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Chicago 1917. Isabella Marie Swan führt ein recht normales Leben zusammen mit ihren Eltern. Ihre Familie ist nicht gerade reich und aus diesem Grund hilft Bella wo sie nur kann. Abends arbeitet sie als Aushilfe bei den unterschiedlichsten Veranstalungen und als ihr eines Tages bei den Masens ein Missgeschick passiert, verändert sich ihr Leben von nun auf vollkommen.

Mittwoch, 28. April 2010

Kapitel 1: Glück ist Ansichtssache

Kapitel 1: Glück ist Ansichtssache

Bella POV


Verträumt warf ich einen Blick in meinen Kleiderschrank. Schon immer hatte ich mir eines dieser schönen Kleider gewünscht. Eines aus Seide. Jedes Mal, wenn ich an einem Modegeschäft vorbei kam, warf ich einen sehnsüchtigen Blick in das Schaufenster.
Es schien sie in allen Farben und Formen zu geben doch ich wusste ganz genau, dass dieser kleine Traum von mir auch immer nur ein Traum bleiben würde.
Wir waren nicht reich und hielten uns mit unserem kleinen Lebensmittelgeschäft recht gut über Wasser, aber dennoch war es in manchen Zeiten schwierig, etwas zu Essen aufzutreiben.

Der erste Weltkrieg ging auch nicht einfach so an uns vorbei
Meine Eltern unterstützte ich so gut ich nur konnte.
Jetzt wo ich 16 war, konnte ich mich schließlich vollkommen dem Laden widmen und meinen Eltern helfen.
Damit nahm ich meiner Mutter und meinem Vater schon eine ziemlich große Last ab.
Auch wenn ich jetzt bereits im heiratsfähigen Alter war, ich interessierte mich nicht für die Männer in meiner Umgebung.

Ich hatte wichtigere Dinge zu tun als die Mädchen in meinem Alter.
Meine Freundinnen sorgten sich schon jetzt darum, nie den richtigen finden zu können. Ich hingegen sorgte mich um die wirklich wichtigen Dinge im Leben.


Mit einem zufriedenen Lächeln entschied ich mich für mein Lieblingskleid, welches mein Vater mir vor nicht allzu langer Zeit gekauft hatte.

Es war wundervoll und sah auch äußerst edel aus.
Natürlich war es nicht zu vergleichen mit den wirklich teueren Kleidern, doch wenn ich dieses Kleid trug fühlte ich mich um einiges besser.

Ich strich sorgfältig über den blauen Stoff und zog es behutsam über meine Korsage.
Meine langen braunen Locken hatte ich locker zurückgesteckt, sodass mir einige Strähnen locker ins Gesicht fielen.

„Isabella?“ Das war die Stimme meiner Mutter und ich hastete eilig die Treppen runter.
„Du solltest dich mehr wie eine Dame benehmen und nicht durch das Haus rasen, als wärst du eine Wilde“, bemerkte sie mit einem kritischen Gesichtsausdruck und schüttelte tadelnd den Kopf.
"Entschuldige bitte, Mutter…“, antwortete ich schnell und meine Wangen färbten sich augenblicklich rot.

„Merk dir das für das nächste Mal. Du weißt, die Männer achten darauf wie sich eine Dame in der Gesellschaft verhält.“
„Ja, Mutter.“ Widerstand war zwecklos, also senkte ich reumütig meinen Kopf.
„Wir müssen auf den Markt. Beeil dich, mein Kind. Sonst ist die gute Ware schon verkauft.“

Meine Mutter scheuchte mich eilig zur Tür heraus, was sich als ziemlich schwierig heraus stellte, denn schließlich sollte ich eigentlich ja gar nicht rennen.
Im Flur griff ich noch nach meinem Korb, dessen Griff ich gelassen über meinen linken Arm legte.
Es war ein angenehmer Sommermorgen und ich genoss die ersten Sonnenstrahlen des Tages auf meiner Haut.

Sie fühlten sich so warm und geborgen an, dass ich einfach nicht anders konnte als meine Augen zu schließen und die Luft zufrieden seufzend einzuatmen.
Wenn alle Tage doch nur so schön sein könnten wie dieser es war.

„Isabella! Träumst du etwa wieder? Was sollen die Leute denn von dir denken?“ Meine Mutter zupfte mein Kleid mit ihren Fingern zurecht und ordnete meine Frisur.
Ich wusste, dass sie die ganze Sache nicht böse meinte, aber sie war sehr bedacht darauf was die Leute über uns dachten.
Wenn wir schon nicht das passende Geld hatten, dann sollten wir bestenfalls mit unserem guten Benehmen auffallen.

