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Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.

Donnerstag, 29. April 2010

Kapitel 6: Rettung in letzter Sekunde

Bella POV

Mit einem verträumten und wahrscheinlich total verklärten Gesichtsausdruck klopfte ich an Mikes Haustür.
Es dauerte einen Moment, bis sich die Tür öffnete und ich seine strahlend blauen Augen entdeckte, die mich argwöhnisch musterten.
„Bella, es ist schon spät! Was machst du denn noch hier?“, hörte ich Mikes Stimme und ich brauchte einen Moment, bis ich meine Sprache wieder gefunden hatte.
„Ich wollte dir nur noch einen kurzen Besuch abstatten. Ich war in der Nähe“, erklärte ich ihm lächelnd.
„Oh“, antwortete er schlicht und beobachtete mich aufmerksam.
„Jedenfalls.. Deine Mutter wird sich bestimmt schon Sorgen machen.“
Er warf einen Blick auf seine Taschenuhr und auch jetzt bemerkte ich, dass es schon ziemlich spät war.
Normalerweise war ich nie so lange weg.
Wenn ich mich Recht erinnerte, war ich noch nie so lange weg gewesen.
„Oh. Ich sollte wirklich lieber nach Hause, nicht wahr?“ Dank Edward war ich so durch den Wind, dass ich die Zeit vollkommen vergessen hatte.
„Das wäre das Beste“, antwortete Mike mit einem tadelnden Lächeln.
„Ich bringe dich nach Hause.“
Er wollte schon nach seiner Jacke greifen, doch ich schüttelte nur den Kopf.
„Nein. Das brauchst du wirklich nicht zu tun. Es ist ja nicht weit. Nur ein paar Straßen. Außerdem kann ich sehr gut auf mich alleine aufpassen.“ Ich schenkte ihm ein strahlendes Lächeln und Mike seufzte leise.
Es mussten ja heute nicht alle Männer ihre Zeit für mich opfern.
„Bella…“, sagte er mahnend und seine Augen verengten sich.
„Michael… Ich bin kein kleines Kind mehr. Außerdem… Was soll mir denn schon passieren?“
Mike zögerte und wog in seinem Kopf die möglichen Gefahren ab, die mir auf diesem recht kurzen Weg widerfahren konnten.
Dem Anschein nach vielen ihm nicht wirklich plausible Gründe ein und er gab nach.
„Na gut. Ich bitte dich aber um eins. Pass auf dich auf, Bella und halte dich von den kleinen Straßen fern!“ Er warf mir noch einen prüfenden Blick zu und ich nickte brav.
„Wir sehen uns dann morgen. Ich wünsche dir eine schöne Nacht.“ Er gab mir einen Kuss auf die Wange und ich lächelte leicht, während ich ihm noch einmal kurz zum Abschied winkte.

Als er die Tür hinter sich geschlossen hatte, drehte ich mich um und sah mir die dunkle Straße an.
Jetzt wo ich hier so alleine stand, wirkte der Weg viel länger und vor allem bedrohlicher.
Die Äste der Bäume wirkten in der Dunkelheit wie riesige Fangarme, die nur darauf warteten mich zu verschlingen.
Insgeheim überlegte ich, ob ich mich nicht umdrehen und Mike doch bitten sollte mich nach Hause zu begleiten.

Der Gedanke kam mir jedoch kindisch vor, also atmete ich einmal tief ein und lief dann mit schnellen Schritten die Straße entlang.
Auch das Geräusch meiner Schuhe, die sie auf dem Asphaltboden hinterließen wirkte alles andere als beruhigend auf mich.
Es war nur dieses eine Geräusch zu hören. Ansonsten war es totenstill.
Beinahe viel zu still.
Die dunklen Gassen machten mir jedoch am meisten Angst und ich lief so weit es ging in der Nähe der Straße.
Normalerweise war ich nicht so ein Angsthase doch obwohl weit und breit niemand zu sehen war, hatte ich das unheimliche Gefühl, dass ich nicht alleine war.
Nervös blieb ich stehen und sah über meine Schulter.
Mein Blick wanderte die Straße entlang, doch weit und breit konnte ich niemanden erkennen.
Ein leichter Anflug von Panik schien mich zu überfallen und ich hielt erschrocken die Luft an. .
Vielleicht neigte ich einfach nur dazu, paranoid zu werden.
Meine Schritte beschleunigten sich und beinahe wäre ich gestolpert, konnte mich aber gerade noch fangen und weiter laufen.
Tollpatschigkeit war in so einer Situation nicht gerade sehr hilfreich.

