entscheiden in wen ich mich verliebe, oder etwa nicht?“ Er warf mir einen durchdringenden Blick zu und ich nickte hastig.
Er hatte Recht und wenn ich mir vorstellte, dass mir meine Eltern ständig irgendwelche Männer vorsetzen würden, lief mir ein Schauer über den Rücken.

Natürlich schien meine Mutter ihr Hauptaugenmerk auf Mike zu legen aber sie legte es nicht offensichtlich darauf an, dass ich mich mit ihm traf.
Edward hingegen musste sich an den Wochenenden und manchmal sogar in der Woche von einer Horde von Mädchen anstarren lassen.
„Ich habe ihnen schon gesagt, sie sollen das lassen aber du weißt ja wie das ist“, erklärte er mir.
Eigentlich wusste ich das nicht, aber ich konnte es mir vorstellen.
„Und um meine Mutter nicht zu kränken, spiele ich bei diesem ganzen Zirkus mit“, fügte er hinzu und lächelte gequält.
„Das ist ja grauenvoll“, sagte ich mitfühlend und er musste über meinen geschockten Gesichtsausdruck lachen.
„Es gibt weit aus Schlimmeres“, versicherte er mir.
Nach einer kleinen Gesprächspause erzählte er mir weitere Dinge aus seinem Leben.

„Edward!“, hörte ich eine entzückte Stimme hinter uns.
Edward unterbrach seine Erzählung und sah sich um.
Ich wusste nicht, ob ich es mir nur eingebildet hatte, aber ich hätte schwören können, dass er seine Augen für einen kurzen Moment verdreht hatte.
Doch jetzt lächelte er schon wieder freundlich.
„Jessica.“ Er erhob sich von der Bank und drückte ihr einen flüchtigen Kuss auf die Wange.
Dieser Anblick gefiel mir nicht, aber ich wusste ja schon, dass Edward immer höflich war, also versuchte ich meine Gedanken zu beruhigen.
„Wie geht es dir?“, säuselte sie in seine Richtung und lächelte ihn verführerisch an.
Ihre Hände lagen um seinen Hals und ich beobachtete Edward dabei, wie er Jessicas Hände von seinem Hals entfernte.
„Bestens, danke. Und dir?“
„In diesem Moment ja“, kicherte sie vergnügt und dann fiel ihr Blick auf mich.

Ihr Blick war neugierig und sie beobachtete jeden Zentimeter meines Körpers.
Etwas in ihrem Blick verriet mir, dass man ihr nicht trauen sollte.
„Guten Tag!  Mein Name ist Jessica Stanley“, stellte sie sich höflicherweise bei mir vor.
Wahrscheinlich war sie doch nicht so übel, wie ich sie mir vorgestellt hatte.
„Ich bin Isabella Swan“, erklärte ich und reichte ihr die Hand.
Jedoch rümpfte sie augenblicklich ihre Nase und zog ihre Hand mit einer schnellen Bewegung wieder zurück.
„Swan?“ Sie warf einen verdutzten Blick in Edwards Richtung und aus ihrem Mund klang es wie ein Schimpfwort.
Den Namen kannte sie wahrscheinlich wegen unseres Ladens.
Sogleich war mir diese Jessica wieder unsympathisch.
„Was machst du denn mit der hier im Park? Warum triffst du dich mit ihr und nicht mit mir?“
Edward seufzte, doch ich war mir sicher, dass Jessica es nicht mitbekommen hatte.
„Ich habe Bella durch einen Zufall getroffen und jetzt lernen wir uns besser kennen“, erklärte er ihr und sie rümpfte erneut die Nase.
Dann wich ihr angeekelter Gesichtsausdruck einem Lächeln.
„Vergiss bitte nicht meinen Geburtstag, ja?“
„Wie könnte ich?“
Jessica kicherte vergnügt, doch in ihren Ohren klang Edward Aussage wohl anders, als in meinen.
Sein Lächeln war nicht verschwunden, doch seine Augen sprachen eine andere Sprache.
Trotzdem störte mich diese Aussage von ihm gewaltig.
Jessica warf mir noch einen abwertenden Blick zu und sie öffnete gerade ihren Mund, um etwas zu sagen, als Edward nach meiner Hand griff.
Sie verstummte sofort und sah ihn verdutzt an.