Mit einem bewundernden Blick folgte ich den wenigen Autos, die durch die langen Straßen Chicagos fuhren.
Sie waren beeindruckend auch wenn ich eine Kutschfahrt diesen neuen dröhnenden Dingern lieber vorzog.
Wahrscheinlich würde sich dieser neue technische Schnick-Schnack am Ende ja doch nicht durchsetzen.
Der Weg war ziemlich weit, aber um jeden Morgen eine Kutsche zu bezahlen fehlte uns einfach das Geld.

Für mich war dieser morgendliche Spaziergang kein Problem, denn wir liefen dabei durch mein Lieblingsviertel in Chicago.
Ich bewunderte die großen und prächtigen Häuser und die wunderschönen Gärten, die sich über die ganze Straße lang erstreckten.
Tausende von Blumen in den verschiedensten Farben erhellten die grauen Straßen und zauberten mir ein Lächeln in mein Gesicht.
Es musste ein Traum sein hier zu wohnen.
Ich war nicht neidisch auf die Leute, die hier wohnten. Ich bewunderte sie.
Und ich konnte mit Sicherheit sagen, dass ich auch so in meinem Leben unheimlich glücklich war, denn ich hatte eine wunderbare Familie.
Eine Mutter und einen Vater die mich über alles liebten und unglaubliche Freunde, die mein Leben jeden Tag aufs Neue bereicherten.



Nach dem langen Fußmarsch betrat ich zusammen mit meiner Mutter den städtischen Markt.

Wie immer traf ich alle möglichen Leute hier und wir wurden stets freundlich begrüßt.
Leise summend sah ich mich am Obststand um und untersuchte gerade einen Apfel.
Ungeschickt wie ich war, kullerte er mir nach wenigen Minuten aus der Hand und rollte zu Boden.
Seufzend drehte ich mich um, um auf dem Boden nach dem Apfel zu suchen.
Das war natürlich nicht sehr damenhaft, aber ich konnte ihn ja nicht einfach auf dem Boden liegen lassen.
Ich entdeckte ihn schließlich an einem männlichen Schuh gelehnt.
Gerade wollte ich mich bücken, um den Apfel wieder aufzuheben, da kam mir eine andere Hand schon zu vor.

„Eine Lady sollte sich nicht schmutzig machen“, bemerkte eine mir bekannte Stimme und lachte leise.
Verwundert sah ich in das bleiche und strahlende Gesicht meines besten Freundes.
„Mike!“ Mit einer schnellen Bewegung erhob ich mich wieder vom Boden und lächelte strahlend.
Mike kramte in seiner Hosentasche nach etwas und reichte dem Verkäufer das Kleingeld, um den Apfel zu bezahlen.
Da er mir heruntergefallen war, hätte ich ihn so oder so bezahlen müssen aber Mike war immer so großzügig.
„Du musst den wirklich nicht bezahlen“, murmelte ich errötend und kramte hektisch in meinem Korb nach etwas Geld.

Er hatte schon so viele Dinge für mich bezahlt, dass ich ihm wahrscheinlich schon ziemlich viel Geld schuldete.
„Bella, lass mich einfach diesen Apfel bezahlen und denk nicht weiter darüber nach.“ Er reichte mir mit einem Nicken den Apfel.
Seufzend nahm ich ihn an und lächelte schüchtern, während ich den Apfel in meinen Korb legte.
Mike war der einzige, der nicht meinen vollen Namen benutzte.
Er nannte mich schon immer Bella und das hatte sich auch nicht geändert.
Dieser Spitzname war mir eigentlich immer lieber als Isabella, aber dem Anstand nach war es gewöhnlich den vollen Namen zu benutzen.
Mit den Jahren hatte ich es mir auch angewöhnt, ihn nur Mike anstatt Michael zu nennen.

„Warum bist du hier zu so früher Stunde auf dem Markt?“, fragte ich ihn verwundert, nachdem er mir lächelnd einen Handkuss zur Begrüßung gab.
Das brachte mich jedes Mal in der Öffentlichkeit in Verlegenheit und die Leute fragten sich sicherlich schon seit einiger Zeit, wann es denn endlich soweit sein würde und er um meine Hand anhalten würde.
Dabei waren wir doch immer nur beste Freunde gewesen und wenn ich ehrlich war, konnte ich ihn mir auch nicht als meinen zukünftigen Ehemann vorstellen.