Wie aus dem Nichts, vernahm ich ein paar schnelle Schritte hinter mir.
Ich hatte Angst stehen zu bleiben, also drehte ich meinen Kopf nur ganz kurz nach hinten und entdeckte drei junge Männer.
Sie mussten etwas älter als ich sein und der Blick des großen, bulligen Mannes war auf mich gerichtet.
Vielleicht meinten sie ja aber auch gar nicht mich?
Ich hatte jedenfalls nicht vor, es herauszufinden und bog schnell in eine kleine Seitenstraße ein, die mir als Abkürzung dienen sollte.
So konnte ich auch feststellen, ob die drei Männer mir folgten oder ob es nur ein sinnloses Hirngespinst meinerseits war.

Als ich einige Schritte gelaufen war, sah ich mich noch einmal um.
Niemand war mir gefolgt und ich atmete erleichtert aus.
Das hätte mir jetzt auch noch gefehlt und ich fragte mich gerade, ob ich nicht eigentlich irgendwie todessehnsüchtig war.
Schließlich zog ich das Unglück immer wieder an wie ein verfluchter Magnet.
Meine schlimmsten Vermutungen schob ich beiseite und mit einem Blick nach hinten, lief ich weiter.
Dabei hätte ich lieber nach vorne sehen sollen, denn schon im nächsten Moment stieß ich mit jemandem zusammen.
Beinahe wäre ich nach hinten getaumelt, doch zwei große und bullige Hände hielten mich fest.
Für meinen Geschmack etwas zu feste und ich blickte erschrocken zu der Person hoch.
Es war einer der Männer, die mich noch eben verfolgt hatten.
Und sie waren mir wirklich gefolgt, wie ich jetzt leider feststellen musste.
„Entschuldigen Sie bitte“, flüsterte ich mit piepsiger Stimme und versuchte mich aus seiner Umarmung zu befreien, doch er ließ nicht locker.

„Warum denn so eilig?“, säuselte er mir ins Ohr und ich erschauderte augenblicklich.
Was zur Hölle wollten diese Männer nur von mir?
Sie hatten eindeutig etwas getrunken, aber konnten sie mich nicht einfach in Ruhe lassen?
„Wir können ein bisschen Spaß zusammen haben.“ Er ließ seinen Blick anerkennend an meinem Körper herunterwandern und seine Hand rutschte weiter an meiner Taille entlang.
„Lassen Sie mich los“, wimmerte ich verzweifelt.
Es sollte bedrohlich klingen, doch ich versagte kläglich und der Mann lachte amüsiert.
„Sei doch nicht so. Ich verspreche dir, ich tue dir auch nicht weh.“
Er versuchte seine Stimme so unschuldig wie möglich klingen zu lassen und gerade das war das Unheimliche an der Sache.
„Finger weg“, fauchte ich ihm entgegen und versuchte mich verzweifelt aus seinem Griff zu befreien.

Dabei kratzte ich ihn in der Not mit meinen Fingernägeln und er lockerte seinen Griff, sodass ich mich befreien konnte.
Ich rannte los, doch weit kam ich nicht, denn ich hatte die zwei Anderen vollkommen vergessen.
Ein etwas schmächtigerer Typ drückte mich gegen die Steinmauer und ich wimmerte leise, als ich das Messer in seiner Hand entdeckte.
Die riesige Klinge schien sogar in der Dunkelheit zu glänzen und ich starrte sie ängstlich an.
Wieso zur Hölle musste mir so etwas passieren?
Wieso war ich überhaupt alleine nach Hause gelaufen?
Doch so wie es aussah, kam die Erkenntnis darüber, dass ich etwas wirklich Dummes getan hatte viel zu spät.
Wie sollte ich nur aus dieser Situation wieder heraus kommen?
Vor allem, wie konnte ich mich alleine gegen diese drei Männer wehren?
„Es wäre ja wirklich zu Schade, wenn ich dein hübsches Gesicht verstümmeln müsste“, flüsterte der Mann mit einem boshaften Grinsen und strich mit dem Messer über meine Wange.
Erst jetzt vernahm ich den Schmerz an meinem Kopf.
Ich war wohl doch härter mit dem Kopf gegen die Wand geprallt, als ich es eigentlich vermutet hatte und ich spürte die warme Flüssigkeit, die sich langsam den Weg an meinem Nacken entlang bahnte.
In meinem Kopf spielten sich die verschiedensten Fantasien davon ab, was jetzt als nächstes passieren würde.
Würde er mich töten?
Ich neigte manchmal dazu, etwas zu übertreiben, also könnte es auch genauso gut möglich sein, dass sie mich einfach nur ausrauben wollen, aber das Messer in seiner Hand schien etwas anderes zu sagen.
Die aufkommende Panik schnürte mir die Kehle zu und ich wagte es nicht zu atmen.
Vielleicht sollte ich einfach nur beten und darauf hoffen, dass mich irgendjemand rettete.