Behutsam zog er mich auf die Beine.
„Entschuldige uns bitte, aber wir müssen jetzt los.“
Und mit diesen Worten ließ er eine verdutzte und vollkommen überforderte Jessica Stanley im Park stehen.
„Was war denn das?“ Ich sah ihn an und konnte mir ein Lachen nicht verkneifen.
Für ihn war das ganze anscheinend nicht so witzig wie für mich.
Er hatte seine Hände in den Hosentaschen vergraben und starrte auf den Boden.
Als er plötzlich stehen blieb, tat ich es ihm gleich.
Fragend sah ich ihn an.
„Hör zu Bella. Es tut mir leid“, sagte er und sein Gesichtsausdruck wirkte gequält.
„Was tut dir denn leid?“ Ich verstand nicht so Recht, was er damit meinte.
„Wegen Jessica. So wie sie dich angesehen hat, als wärst du weniger Wert als sie.“
Jetzt wirkte er ziemlich bedrohlich, mit diesem wütenden Gesichtsausdruck.
Seine grünen Augen funkelten.
„Ach das…“ Ich machte eine wegwerfende Handbewegung.
Ich war das gewohnt. Die Leute behandelten einen so, vor allem wenn man sie bediente.
Die einzige Ausnahme, die ich kannte waren die Masens.
„Du musst dich nicht dafür entschuldigen“, sagte ich lächelnd, doch ihn schien die Sache wirklich zu bedrücken.
„Ich kann so etwas nicht ausstehen und ich bin froh, dass meine Familie nicht so ist. Tut mir leid, Bella“, sagte er noch einmal und ich lächelte.
„Es ist nicht weiter schlimm.“

Edward schwieg eine lange Zeit und ich tat es ihm gleich.
Wir liefen durch die große und wunderschöne Parkanlage.
Mein Blick fiel über die schönen Blumenbeete und die Bienen, die sich darüber tummelten.
Die Dämmerung hatte schon eingesetzt.
Die letzten Sonnenstrahlen spiegelten sich leicht auf dem kleinen See und verliehen ihm einen rötlichen Schimmer.
Edward warf mir einen kurzen Blick zu.
„Ich müsste jetzt eigentlich wieder nach Hause. Es ist schon recht spät und ich habe meinem Vater versprochen, ihm noch bei seiner Arbeit zu helfen“, gestand Edward und er sah über diese Tatsache ziemlich traurig aus.
„Das macht doch nichts. Ich werde jetzt noch bei Mike vorbeischauen“, erklärte ich ihm.
Edwards Gesicht veränderte sich nicht, aber in seinen Augen hatte ich etwas blitzen sehen.
„Ich bringe dich noch dort hin“, sagte er, als wäre es selbstverständlich.
„Das ist doch nicht nötig. Du musst doch jetzt gehen.“ Ich lächelte verlegen.
„Wenn ich meinem Vater den Grund für die Verspätung erkläre, dann wird er das verstehen. Außerdem würde er mich bei lebendigem Leib verbrennen, wenn ich eine junge, hübsche Frau einfach im Dunkeln alleine nach Hause lassen würde, ohne sie zu begleiten.“ Er grinste und ich lief erneut rot an.
„Na gut…. Vielen Dank.“
Während wir zusammen umdrehten und zu Mikes Haus liefen fragte mich Edward nach weiteren Dingen meines Lebens.
Nach meiner Lieblingsfarbe oder die Musik, die ich bevorzugte.

Er stoppte erst mit seiner Befragung, als ich ihm erklärte, dass wir jetzt da waren. Inzwischen war es schon dunkel und ich sah ihn unsicher an.
Wie sollte ich mich jetzt bei ihm verabschieden?
Was war höflich und was war absolut unangebracht?
Edward übernahm jedoch die Rolle und beugte sich langsam zu mir herunter.
Erschrocken hielt ich den Atem an, als er mir einen langen Kuss auf die Wange drückte und mir dann sein schiefes Lächeln schenkte.
„Pass auf dich auf“, sagte er mit ernster Stimme und sah mir noch einmal tief in die Augen, bevor er sich umdrehte und in den dunklen Straßen von Chicago verschwand.
Jetzt konnte ich mir sicher sein.
Mein beschleunigter Puls, meine schnelle Atmung und mein erschrockener und zugleich strahlender Gesichtsausdruck verrieten es.
Ich war unsterblich in Edward Anthony Masen verliebt und das seit dem ersten Augenblick.

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