Aber auch so oder so gab es unheimlich viele Dinge, die mich in Verlegenheit brachten.

Abgerundet wurde diese Tatsache noch dadurch, dass ich mich immer wieder von einem ins nächste Fettnäpfchen stürzte.
„Ich erledige einige Dinge für meine Eltern. Sie haben mich heute früh darum gebeten“, erklärte er und deutete auf einen Beutel in seiner Hand.
Dann begutachtete er mich aufmerksam von oben bis unten.

„Hast du heute eine Verabredung?“
In seiner Stimme schwang ein Ton mit, den ich nicht so recht zu deuten wusste.
Ehe ich auf seine Frage antworten konnte, kam meine Mutter dazu und strahlte Mike.
Lächelnd schüttelte er ihre Hand.

„Guten Morgen, Mrs. Swan. Sie sehen wie immer umwerfend aus.“
„Ist Michael nicht ein Gentleman?“, kicherte meine Mutter verzückt und sah mit einem bedeutungsvollen Blick zu mir herüber.
Ich wusste nicht, was ich darauf erwidern sollte, als setzte ich ein schüchternes Lächeln auf und wandte meinen Blick dann in eine andere Richtung.
Mike kannte ich schon seit ich denken konnte und somit war er für mich auch nicht mehr als nur ein Freund.
Doch meine Mutter schien da einen anderen Gedanken zu verfolgen, der mir ganz und gar nicht gefiel.

In letzter Zeit hatte ich sie immer öfters dabei beobachtete, wie sie aufgeregt mit Mrs. Newton in ihrem Garten tuschelte.
Wenn ich mich zu ihnen gesellte, verstummten die beiden sofort und tranken ihren Tee, als wäre nichts passiert.

Eine ganz bestimmte Vorahnung schwirrte in meinem Kopf herum, aber ich wollte ihn lieber nicht laut aussprechen.
Mikes Familie besaß mehr Geld als wir, aber dennoch gehörten sie nicht zu der oberen Schicht.
Doch trotz des Geldes war Mike immer noch der gleiche geblieben und diese Tatsache schätze ich wirklich sehr an ihm.
Geld veränderte die Menschen, dass hatte ich schon so oft mitbekommen und fand es immer wieder aufs Neue traurig.
Schließlich war es doch nur Geld.
Nichts weiter als ein paar Scheine oder Münzen, mit denen man sich keine Liebe oder Freundschaften erkaufen konnte.


„Bella, ich soll dir noch etwas von Mrs. Matthews ausrichten. Sie fragt, ob du heute vielleicht deine Zeit aufopfern könntest. Sie bräuchte noch Hilfe bei dem Bankett.“

Mike warf mir einen fragenden Blick zu.
Manchmal halfen er und ich zusammen Mrs. Matthews, die regelmäßig die Feste und Veranstaltungen der reichen Leute plante.
Das brachte unseren Familien etwas zusätzliches Geld und zusammen mit Mike machte mir die Arbeit sogar unheimlich viel Spaß.
Auch wenn das hieß, dass wir an solchen Abenden die reichsten Leute Chicagos bedienen durften.
Doch mit der Zeit gewöhnte man sich an die abfälligen Blicke der Leute und ich registrierte sie schon beinahe nicht mehr.
Ehrlich gesagt waren sie mir sogar egal.
Wenn die Leute sich für etwas Besseres hielten, dann ließ ich sie in diesem Glauben.

„Gewiss doch. Wenn ich alle Arbeiten erledigt habe“, erklärte ich ihm lächelnd.
„Dann sehen wir uns also heute Abend? Ich würde vorschlagen, dass ich dich pünktlich um 8 Uhr abhole. Wenn es Ihnen recht ist, Mrs. Swan.“ Mike warf einen fragenden Blick zu meiner Mutter herüber, die einfach nur strahlend nickte.
Wenn es um Michael Newton ging, dann sagte sie niemals nein.

Mike verabschiedete sich so von mir, wie es sich gehörte und als er auch meiner Mutter einen kurzen Handkuss gab, war sie wieder einmal vollkommen hin und weg von ihm.
Doch jetzt, da ich die ganze Zeit lang mit Mike vertrödelt hatte musste ich mich beeilen um meine Einkäufe noch erledigen zu können.
Wenn wir nicht rechtzeitig wieder zurück waren, konnten wir unseren Laden nicht pünktlich öffnen und das bedeutete einen Verlust.
Aber das konnte meine Laune heute nicht trüben.
Ich hatte ein wirklich gutes Gefühl für den heutigen Tag.

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