„Hey du mieser Bastard!“, hörte ich eine mir bekannte Stimme und mein Herz machte einen kleinen Aussetzer.
Der Typ der mich festhielt, lockerte seinen Griff und ich rammte ihm mein Knie in die Magengegend.
So schnell ich konnte rannte ich in die Richtung, aus der die Stimme kam.
„Lady… Das hättest du lieber nicht tun sollen.“ Die wütende Stimme hinter mir versetzte mich nur noch mehr in Panik und ich rannte so schnell, wie es mit diesen Schuhen möglich war.
In der Dunkelheit sah ich schließlich zwei Hände, die sich nach mir ausstreckten und ich wusste ganz genau, zu wem diese Hände gehörten.
Ich rannte direkt in seine Arme und vergrub leise schluchzend mein Gesicht an seiner Brust.
Erst jetzt bemerkte ich die Tränen, die an meiner Wange herab liefen.
„Bella, geht es dir gut?“ Edwards Stimme schwankte zwischen Besorgnis und Wut.
Behutsam strich er mit seiner Hand durch mein Haar und er bemerkte die Wunde an meinem Hinterkopf.
„Diese verdammten…“ Seine Hände zitterten bedrohlich und als ich zu ihm hochsah, war sein Gesicht zu einer wütenden Maske erstarrt.
„Edward…“ wisperte ich leise und versuchte ihn von den Typen wegzudrängen. Schließlich hatten sie Waffen und ich vermutete nicht, dass Edwards ebenfalls mit so einem riesigen Messer durch die Gegend lief.
Meine Wange hatte ebenfalls eine kleine Schnittwunde, aber das war jetzt eine Sache um die ich mir in diesem Moment keine Sorgen machte.
„Willst du dich etwa hier einmischen?“, zischte einer der Typen und spielte mit seinem Messer in der Hand.
„Willst du mir drohen?“ Auf Edwards Lippen lag ein gefährliches Lächeln und er hatte etwas Unheimliches an sich.

Nicht, dass ich mich vor ihm fürchtete, aber ich sah es an den Gesichtern der Männer.
Edward strahlte eine gewisse Autorität aus, die ich zuvor noch nie bei ihm gesehen hatte.  
Ich wusste nicht, was Edward als nächstes tun würde und ich hatte Angst davor.
Wenn ich daran dachte, was diese Typen ihm alles antun könnten, lief mir ein eisiger Schauer über den Rücken.
Von weiter Ferne vernahm ich das laute Gebell von Hunden, das klackende Geräusch der Hufe von Pferden auf dem Kopfsteinpflaster und laute Stimmen, die wild durcheinander riefen.
Ich konnte die Stimmen nicht einordnen und sagen, zu wem sie gehörten.
Vielleicht war es die Polizei, aber dazu waren diese Stimmen zu weit entfernt.
Mein Herz setzte wieder für einen kurzen Moment aus und ich rückte näher zu Edward, damit ich mich an seinem Jackett festkrallen konnte.
Mein Blick wanderte herüber zu den drei Männern.
Der schmächtige Kerl ließ sein Messer sinken und der große, bullige lauschte ebenfalls den Geräuschen, die immer näher kamen.  
„An eurer Stelle würde ich mich schnell entscheiden“, zischte Edward und seine Hand verkrampfte sich zu einer Faust.
Der Kerl in der Mitte sah zu seinen Komplizen.
Ich vermutete, dass er der Anführer der Bande war.
Er nickte den beiden anderen zu und mit einem letzten Blick verschwanden sie so schnell, wie sie gekommen waren.

Verdutzt stand ich da, meine Hände an Edwards Brust gelehnt.
„Wie..? Was…?“ Ich verstand nicht so Recht, was da gerade eigentlich passiert war.
Erst stürzten sich diese miesen Typen auf mich und dann verschwanden sie einfach?
„Ich denke wir hatten ziemliches Glück. Hätten sie die Waffen nicht bei sich gehabt, hätte ich zu anderen Maßnahmen gegriffen“, erklärte er mit einem bedrohlichen Ton in der Stimme und sah zu dem Fleck, wo zuvor noch die drei Männer gestanden hatten.
„Ich hätte mir etwas anderes überlegen müssen.“
Ich starrte ihn mit großen Augen an und schnappte erschrocken nach Luft.
Eigentlich hatte ich vermutet, dass er vielleicht die Polizei informiert hätte, aber dem Anschein nach war das nicht der Fall.
Er begutachtete meinen verwirrten Blick und strich mit seiner Hand an meiner Wange entlang.
Im nächsten Moment veränderte sich sein Gesichtsausdruck und er sah besorgt zu mir.
„Bella, warum läufst du hier alleine durch die Straßen?“ Seine Stimme klang angstvoll verzerrt und ein bisschen wütend, was ich ihm wirklich nicht verübeln konnte.
„Ich dachte.. nun ja. Der Weg nach Hause war nicht gerade sehr lang...“, flüsterte ich leise an seiner Brust, damit ich ihn nicht ansehen musste.
Behutsam legte er eine Hand unter mein Kinn und sah sich die Schnittwunde an meiner Wange an.
Auch die andere Wunde hatte er bereits inspiziert und sein Gesichtsausdruck wurde nur noch besorgter.
„Ich bringe dich ins Krankenhaus“, sagte er mit ernster Stimme und strich sanft mit seinen Fingern über meine nicht verletzte Wange.
„Und Bella?“ Er nahm seine Hand nicht von meinem Kinn und ich sah in seine strahlend grünen Augen, in denen immer noch die Sorge stand.
„Versprich mir bitte, dass du nie wieder.. nie wieder alleine um diese Zeit unterwegs bist, ja?“
Ich nickte. Das hätte ich in Zukunft auch so schon vermieden.
„Jetzt komm.“ Er legte seinen Arm behutsam an meine Seite und lief mit mir in die Richtung des städtischen Krankenhauses.

Edwards Gesichtszüge hatten sich noch immer nicht entspannt und sein Arm lag den ganzen Weg über schützend an meiner Taille.
„Wenn ich mir nur vorstelle, was passiert wäre, wenn ich nicht…“ Bei dem letzten Wort versagte seine Stimme und mit geschlossenen Augen schüttelte er seinen Kopf.
„Warum bist du eigentlich hier?“, fragte ich ihn und runzelte die Stirn.
Eigentlich war er doch noch bei seinem Vater gewesen um ihn bei der Arbeit zu helfen.
Edward schwieg einige Zeit lang, bevor er schließlich wieder zu sprechen begann.
„Ich habe diese Männer gesehen, als ich auf dem Nachhauseweg war und da wollte ich mich nur vergewissern, dass du auch sicher bei Mike angekommen bist“, erklärte er und ich beließ es bei dieser Antwort.
Jetzt war ich einfach froh, dass er bei mir war.
„Danke“, sagte ich an ihm gewandt und er lächelte.
„Warum hat Mike dich nicht nach Hause begleitet?“, fragte er jetzt und seine Stimme klang angespannt.
„Ich habe ihm gesagt, dass ich den Weg schon alleine finde…“, murmelte ich leise und wagte es nicht, den Blick aufzurichten.
Edward schüttelte seufzend den Kopf.
„Die ganze Sache hätte auch anders ausgehen können, Isabella“, brummte er kaum hörbar.
Ich war unheimlich froh darüber, dass das Krankenhaus nicht so weit entfernt war, denn schon jetzt schmerzten meine Füße.

Edward lief mit eiligen Schritten an den Empfang im Krankenhaus.
„Mr. Masen. Was kann ich für Sie tun?“
Die Krankenschwester erhob sich sofort von ihrem Platz und ich war mir sicher, dass Edward hier alles bekommen würde, wenn er sich es nur wünschte.
Natürlich kannten sie ihn hier.
Edward zog mich wieder zu sich heran und sah mit einem besorgten Blick zu mir, während er sprach.
„Meine Freundin wurde überfallen und sie hat einige Verletzungen.“
Meine Wangen färbten sich rot und das nicht wegen der Tatsache, dass ich mich wieder einmal ins Unglück gestürzt hatte, sondern wie er mich genannt hatte.
Seine Freundin.
Das konnte verschiedene Dinge bedeuten aber in diesem Moment gefiel mir diese Bezeichnung unheimlich gut.
Die Schwester warf mir einen kritischen Blick zu.
Dann fiel ihr Blick wieder auf Edward und sie schüttelte sich kurz.
„Oh. Bringen Sie sie am besten direkt ins Behandlungszimmer. Der Arzt wird gleich bei Ihnen sein“, erklärte die Schwester hastig und deutete auf ein Zimmer.
Ich sah mich misstrauisch um.
Krankenhäuser verabscheute ich zutiefst.

Edward beobachtete mich mit gerunzelter Stirn, als er mein Gesicht betrachtete.
„Sie werden dir hier schon nichts tun“, erklärte er mit einem amüsierten Grinsen, denn anscheinend hatte er meine Ängste schon erahnt.
„Ich mag keine Nadeln oder Spritzen“, bemerkte ich schaudernd, als ich einen Blick auf den Behandlungstisch warf.
„Das habe ich mir schon so gedacht. Setz dich bitte.“ Er drückte mich behutsam auf die Liege und meine Füße entspannten sich sofort.
Doch jetzt, wo ich hier so ruhig saß bemerkte ich den Schwindel in meinem Kopf und ich griff nach Edwards Arm, damit ich nicht von der Liege fiel.
Besorgt legte Edward seine Hand an meine Wange und beobachtete mich.

„Guten Abend“, hörte ich eine wunderschöne, melodische Stimme hinter mir.
Edwards Hand löste sich wieder von meinem Gesicht.
Mein Blick fiel auf einen Mann in einem weißen Kittel und blonden Haaren.
Seine Haut war bleich, was seiner Schönheit aber nicht im Geringsten schadete.
Er war unglaublich schön und ich starrte ihn verwundert an.
Er sah so jung aus und doch war er schon Arzt?
Sofort bereitete sich wieder die Panik in mir aus und ich erschauderte.
„Mein Name ist Dr. Cullen.“ Er lächelte uns beiden vertrauenswürdig zu und ich konnte nicht anders, als sein Lächeln zu erwidern.
Ärzte allein machten mir Angst aber bei Dr. Cullen war es anders.
Er lief zu Edward und reichte ihm die Hand, um ihn zu begrüßen.
Als ich ihm meine Hand reichte, zuckte ich kurz zusammen.
Seine Hände waren eiskalt.
Verwirrt blinzelnd sah ich in seine Augen und entdeckte, dass sie von einem sattem honiggold waren.
Honiggold? Vielleicht war der Aufprall mit der Wand doch zu feste gewesen.

„Was ist passiert?“, fragte Dr. Cullen in einem fachmännischen Ton, wirkte aber immer noch freundlich.
Sein Blick glitt konzentriert über meine Wange und seine kalten Finger berührten meine Schläfen, während Edward zu erzählen begann.
Diese kühle Berührung war wohltuend und ich schloss für einen kurzen Moment die Augen.
„Junge Lady, Sie sollten doch wissen, dass sie Nachts möglichst nicht alleine durch die Straßen von Chicago ziehen sollten“, bemerkte er tadelnd, während er meine Wunde am Hinterkopf untersuchte.
„Das habe ich ihr bereits gesagt“, erklärte Edward mit einem gequälten Lächeln und Dr. Cullen lächelte amüsiert.
„Nun, Miss Swan. Ich kann Ihnen versichern, dass Ihre Verletzungen nicht weiter schlimm sind. Eine Gehirnerschütterung kann ich auch nicht erkennen. Sie haben wirklich Glück gehabt.“ Er warf einen Blick zu Edward, der erleichtert ausatmete.
„Das heißt keine Nadeln?“, fragte ich hoffnungsvoll.
Dr. Cullen lachte und ich hatte in meinem bisherigen Leben noch nie so ein wohlklingendes Lachen gehört.
„Nein, keine Nadeln“, versicherte er mir und legte seine kalte Hand beruhigend auf meine Schulter.
„Die junge Lady sollte jetzt etwas Schlafen“, fügte er noch an Edward gewandt hinzu.
Jetzt bemerkte ich erst, wie müde ich war und meine Augen wurden so langsam schwer.
Wahrscheinlich fiel mir das erst jetzt auf, da das Adrenalin zuvor die Müdigkeit unterdrückt hatte.

„Komm, ich werde dich nach Hause bringen“, flüsterte Edward mir behutsam ins Ohr und ehe ich mich versah, lag ich schon in seinen Armen.
„Ich kann noch laufen. Das musst du wirklich nicht tun“, murmelte ich peinlich berührt, doch Edward schüttelte nur mit seinem Kopf.
„Schlaf ruhig, ich werde dich sicher nach Hause bringen“, erklärte er mir noch einmal und verabschiedete sich von Dr. Cullen.
„Passen Sie gut auf Sie auf“, hörte ich noch seine Stimme, bevor Edward sich aus dem Raum hinaus bewegte.
Die Müdigkeit breitete sich langsam in meinem ganzen Körper aus.
Nur halb vernahm ich ein unheimlich lautes Röhren, welches mich kurz aufschrecken ließ, doch ich konnte es nicht zu ordnen.
Das letzte was ich hörte, war wie Edward die Adresse meines zu Hauses nannte.

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